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Auf den Straßen Europas

, von  Jonas Botta

Auf dem Weg zur Metro, zum Bus oder in der Fußgängerzone - die Verkäufer und ihre Straßenzeitungen begegnen uns in allen großen Metropolen Europas. Ein flüchtiger Blick, dann ein verschämtes Wegsehen. Für mehr reicht es meistens nicht. Doch die Straßenzeitung bleibt trotz Kritik auch nach fast 25 Jahren in Europa wichtig. Warum?

Die erste europäische Straßenzeitung The Big Issue ist bis heute prägend für das Stadtbild Londons. – Foto: „John“ © Rachel Sian / Flickr / CC BY-NC 2.0

Autoren

  • studiert Rechtswissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin. Seine inhaltlichen Schwerpunkte sind Menschenrechte und Demokratisierung.

Eine Straßenzeitung und sein Verkäufer. Beide sind aus dem Stadtgeschehen europäischer Metropolen nicht mehr wegzudenken. Täglich kann man Straßenzeitungsverkäufern zu beinahe jeder Tages- und Nachtzeit im öffentlichen Nahverkehr von London, Berlin, Malmö oder Wien begegnen. Doch meist besteht diese nur aus einem flüchtigen Blick und einem verschämten Wegsehen. Ein guter Anlass dafür, dieser Zeitungslandschaft und den von ihr lebenden Menschen einen bewussten Moment zu widmen.

Ein Leben mit mehr Würde

Vor bald 25 Jahren wurde die erste Straßenzeitung Europas in London gegründet, The Big Issue ist bis heute prägend für das Stadtbild der britischen Hauptstadt und hat Ableger im ganzen Vereinigten Königreich und in Übersee gefunden. Ein Jahr darauf folgte 1992 die erste deutsche Straßenzeitung in Köln mit Namen BankExpress (heute Draussenseiter). Neben dem allgemeinen Anspruch von Zeitungen – seien es nun Die Zeit oder Der Straßenfeger – Informationen mitzuteilen und die Leserschaft zum Nachdenken anzuregen, verfolgen dabei alle Straßenzeitungen einen weiteren, sozialeren Zweck. Durch ihren Verkauf sichern sie sozial und finanziell ausgegrenzten Menschen ein kleines Einkommen und eine den Umständen entsprechend geregelte Tätigkeit und fördern zeitgleich Notunterkünfte und andere soziale Einrichtungen.

Soziale Anliegen werden diskutiert

Mittlerweile gibt es allein in Deutschland rund 36 Straßenzeitungen, die oftmals trotz der viel herbeigeschriebenen Krise der Printmedien ihre Auflage stetig steigern können. Dabei berichten die Zeitungen insbesondere über sozialpolitische Themen wie etwa Mietsteigerungen oder gesellschaftliche Teilhabe, um über die Inhalte andere Menschen für die Belange ihrer Klientel zu sensibilisieren. Inzwischen lässt sich aber auch hier teilweise ein Wandel hin zur Kommerzialisierung erkennen, die vor allem bei The Big Issue in Großbritannien zur vermehrter Kritik geführt hat. Beim Berliner Straßenfeger soll dafür der Superpenner in diesen Tagen erneut für mehr Attraktivität der aktuellen Auflage sorgen.

Kontakt auf Augenhöhe

Neben dem materiellen Gewinn aus dem Straßenzeitungsverkauf, stellt dieser oftmals einen ideellen Mehrwert für die mehrheitlich wohnungslosen (oder von Wohnungslosigkeit bedrohten) Verkäufer dar. Einerseits durch das Konzept der Hilfe zur Selbsthilfe. Andererseits führt der Kontakt zwischen Verkäufer und Käufer dazu, dass die sozialen Unterschiede zwischen beiden für einen kurzen Moment überwunden werden. Denn natürlich sind Straßenzeitungen nicht die Lösung für das Ende von Wohnungslosigkeit und sozialer Stigmatisierung, aber innerhalb des bestehenden Systems sind sie ein gutes Mittel für den Weg zu einem sozialen Miteinander. Umso wichtiger ist es, dass dieser Kontakt auf Augenhöhe jeden Tag aufs neue auch wirklich zustande kommt.

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