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Brief an: Giuseppe Mazzini

, von  Stéphanie-Fabienne Lacombe

In der Reihe der verkannten Wegbereiter eines europäischen Föderalismus nimmt der Italiener Giuseppe Mazzini einen der vordersten Plätze ein.

In vielen europäischen Ländern gründeten sich Fraktionen der Bewegung „Junges Europa“ für Demokratie und Föderalismus...bereits im 19. Jahrhundert. © Charles Clegg/ Flickr/ CC 2.0-Lizenz

Autoren

  • Stéphanie-F. Lacombe studiert Geographie und VWL in Berlin. Bei Praktika beim „Handelsblatt“ sowie „ParisBerlin“ entdeckte sie ihre Begeisterung für Journalismus. Im Sprachenmix fühlt sie sich zu Hause, daher ist sie seit April 2015 Koordinatorin der Übersetzungen bei treffpunkteuropa.de.

Caro Giuseppe,

in der Reihe der verkannten Wegbereiter eines europäischen Föderalismus nimmst du einen der vordersten Plätze ein. Denn du warst ein wegbereitender und inspirierender Denker des europäischen Föderalismus. Im Kontext des „Risorgimiento“, der Vereinigungsbewegung italienischer Fürstentümer zu einem Nationalstaat im 19. Jahrhundert, entwickeltest du die Vision eines europaweiten demokratischen Verbundes der Nationen. Du gründetest die revolutionäre Bewegung „Junges Italien“, die sich für ein demokratisches und vereintes Italien einsetzte, sowie viel gelesene Schriften publizierte. Deutsche Intellektuelle gründeten zeitnah den Geheimbund „Junges Deutschland“ und gemeinsam mit eurer polnischen Bruderbewegung „Junges Polen“ unterschriebt ihr 1834 die „Verbrüderungsakte“, deren Ziel ein demokratisches Europa der Völker war. Zentrum der pro-europäischen Bewegung war, aus heutiger Sicht durchaus ironisch, die Schweiz. Denn hier konnten sich Exilanten und Flüchtlinge ungestört versammeln. Doch die Ruhe währte nur kurz, denn schon wenige Monate später brach Österreich die diplomatischen Beziehungen zur Schweiz aufgrund von Vermutungen, ein militärischer Überfall stünde bevor, ab und ließ seine Leute ins Land zurückholen. Auch wies die Schweiz viele junge Intellektuelle aufgrund des Drucks von Frankreich aus dem Land.

Dennoch bildete sich die Bewegung erneut und du gründetest revolutionäre Sektionen in Frankreich, Spanien, Belgien und der Schweiz, die sich gegen das Europa der Fürsten und Könige aussprachen. Uneinigkeit herrschte jedoch zwischen den Vereinigungen, denn die Nationalinteressen überwogen und so zerfiel die Bewegung nach und nach. Und so wurde Italien 1870 durch politische Feldzüge und Verordnungen vereinigt. Du selber tratst aus der Schweizer Bewegung aus, führtest dennoch dein publizistisches Werk fort. Dein Interesse galt dem europäischem Föderalismus und deine Schriften erreichten Arbeiter, Handwerker sowie Intellektuelle, die sich mit neuen revolutionären Gedanken gegen Monarchie und Klerikalismus stemmten. Im Londoner Exil gründetest du letztendlich den „Comitato europeo“, dessen Ziel eine europäische Republik war. Und auch wenn deine proeuropäische Überzeugung von deinen Zeitgenossen als pazifistisches Wunschdenken abgetan wurde, gebührt dir definitiv ein Platz in der Liste der Vordenker der europäischen Idee.

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