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Ein Bayer in Frankreich – Beim Essen hört der Spaß auf!

, von  Thomas Wittmann

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Obazda und PretzelBestimmte Rechte vorbehalten von AnitraVivi

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Frankreich - das Land der Gourmets - das wird den Franzosen zumindest gerne nachgesagt. Wer sonst käme auf die Idee, solche Köstlichkeiten wie Petit Fours, Mousse au Chocolat, oder Macarons zu erfinden. Nicht umsonst ist die Cuisine française auf der ganzen Welt bekannt. Nirgendwo wird man wohl so viele Käsesorten im Supermarkt und so viele Baguettesorten beim Bäcker finden. Zeit wird’s, dachte ich mir als bayerischer Erasmus-Student, den Franzosen einmal meine heimische Kultur und genauer gesagt, die Esskultur näher zu bringen – im Sinne der Völkerverständigung versteht sich. Denn jeder Erasmus-Student soll schließlich auch immer ein Botschafter seines Landes sein und soweit das möglich ist, im Gastland einen positiven Eindruck seiner Kultur hinterlassen.

Gesagt, getan! Und womit beglückt man Franzosen besser als mit einem waschechten Münchner Weißwurstfrühstück? Mit der Saucisse blanche mit einem Löffel Moutard douce und einer Pretzel auf dem Teller schaut der Franzose und die Französin erst einmal ganz ungläubig drein. Zum Frühstück? „Dégulas“ rutscht es schon heraus – „ekelhaft“! Nach dem ersten Bissen, und bitte ohne die Haut, waren die meisten dann erstaunlicherweise dank der Pretzel so satt, dass die Weißwurst mit dem Hausmachersenf leider nicht mehr runter ging. So unglaublich satt sieht man sie selten, die Franzosen.

Wer Wurst nicht mag, der mag vielleicht dann Käse und wer sonst, wenn nicht die Franzosen? Also überraschte ich meine französischen Freunde mit einem ganz besonderen Schmankerl, nämlich einer großen Schüssel Obazda nach echt bayerischem Rezept. O-was bitte? Obazda, das ist eine bayerische Käsezubereitung aus Camembert, Butter, Zwiebeln, Paprikapulver, Kümmel und Bier. Damit müsste ich es eigentlich ins Schwarze getroffen haben, schließlich lieben die Franzosen Camembert, Beurre kennen sie auch und die Gewürze benutzen sie ebenfalls in ihrer Küche. Der erste Kommentar zur Schüssel mit dem Käse: „Kann man das essen?“ „Ja, am besten mit – es gab nichts anderes – Baguette.“ Als Franzose ist man schließlich nicht unhöflich und probiert folglich ein Stück, mit Baguette. „Puh, äh, ein wirklich ganz außergewöhnlicher Geschmack.“ „Noch eines?“ „Merci beaucoup, aber meine Figur...“

A propos Figur, als Deutscher in Frankreich stellt man sich die Frage, warum die Französinnen und Franzosen immer so unglaublich schlank sind. Und nach einem Jahr im Land der Feinschmecker muss ich sagen, ich kann es mir langsam erklären. Die Franzosen essen einfach nichts, also im Verhältnis zu den Deutschen. Deutsche Küche ist schließlich eher als deftiger und quantitativ bekannt und die Franzosen setzen dagegen auf Genuss und ausgewählte Zutaten. Setzt man einer Französin einen schönen deutschen gemischten Salat vor, mit ordentlich Soße drauf, kommt als Kommentar „Willst du mich mästen?“ In Frankreich bevorzugt man eher die Salatblätter einzeln, also höchstens zwei bis drei Stück, hübsch drapiert mit ein paar Sprenklern Orangenjus. Darauf folgt dann nicht etwa ein ordentliches Schnitzel, das bis über den Tellerrand reicht, nein, sondern ein kleines Stückchen Entrecôte. Das ist ein ganz besonders edles Stück Rindfleisch von der Größe einer Streichholzschachtel. Tja, mit einem Haps ist das im Mund. Bei den Desserts sind die Franzosen aber ganz besonders kreativ, neben den zehntausend Mousse-, Créme- und Biskuitsorten ist eine Nachspeise ganz besonders beliebt: die Île flottante, zu deutsch überflutete Insel. Dieses Etwas besteht eigentlich nur aus Luft und ein paar Molekülen Eischnee. Das ganze wird dann mit einem Spritzer Vanillesoße „überflutet“. Dagegen kontert Bayern etwa mit der bayerisch Creme, einer Doppel-, Dreifachrahmzubereitung mit extra viel Fett. Ob ein Franzose dies essen würde, beantwortet sich wohl von selbst.

Doch eines mochten die Franzosen dann doch von den deutschen Essspezialitäten. Nämlich diese kleinen Kuchen mit Schokoladenüberzug, die ich an meiner Weihnachtsfeier zum Glühwein hatte. Bring doch welche von diesen kleinen Kuchen mit, meinte ein Franzose im Hochsommer zu mir. Je suis désolé, aber Lebkuchen gibt es frühestens Ende September wieder zu kaufen.

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P.S.

Hinweis: Wir bitten die eintägige Verspätung zu entschuldigen.

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