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Der EU-Plan gegen Plastikmüll

, von  Lea-Verena Meingast

Mit dem Rauchen aufhören, mehr Sport machen, sich weniger stressen lassen. Viele Menschen fassen zu Beginn eines neuen Jahres gute Vorsätze. Einer sollte lauten: Weniger Plastiktüten verbrauchen. Dafür plädiert auch die EU – zu Recht.

An einem italienischen Strand wird Müll angeschwemmt. Alleine acht Milliarden Plastiktüten gelangen nach Angaben des Europäischen Parlaments jährlich aus der EU in die Weltmeere. – Foto: © sebastiankauer / Flickr (Link) / CC BY-SA 2.0-Lizenz (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/)

Autoren

  • studiert den journalistischen Master „Medien Ethik Religion“ an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Zuvor studierte sie im Bachelor Frankoromanistik sowie English and American Studies und verbrachte Auslandsaufenthalte in Limoges und Straßburg in Frankreich. Sie war bisher unter anderem für ARTE, die Nürnberger Nachrichten und den Bayerischen Rundfunk tätig.

Die EU will den Pro-Kopf-Verbrauch an Einwegtüten aus Plastik deutlich senken. Im November 2014 einigten sich die EU-Staaten und das Parlament auf einen Kompromiss, der vorsieht, dass jeder EU-Bürger bis 2019 nur 90 Beutel im Jahr und bis 2025 sogar nur noch 45 Plastiktüten pro Jahr verbraucht. Nicht betroffen von der geplanten Regelung wären stabile Plastiktaschen und hauchdünne Beutel, wie sie an der Gemüsetheke üblich sind.

Acht Milliarden Plastiktüten in den Weltmeeren

Es ist längst an der Zeit, weniger Plastikmüll zu produzieren, um die Umwelt zu schützen. Nach Angaben des Europaparlaments kommen in der EU rund 100 Milliarden Plastiktüten jährlich zum Einsatz. Etwa acht Milliarden davon gelangen in die Weltmeere. Dort bilden sie zusammen mit anderem Kunststoffmüll sogenannte Gyren, große ozeanische Wirbel. Da in diesen riesigen Gebieten oft wenig Wind weht und das Wasser langsam zirkuliert, treibt das Plastik lange an der Wasseroberfläche und hält sich selbst über Jahrzehnte im Wasser. Die Teile werden mit der Zeit zwar immer kleiner, ganz auflösen können sie sich aber nicht.

So schwimmen überall kleine Plastikpartikel – „als habe einer Konfetti ins Wasser gestreut“, berichtete ein Segler der Süddeutschen Zeitung. Die im Wasser treibenden Plastikteile können Tiere töten. Besonders Seeschildkröten-, Seevögel- und Meeressäugerarten sind davon betroffen, wie eine ausführliche Infografik rund um Plastik-Produktion und -verbrauch der ZEIT zeigt. Darüber hinaus können die winzigen Plastikteile über Fische in die Nahrungskette gelangen. Wir schaden in der Folge also nur uns selbst, wenn wir nichts tun.

Einführung einer Gebührenpflicht möglich

Einer Schätzung des wissenschaftlichen Dienstes des Europäischen Parlaments zufolge verbrauchten EU-Bürger 2010 durchschnittlich 200 Plastiktüten pro Kopf. Die meisten umweltschädlichen Beutel wurden in Bulgarien verbraucht, nämlich 421 Tüten pro Jahr. Dahinter folgen Tschechien und Rumänien, wie eine weitere Grafik bei ZEIT Online zeigt. Die Deutschen lagen mit rund 70 Tüten pro Kopf im Mittelfeld. Wird die Regelung mit maximal 45 Tüten pro Jahr bis 2025 umgesetzt, wäre das eine Senkung um 80 Prozent und würde einen großen Fortschritt bedeuten. Um das zu erreichen, können die EU-Staaten der Einigung zufolge auch verbindliche Gebühren für Plastikbeutel einführen, wie das etwa Irland bereits erfolgreich getan hat. Dort ging die Zahl der Einwegplastiktüten binnen weniger Monate um etwa 90 Prozent zurück.

Weniger Plastikmüll, mehr Wertschätzung für die Natur

Auch wenn Kritiker behaupten, selbst plastiklose Alternativen wie Papiertüten seien schädlich – so ist es doch das Wichtigste, dass überhaupt etwas gegen umweltschädliche Beutel unternommen wird. Die EU setzt das richtige Zeichen für den Umweltschutz. Nachdem der Umweltministerrat Mitte Dezember die geplante Richtlinie annahm, muss nun nur noch das EU-Parlament grünes Licht geben. Im Frühjahr 2015 könnte sie bereits in Kraft treten. Welche konkreten Maßnahmen die Mitgliedsstaaten ergreifen, können sie selbst entscheiden. Hauptsache, jeder tut etwas – denn davon profitieren alle.

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