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Ein schlechter Verlierer trampelt auf dem Pflänzchen der deutsch-französischen Freundschaft herum

Ein kritischer Nachtrag zur Handball-WM 2007

Ja okay, man hätte dieses Tor geben können. Okay, es war eine enge Entscheidung. Man hätte den Vorteil laufen lassen können. Es wäre dann zum 7m-Werfen gekommen. Vielleicht hätten die Deutschen auch noch mal getroffen. Hätte, wenn und aber…. Die Schiedsrichter hatten aber nun mal abgepfiffen und der vermeintliche Ausgleichstreffer für Frankreich gegen Deutschland war nicht mehr Teil des regulären Spiels. Die Partie war bereits Sekunden zuvor unterbrochen worden.

So sind die Spielregeln und deshalb gewann Deutschland am Ende knapp gegen die favorisierten Franzosen im Halbfinale der Handball-WM 2007. So ist das im Handball. Es geht oft verdammt eng zu; Schiedsrichter werden oft kritisiert nach Spielen auf höchstem Niveau. Es ist ein extrem schnelles und hartes Spiel und sie müssen oft in Sekundenbruchteilen entscheiden: Vorteil oder nicht? Stürmerfoul oder Foul des Abwehrspielers? 2 Minuten-Strafe oder nur Freiwurf?…

Donnerstag 15. Februar 2007 nach Autor  Georg Walter | voter :
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Jeder Spieler weiß das. Jeder Trainer weiß das. Auch der französische Nationaltrainer Claude Onesta weiß das sicherlich ganz genau. Er ist ein Meister seines Fachs, er trainiert eine der besten Mannschaften der Welt und er ist 2006 Europameister geworden. Leider hat sich dieser Claude Onesta aus dem südwestfranzösischen Albi aber während der Weltmeisterschaft und vor allem nach dem WM-Turnier als sehr schlechter Verlierer präsentiert.

Anstatt anzuerkennen, dass Deutschland nach einer starken Leistung im Halbfinale einfach einen Tick besser (und sicherlich auch glücklicher) war als sein Team, trat er verbal nach. Nicht nur gegen die Schiedsrichter, sondern auch gegen die deutschen Handballfunktionäre und gegen den internationalen Handballverband IHF.

„Die Deutschen ziehen dort die Strippen; sie setzen ihre eigenen Regeln durch; es ist eine Mafia“ wetterte Onesta in einem Interview in L’Equipe, einer der besten Sportzeitungen Europas. Es sei klar gewesen, dass Deutschland gewinnen musste. Seiner Mannschaft sei es wegen der üblen Machenschaften der Funktionäre nicht möglich gewesen, den Titel zu gewinnen.

Mit seinen Äußerungen trampelt Claude Onesta auf dem Pflänzchen der deutsch-französischen Freundschaft herum, das von vielen anderen (größtenteils weniger prominenten) Menschen liebevoll gehegt und gepflegt wird, zum Beispiel von den Mitgliedern der JEF in Deutschland und in Frankreich.

Da hat ein enttäuschter Trainer seiner Wut und Enttäuschung freien Lauf gelassen und leichtfertig falsche Behauptungen in die Welt gesetzt, die Millionen von französischen Zeitungslesern jetzt als Tatsachen ansehen und die das Deutschland-Bild dieser Leser sicherlich negativ beeinflussen. Merci beaucoup, Monsieur Onesta!

Mit seinen Äußerungen trampelt Claude Onesta auf dem Pflänzchen der deutsch-französischen Freundschaft herum

Dabei muss man nur kurz nachdenken, um zu erkennen, dass Onestas Behauptungen falsch sind: Wenn seine Vorwürfe stimmen würden, hätte Deutschland in den letzten Jahren alle Goldmedaillen abräumen müssen.

Das Gegenteil ist der Fall: Die deutsche Handballmannschaft hat bei vielen Turnieren entscheidende Spiele sehr knapp verloren. Häufig wurde sie dabei Opfer von umstrittenen Schiedsrichterentscheidungen. Selbst in besagtem Halbfinale sah es eher nach einer erneuten Niederlage aus. Die letzten zwei Minuten musste Deutschland in Unterzahl spielen – eine harte Entscheidung der Schiris, die Frankreich eigentlich zum Sieg verhelfen hätte müssen.

Frankreich hat dieses Spiel nicht wegen der Ereignisse in den letzten Sekunden verloren, sondern in den 80 Minuten zuvor, als zahlreiche Chancen nicht genutzt wurden, die Partie vorzeitig zu entscheiden. Außerdem hat Deutschland einfach sehr gut dagegen gehalten und hatte einen überragenden Torhüter.

Schlimmer als das unsportliche Verhalten Onestas ist aber sicherlich das Bild von „den Deutschen“, das in seinem Kopf offenbar herumspukt. Es ist traurig für jeden jungen Menschen, der sich für die deutsch-französische Freundschaft engagiert, die Äußerungen des 50jährigen zu lesen.

Es ist aber auch sehr bedauerlich, dass eine qualitativ so herausragende Zeitung wie L’Equipe diese verbalen Entgleisungen nahezu unkommentiert stehen lässt. Es wurde keine Gegenstimme zitiert, zum Beispiel von einem internationalen Funktionär.

Es ist bedauerlich, dass dem tollen WM-Titel einer sympathischen deutschen Mannschaft gerade mal zwei kleine Spalten auf einer halben Seite eingeräumt wurden (eine Seite in der l’Equipe hat acht Spalten), während das Interview mit Claude Onesta eine komplette Seite einnimmt.

Es ist sehr bedauerlich, dass es auch einer so guten Sportredaktion nicht gelingt, über den nationalen Tellerrand hinauszublicken und sich nicht von den aggressiven Reaktionen eines enttäuschten Trainers anstecken zu lassen, der offensichtlich einen Sündenbock für das Ausscheiden seines Teams benötigt hat.

Als junge Europäer sollten wir es besser wissen und besser machen. Bei aller Begeisterung für die Mannschaft des eigenen Landes sollte man die wichtigste Grundregel nicht vergessen: Fair play geht vor! Egal ob man gewinnt oder verliert, und egal wie knapp ein Spiel ausgeht.

CC by-nd


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