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Berechtigte Zweifel oder unbegründete Selbstkritik?

, von  Nathalie Bockelt

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Griechenlandkrise. Flüchtlingskrise. Europa in der Krise? Wie ist es um Europa wirklich bestellt? Ein Blick von außen von unserer Autorin Nathalie Bockelt aus Washington D.C..

Das mediale Bild Europas ist aktuell krisengeprägt. Trotzdem darf Europa die Errungenschaften der EU nicht aus den Augen verlieren. – © Niccolò Caranti / Flickr/ CC BY-NC-ND 2.0-Lizenz

Autoren

  • Studentin der Politikwissenschaft und American Studies an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Freie Journalistin im Print- und Online-Bereich. Inhaltlich gilt ihr besonderes Interesse dem politischen System der USA und der europäischen Integration.

Die Europäische Union wird seit jeher von den Föderalisten als schicksalsweisendes Projekt angepriesen, während sie von den Anhängern des Nationalstaats stets als zu bürokratisch und weitreichend kritisiert wurde. Aktuelle Krisen und institutionelle Defizite erschweren es umso mehr, eine gemeinsame europäische Identität zu definieren. Doch wie denkt eigentlich der Rest der Welt über Europa?

Von Krisen und Hoffnungen

Flüchtlinge, Eurokrise, Jugendarbeitslosigkeit: Wer dieser Tage eine europäische Tageszeitung aufschlägt, erhält schnell das düstere Bild eines krisengeschüttelten Europas. Auch das Schlagwort Demokratiedefizit wird von Experten oft zitiert, wenn erklärt werden sollen, warum viele Bürger der Europäischen Union immer noch skeptisch gegenüber stehen. Die Forderungen nach einer institutionellen Reform der EU werden lauter. Dabei würde es der EU gut tun, sich für einen kurzen Moment auf die Schulter zu klopfen und stolz auf das bislang Erreichte zurückzublicken. Denn andere Länder bewundern das Projekt aus der Ferne. Viele Menschen in Afrika etwa hoffen weiterhin auf eine wirtschaftliche Zukunft in Europa, obwohl der aktuelle Umgang der EU mit Flüchtlingen mehr als problematisch ist. Gleichzeitig dient das ressourcenbewusste Europa dem Kontinent in Energiefragen als Vorbild und Kooperationspartner, etwa beim Wüstenstromprojekt „Desertec“. Die USA dagegen schwärmen von „romantic europe“: den kleinen Gassen, historischen Gebäuden und den vergleichsweise kurzen Distanzen. In drei Stunden mit dem Zug nach Paris? Völlig undenkbar im Land der großen Entfernungen.

Landkarte der Vorurteile

Allerdings sind die Meinungen oft von Klischees und Vorurteilen geprägt. Im Jahr 2014 veröffentlichte der Internetkonzern Google eine interaktive Landkarte, die auf den automatisch vervollständigten Suchbegriffen seiner Nutzer basiert. Personen, die etwa den Begriff „Why is Sweden so…“ ihre Suchleiste eintippten, erhielten als häufigsten Vorschlag das Adjektiv „happy“. Jedoch spiegelt die Landkarte auch strukturelle Differenzen innerhalb Europas wider. Während fast alle osteuropäischen Ländern als arm gelten, wurden viele Länder Westeuropas von den Google-Nutzern als reich, hübsch oder glücklich eingestuft.

Zeit für Reformen

Das positive Feedback ist dennoch kein Anlass für Europa, sich entspannt zurückzulehnen. Die transatlantischen Beziehungen sind seit NSA-Skandal und TTIP-Verhandlungen mehr als strapaziert, und der Umgang der EU mit Flüchtlingen wird zu Recht als inhuman und unerträglich kritisiert. Die positive Außenansicht zeigt allerdings, dass Europa das Potenzial hat, großartig zu sein und Dinge zu bewegen. Die aktuellen Probleme und Selbstzweifel sollten deshalb mehr als genug Anlass für Reformen und Veränderungen sein.

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