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Geld schießt Tore?

Ein Blick auf EURO und Europameisterschaft

, von  Marian Schreier

Portugiesische Fußballfans während der Europameisterschaft 2004 – © Wikipedia

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Der Euro ist so stark wie nie und die Eurozone bestens aufgestellt. Wer hätte das vor noch zwei Wochen für möglich gehalten? Wenn Italien heute Abend Großbritannien aus dem Turnier wirft, ist eines sicher: Der nächste Europameister kommt – wieder einmal – aus der Eurozone. Schon bei der letzten Europameisterschaft standen mit Deutschland, Italien und Spanien drei Mitglieder der Eurozone im Halbfinale des Turniers. Überraschend für Fußballkenner und Finanzjongleure ist nicht die starke Präsenz der Euro-Länder, sondern viel mehr wer aus dem Club der 17 es regelmäßig in die Spitze des kontinentalen Fußballwettbewerbs schafft. Wenn es nach fiskalischer Disziplin und ökonomischer Stärke gehen würde, stünden Finnland, Österreich, die Niederlande und Deutschland unter den letzten vier. Auch Estland und Fußballzwerg Luxemburg hätten sich gute Chancen auf einen Halbfinaleinzug ausrechnen können. Beide schafften nicht einmal die Qualifikation.

Unter Fußballgesichtspunkten kann man dankbar dafür sein, dass die Millionen von Fans am 1. Juli in Kiew auf den Klassiker Luxemburg-Estland verzichten müssen, auch wenn bei Begegnungen der beiden Länder im Schnitt 2,6 Tore fallen. Sollten etwa dieselben ökonomische Gesetzmäßigkeiten, die Europa nun seit mehr als zwei Jahren in Atem halten, vor König Fußball halt machen? Dies scheint nicht nur wegen der inflationären Verwendung von Euro-Fußballvergleichen („Gegen Jogi hilft kein Rettungsschirm“, Bild-Zeitung) mehr als unwahrscheinlich. Noch unwahrscheinlicher als ein Finale Luxemburg-Estland ist allerdings, dass die Heerscharen von Ökonomen vor statistisch verwertbaren Fußballdaten halt machen würden. Und es kommt, wie es kommen muss. Eine kurze Schlagwortsuche in einschlägigen wissenschaftlichen Fachdatenbanken wirft dutzende ökonomische Artikel à la „Explaining International Soccer Rankings“ aus. Sollten die Ökonomen sich nicht lieber um die Schuldenkrise kümmern, naja lassen wir das.

Die beiden Wirtschaftswissenschaftler Leeds/Leeds kommen in einem Artikel aus dem Jahr 2009 zu dem Schluss, dass es hilft „groß und reich“ zu sein. Eine Aussage, die für die Europameisterschaft in etwa so haltbar ist wie die zwei Jahre alte Feststellung des neuen griechischen Finanzministers Rapanos, dass die griechischen Banken „bereit für die Herausforderungen der Zukunft“ seien. Der Realität näher kommen Hoffmann/Ging/Ramasamy (2002), die den fußballerischen Erfolg als ein Zusammenspiel von u.a. dem Bruttoinlandsprodukt (BIP), der Einwohnerzahl und der Temperatur interpretieren. Bemerkenswert: Laut den Autoren ist der Zusammenhang zwischen Wirtschaftskraft und Erfolg auf dem Platz umgekehrt U-förmig. D.h. Geld schießt Tore, aber nur bis zu einem gewissen Punkt, dann schadet es den Kickern. Dies kann vielleicht erklären warum Spanien, Portugal und Italien in der Spitze spielen, aber warum wird auf dem Fußballplatz „in Europa wieder Deutsch gesprochen“ (Volker Kauder, November 2011)?

Hier helfen komplexe ökonometrische Modelle nicht weiter, sondern klassische Fußballphilosophie von der Insel: „Fußball ist ein einfaches Spiel: 22 Männer jagen 90 Minuten lang einem Ball nach, und am Ende gewinnen die Deutschen.“ (vgl. Gary Lineker 2010).

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