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Europas fette Kosten

, von  Tobias Kreutzer

Neben der Eurokrise gibt es in Europa derzeit auch noch ein vollkommen anders geartetes Problem, welches auch die Bundesrepublik in nicht unerheblichem Maße betrifft: Übergewicht, und zwar bei über der Hälfte der EU-Bürger. Nicht wenige davon stehen an der Schwelle zur krankhaften Fettleibigkeit oder haben diese bereits überschritten. Die Kosten für die Gesundheitssysteme sind enorm, weshalb die EU-Kommission jetzt mit einem neuen Forschungsprogramm die Zusammensetzung von fett- und zuckerreduzierten Lebensmitteln optimieren will.

Über die Hälfte der EU-Bürger haben Übergewicht, einige davon leiden sogar schon an krankhafter Fettleibigkeit. Die EU-Kommission will das jetzt ändern. Foto: © Net Doktor: „Maßband“, https://www.flickr.com/photos/netdoktorde/4400277803/. CC BY-NC 2.0: https://creativecommons.org/licenses/by-nc/2.0/

Autoren

  • studiert Journalismus und Politikwissenschaften an der TU Dortmund. Journalistische Erfahrungen sammelte er unter anderem beim Radio und als freier Mitarbeiter für mehrere Online-Musikmagazine.

Neben der Eurokrise gibt es in Europa derzeit auch noch ein vollkommen anders geartetes Problem, welches auch die Bundesrepublik in nicht unerheblichem Maße betrifft: Übergewicht, und zwar bei über der Hälfte der EU-Bürger. Nicht wenige davon stehen an der Schwelle zur krankhaften Fettleibigkeit oder haben diese bereits überschritten. Die Kosten für die Gesundheitssysteme sind enorm, weshalb die EU-Kommission jetzt mit einem neuen Forschungsprogramm die Zusammensetzung von fett- und zuckerreduzierten Lebensmitteln optimieren will.

Fettleibigkeit als kostenintensives Problem

In der Altergruppe zwischen 50 und 70 Jahren sind über 20 Prozent der Deutschen fettleibig. Daraus resultierende Erkrankungen wie Bluthochdruck oder Typ-2-Diabetes (nicht angeborene Diabetes) kosten das Gesundheitssystem jährlich gewaltige Summen. Auch im Rest der EU sieht es kaum besser aus.

Eine Studie aus dem Jahr 2012 fand heraus, dass beispielsweise Italien über den dicksten Nachwuchs in der EU verfügt, dicht gefolgt von den anderen Mittelmeer-Staaten. In der jungen Altersgruppe zwischen zwei und zehn Jahren seien fast 40 Prozent der Kinder übergewichtig oder gar fettleibig. Besonders in jungem Alter auftretende Fettleibigkeit stellt ein Problem dar, welchem später nur noch sehr schwierig beizukommen ist. Bereits seit einigen Jahren ist daher ein vermehrtes Aufkommen von Light-Produkten zu beobachten.

Light-Produkte oder die richtige Fettsorte?

Laut EU-Regulierung gilt ein Nahrungsmittel erst als reduziert, wenn der enthaltene Anteil eines bestimmten Inhaltsstoffes mindestens 20 Prozent unter dem Wert eines nicht-reduzierten Produktes liegt. Die sogenannten Kaloriensparer sind seit einigen Jahren schwer angesagt: In den letzten fünf Jahren stieg die hergestellte Menge von fettarmem Joghurt um fast 50 Prozent.

Dennoch leiden laut einer OECD-Statistik von 2012 rund 15 Prozent der über 18-jährigen Deutschen unter Fettleibigkeit. Diese ist abzugrenzen von normalem Übergewicht und ist erst gegeben, wenn die Person einen Body-Maß-Index von 30 und mehr hat.

Ein Grund dafür könnte sein, dass viele Light-Produkte eine Art von Speiseöl verwenden, welches weniger sättigt als herkömmliche Öle. Laut einer wissenschaftlichen Untersuchung von März diesen Jahres, fehlen den reduzierten Nahrungsmitteln oftmals wichtige Aromastoffe.

Guter Geschmack trotz Reduktion

Hier setzt das von der EU-Kommission initiierte „Pleasure“-Gesundheitsprojekt an. Experten zufolge kommt es, neben den richtigen Aromastoffen, vor allem auf die Verteilung der Inhaltsstoffe an. Nur so können die Produkte ihren Geschmack behalten. Überdies wolle man, wo es geht, auf den Einsatz von Ersatzstoffen wie Süßmacher verzichten, oder deren Anteil zumindest reduzieren.

Schon seit geraumer Zeit ist bekannt, dass sich die Verarbeitung von Süßstoff anstelle von Zucker oft sogar negativ auf Körpergewicht auswirken kann. Für ihr Projekt sieht die Kommission unter anderem eine Zusammenarbeit mit einer Reihe von Stakeholdern vor. Ob dem Problem mit dieser Nahrungsmitteloffensive beizukommen ist, bleibt nun abzuwarten.

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