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Abseits von Fantasiebudgets und Selbstzelebrierung

, von  Tobias Kreutzer

Das Internationale Filmfestival in Venedig gehört neben Cannes zu der wichtigsten europäischen Plattform für Filmemacher aus aller Welt. Lange nach den Hochzeiten des französischen und italienischen Kinos konnte zuletzt 2009 der Österreicher Michael Haneke den Hauptpreis von Cannes für „Das Weiße Band“ entgegennehmen. Er und sein Landsmann, der Hollywood-Überflieger Christoph Waltz sind Schlüsselfiguren, wenn es um die Frage nach der Zukunft und internationalen Bedeutung des europäischen Filmes geht.

In dieser Woche begehen die Filmfestspiele in Venedig ihr 70. Jubiläum. – Foto © la Biennale di Venezia / 2013

Autoren

  • studiert Journalismus und Politikwissenschaften an der TU Dortmund. Journalistische Erfahrungen sammelte er unter anderem beim Radio und als freier Mitarbeiter für mehrere Online-Musikmagazine.

Traditionell wurde die diesjährige 70. Ausgabe der Filmfestspiele in Venedig mit einem ganz und gar uneuropäischen Publikumsmagneten in Form des schönsten aller Hollywood - Gutmenschen, George Clooney eröffnet. Wie immer ist mediale Aufmerksamkeit erst einmal wichtiger als die Qualität, große Namen und hohe Budgets interessanter als Independent-Kino. Dabei entstammen die meisten der 20 Filme, welche bis zum Samstag um den Goldenen Löwen konkurrieren, gerade diesem Bereich. Mit im Wettbewerb ist unter anderem der neue Sci-Fi Streifen „The Zero Theorem“ der Monty Python – Legende Terry Gilliam.

Im Bereich des anspruchsvolleren Kunstfilmes und abseits von Blockbuster - Franchises a la Transformers ist Europa nach wie vor ein wichtiger Markt. Die Filmfestspiele in Cannes schätzen vor allem Regisseure, die sich trotz beträchtlichen Erfolges nach wie vor nicht im Mainstream bewegen. Schwergewichte wie Quentin Tarantino oder Joel und Ethan Coen haben ihre Karrieren teilweise umjubelten Cannes-Vorstellungen ihrer Frühwerke zu verdanken und kehren gern hierher zurück. In Zeiten, in denen die Verleihung der Academy Awards einem nicht mehr zeitgemäßen Schaulaufen der längst nicht mehr so glorreichen Hollywood - Industrie gleichkommt, erfreuen sich diese Veranstaltungen großer Beliebtheit.

In der Geschichte des europäischen und vor allem deutschen Filmes gab es durchaus eine Reihe von Namen, die es zu internationaler Bedeutung gebracht haben: Klaus Kinski, Schwarzenegger, Jean-Luc Godard oder Werner Herzog – letzterer wird heute in seiner Wahlheimat Amerika deutlich mehr geschätzt als in Deutschland – um nur einige zu nennen. Doch wie sieht es mit der heutigen Generation europäischer Filmemacher und Darsteller und ihrer internationalen Bedeutung aus? Da wäre zum Beispiel der „Spielbergle aus dem Schwabenland“, Roland Emmerich. In seinen hoch budgetierten Blockbustern „Independence Day“ und „The Day After Tomorrow“ zerstört er wie ein ganz Großer, was es an amerikanischer Großstadtarchitektur zu zerstören gibt. Im sommerlichen Unterhaltungs- Katastrophenfilm-Genre repräsentiert er Deutschland. Der Regisseur Tom Tykwer verwirklichte letztes Jahr mit den Wachowski-Geschwistern (Matrix) das ambitionierte Projekt „Cloud Atlas“. In „Inglourious Basterds“ arbeitete Quentin Tarantino 2009 mit einer ganzen Reihe deutscher Schauspieler zusammen: Darunter Til Schweiger, Daniel Brühl, Christian Berkel und Martin Wuttke. Der Film wurde außerdem zu nicht unerheblichen Teilen in den Babelsberger Filmstudios abgedreht.

Venedig ist nicht der Ort für Peter Jackson – Premieren oder seichte Michael Bay – Unterhaltung, hier wird kein „Hobbit“ und kein „Transformers“ – Teil jemals Premiere feiern. Das ist gut so. Europa war immer das Zuhause von Arthouse und Kunstfilm und genau dafür schätzt man es nach wie vor in der Welt. Mit Hollywood – Budgets kann hier kaum einer mithalten, aber sollte das der Anspruch sein? Jahr um Jahr präsentieren Cannes, Venedig und Berlin Perlen der Filmkunst, welche auch in vielen Jahren noch Anerkennung finden werden. In Vielem, was über die romantische Komödie für die ganze Familie oder den Actionkracher zum Gehirn abschalten hinausgeht, hat Europa nach wie vor die Nase vorn. Da kann man dem diesjährigen Filmfestival in Venedig auch einen unverschämt gut aussehenden, lockeren Clooney mit siegessicherem Grinsen, Raumanzug und Weltrettercharme zur Eröffnung verzeihen. Die kommenden Festivaltage werden wie immer die interessanteren.

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