Der Brexit - eine Chance für Griechenland in einem ewigen Streit?

, von  Jérémy Lebourgeois, übersetzt von Stéphanie-Fabienne Lacombe

Alle Fassungen dieses Artikels: [Deutsch] [English] [français]

Der Brexit - eine Chance für Griechenland in einem ewigen Streit?
Parthenon (ohne Fries) auf der Athener Akropolis - eigene Aufnahme

Nach mehr als einem Jahr an Diskussionen sollten die Brexit-Verhandlungen bald zu ersten Ergebnissen führen. Ein historisches Thema könnte bald auf der Agenda stehen: Teile der Athener Akropolis sind noch immer im Besitz Großbritanniens. Der Brexit könnte für Griechenland eine Chance sein, den Fries des Parthenon wiederzuerlangen. Eine Positionierung diesbezüglich seitens der EU könnte helfen, ihr Image in Griechenland aufzupolieren.

Mehr als 200 Jahre ist es her, dass der britische Botschafter Lord Elgin befahl, sämtliche Skulpturen des Parthenons in sein Heimatland zu überführen. Das Osmanische Reich, dass damals über Attika herrschte stimmte zu. Allerdings mit Dokumenten, über deren Echtheit heute gestritten wird. Seit der Unabhängigkeit fordert Griechenland die Rückkehr der Marmorskulpturen, die bis heute im British Museum stehen. Der Streit entzweit die Länder beträchtlich. Der Brexit könnte eine Chance bieten, ihn zu beenden. Zumal die Argumente für die Rückführung des Frieses überwiegen. Das alte Argument, Griechenland sei nicht in der Lage, seine Schätze zu erhalten, gilt spätestens seit der Neueröffnung des Museums der Akropolis im Jahr 2009 nicht mehr. Der moderne Komplex ist explizit geplant, um den Fries zu beherbergen. Des Weiteren ergeben Umfragen, dass die Mehrheit der Briten nichts gegen eine Rückführung einzuwenden hätte. Demnach ist es allein eine Entscheidung der Politik, wie sie mit der Frage umgehen möchte. Die Unesco unterstützt die Rückführung und die EU sollte ähnlich vorgehen, um die Ressentiments der Griechen ihr gegenüber nicht noch weiter zu schüren.

Denn diese Skepsis ist nach Jahren von Austeritätspolitik ungebrochen. Die EU ist für viele Griechen keine Chance mehr, sondern hinterlässt im krisengebeutelten Land einen bitteren Nachgeschmack. Das Griechenland weiterhin volles Mitglied der EU und man gemeinsam stärker ist, könnte die EU durch eine klare Positionierung beweisen. Was ein Land allein nicht beschließen kann, könnte die EU der 27 schaffen. Griechenland würde aber auch dies akzeptieren, denn eine gute Nachricht wäre sehr willkommen. Verhandlungsgeschick wird sicher gefragt sein, falls Großbritannien statt der Rückführung eine Entschädigungszahlung anbietet. Für welche Alternative sich Hellas dann entscheidet, bleibt zunächst offen.

Auf diesen Artikel antworten

Vorgeschaltete Moderation

Achtung, Ihre Nachricht wird erst nach vorheriger Prüfung freigegeben.

Wer sind Sie?

Um Ihren Avatar hier anzeigen zu lassen, registrieren Sie sich erst hier gravatar.com (kostenlos und einfach). Vergessen Sie nicht, hier Ihre E-Mail-Adresse einzutragen.

Hinterlassen Sie Ihren Kommentar hier.
  • Dieses Feld akzeptiert SPIP-Abkürzungen [->urls] {{bold}} {italics} <quotes> <code> und HTML-Codes <q> <del> <ins>.

Kommentare verfolgen: RSS 2.0 | Atom