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Das Erasmus-Programm: Ein kleines Handbuch für zukünftige Teilnehmer

, von  Philippine Lefèvre, übersetzt von Christina Bettati

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Die Begeisterung der Studierenden für das Erasmus-Förderprogramm der Europäischen Union ist ungebrochen. Seitdem das Programm 1987 gegründet wurde, sind mehr als 3,3 Millionen junge Europäer zum Arbeiten oder Studieren im Ausland gewesen. In der letzten Zeit zählte das Programm sogar über 250.000 Teilnehmer pro Jahr. Nicht nur Studierende können diese Gelegenheit zur Bildung nutzen, sondern auch Freiwillige, die in einer Organisation mithelfen wollen, sowie Lehrer, Praktikanten oder Auszubildende. Kurzum, eigentlich fast jeder, der einmal ins Ausland möchte.

Ein Austauschstudent auf dem Campus der Universität Salzburg. – © Universität Salzburg (PR) / Link/ CC-BY 2.0 Lizenz

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Wie kann man ein Erasmus-Jahr am besten nutzen? Es bietet die Chance, neue Perspektiven kennen zu lernen, Spaß zu haben, sich zu entfalten und die eigene Persönlichkeit zu entwickeln. An dieser Stelle nun ein paar Tipps von ehemaligen Erasmusstudenten.

Es gibt zahlreiche Gründe, warum Studierende ins Ausland gehen möchten. Am häufigsten sind die Wünsche, eine Fremdsprache zu lernen oder zu verbessern, eine andere Kultur zu entdecken oder aus dem Alltag auszubrechen. Diese Motivation ist leider nicht immer ausreichend, um im Land der Wahl zum Studium zugelassen zu werden, da manche Orte sehr beliebt sind, andere wiederum keine Partnerschaften mit der Heimatuni abgeschlossen haben.

Die Vorbereitung

Der Schlüssel zur einen erfolgreichen und geeigneten Bewerbung ist eine gute Vorbereitung: Alle Informationen sollten wohl oder übel vorzeitig durchgelesen werden. Falls man etwas nicht versteht, sollte man die nötigen Informationen anfragen oder selber recherchieren.

Das Erasmus-Jahr (oder Semester) muss mit dem eigenen Studienhintergrund zusammenhängen. Wenn dieser Zusammenhang nicht auf den ersten Blick ersichtlich ist, sollte man auf das Motivationsschreiben besonders achten. Die Anzahl der Plätze ist nämlich begrenzt und die Studierenden, die Interesse zeigen, auch zukünftig im Ausland arbeiten zu wollen, vergrößern ihre Chancen. Nicht außer Acht lassen sollte man die skandinavischen oder die unlängst der Europäischen Union beigetretenen ost- und süd europäischen Länder, da dort teilweise auf Englisch gelehrt wird.

Die Ankunft

Die ersten Tagen in einem anderen Land sind immer die schwierigsten, weil man sich an das neue Umfeld gewöhnen muss. Diese Ankunftsmomente werden aber auch unter den schönsten Erinnerungen bleiben, weil man so vieles entdeckt: Die zahlreichen Radwege Deutschlands, den italienischen „aperitivo“, die Badestrände von Schweden…

Beim Praktikum wird der Studierende im besten Fall vom ersten Tag an in ein Team integriert und es wird sich an die Arbeit gemacht. Das ist nicht der Fall für die Erasmus-Teilnehmer, die sich zu Studienzwecken ins Ausland begeben. Diese werden zur Informationsveranstaltungen (manchmal pflichtmäßig und immer wichtig), Campus- und Stadtbesuchen und sogar „Erasmus-Partys“ eingeladen. Mit ehemaligen Erasmus-Teilnehmern der ausländischen Universität sollte man sich auf jeden Fall in Verbindung setzen: Sie sind hervorragende Informationsquellen, die es zu kontaktieren lohnt! Auch bei der Wohnungssuche, die idealerweise schon von zu Hause aus beginnen sollte, können diese Studenten weiterhelfen.

Eine einmalige Gelegenheit nutzen

Da das Arbeitstempo sich oft nicht viel von einem Land zum anderen unterscheidet, stellt ein Praktikum im Ausland meist keine große Überraschung dar. Im Gegenteil dazu ist der Studienverlauf oft anders als gewohnt und wird allgemein als entlastend wahrgenommen. Man wird aber trotzdem wichtige Präsentationen in einer Fremdsprache vorbereiten müssen. Und wenn man die nicht beherrscht, wird man sich doch bemühen müssen.

Die ideale Lösung ist natürlich, heimische Mitbewohner zu finden und sich mit ihnen anzufreunden. Sprachkurse sind manchmal notwendig, zumindest für das erste Semester. Auch wichtig ist es, sich nicht zu über- oder unterschätzen. Macht man den Fehler, sich in einen zu leichten beziehungsweise zu schwierigen Kurs zu setzen, wird man bald das Interesse verlieren.

Der Wahl der Studienkurse sollte man besondere Aufmerksamkeit schenken. Mit einigen Kursen erwirbt man nur ECTS-Punkte und keine Noten, die aber für die Validierung des Auslandsjahres vonseiten der heimischen Uni notwendig sind. Ausländischen Studierenden werden oft bezahlte Jobs angeboten. Besonders ermutigend ist das für diejenigen, die nur vom Erasmus-Stipendium leben. Sprachschulen, Kinderbetreuungseinrichtungen und Universitäten sind nur einige Beispiele möglicher Arbeitgeber. Um diese Möglichkeiten zu finden, ist Netzwerken unter Studenten am wichtigsten, aber auch bei Botschaften und Konsulaten kann man gute Tipps bekommen.

Die Ungebundenheit eines Erasmus-Jahres ermöglicht den Studierenden ungewöhnlich viel zu reisen, üblicherweise in Nachbarländer, aber manchmal auch weiter weg. Die Erasmusler organisieren und machen diese Reisen oft gemeinsam.

Herausfordernd ist bei den vielen Möglichkeiten, die ein Erasmus-Jahr bietet, den Überblick nicht zu verlieren. Einige Teilnehmer haben beispielsweise zu spät erkannt, dass sie zu oft nach Hause gefahren sind, oder dass sie sich nicht genug Mühe gegeben haben, die neue Sprache zu lernen. Dabei muss klar sein, dass die Hauptziele eines Erasmus-Jahres der Austausch, die Entdeckung und das Lernen sind. Die Zeit im Ausland sollte dazu dienen, sich intellektuell, kulturell und menschlich weiterzuentwickeln. Der Erwerb dieser Kompetenzen stellt den tieferen Sinn des Erasmus-Programms dar.

Die Abfahrt: gehen oder bleiben?

Das Ende des Erasmus-Jahres bedeutet oft das Ende eines Abenteuers. Während der letzten Tage wird mit Nostalgie zurückgeblickt. Alle versuchen mit den neuen Freunden Kontakt zu halten, und versprechen, bald zurückzukehren. Einige Erasmus-Teilnehmer, die sich endgültig in die neue Stadt verliebt haben, entscheiden sich letztendlich fürs Bleiben. Die jüngste Eurobarometer-Umfrage bestätigt, dass 53 Prozent der jungen Europäer bereit wären, in einem anderen europäischen Land zu arbeiten, als auch es einen derartigen Vorschlag mit Begeisterung entgegenstehen. Um den Hochschulabschluss zu machen - unabhängig von der eigenen Entscheidung - muss man der heimischen Uni die erzielten Noten für deren Validierung durch den Transcript of Records (Notenauszug) zukommen lassen.

Die Studierenden, die Auslandserfahrungen gesammelt haben, werden von Arbeitgebern zunehmend mehr geschätzt. Besonders aufmerksam sind die Arbeitgeber – seien es Unternehmen, Universitäten oder Schulen – auf die von den Studierenden im Ausland erworbenen Kenntnisse: Fremdsprachen, die Fähigkeit, sich verändernden Situationen anpassen zu können und ihre zwischenmenschliche Kompetenzen. Auch diese Seite einer Erasmus-Erfahrung sollte besonders hervorgehoben werden.

Das Erasmus-Jahr ist kein Sabbatjahr. Es ist vielmehr ein Jahr, indem sich viele Chancen auftun. Die Teilnahme an dem Programm wird auf jede erdenkliche Weise gefördert und erleichtert. Quasi alle ehemaligen Teilnehmer berichten von einer unvergesslichen Erfahrung, die sie sowohl akademisch und beruflich als auch persönlich weitergebracht hat. Also, warum nicht das Abenteuer wagen?

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