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Duell der Spitzenkandidaten - Runde 2: Zurück zu alten Gewohnheit

, von  FM Arouet, Übersetzt von Julius Leichsenring

Die erste Debatte der europäischen Spitzenkandidaten war lebhaft, interaktiv, auf Englisch, mit Fragen direkt aus der Bevölkerung. Das zweite TV-Duell ging verloren im Wirrwarr von Übersetzungen, war individualisiert und geprägt von Journalisten - schlicht weniger unterhaltsam, trotz einer guten Performance der Kandidaten.

Erfolg: eine authentische und würdige Debatte mit konfliktreichen Themen

Die zweite Debatte der europäischen Spitzenkandidaten ist zunächst ein Erfolg. So konnte der Spitzenkandidat der europäischen Linken, Alexis Tsipras, anders als beim vorherigen TV-Duell mehrere kontroverse Themen einbringen und das politische Spektrum sichtbar erweitern. Allgemein erklärten die fünf Kandidaten ihre Ideen detailliert, wortgewandt und enthusiastisch (vor allem Guy Verhofstadt), wie man es von einer ausgereiften Demokratie erwarten darf. Zudem konnten die Politiker ihre Argumente detaillierter ausführen, da sie im Gegensatz zur ersten Debatte eine Minute lang Zeit hatten, auf die Fragen zu antworten. Außerdem wurden wesentlich mehr Themen abgedeckt: Jugendarbeitslosigkeit, Sparpolitik, Regulierung der Banken, Vorteile einer EU-Mitgliedschaft, Ukraine-Krise, Separatismus in Schottland und Katalonien, Zuwanderung, religiöse Symbole, geringe Wahlbeteiligung bei der Europawahl, Korruption, Lobbyismus, Ernennung des Kommissionspräsidenten und schlussendlich die Frage: „Warum sollten die Wähler für Sie stimmen?“. Insgesamt 63.000 Tweets wurden während der Debatte von den Zuschauern abgesetzt – 23.000 mehr als beim ersten Duell.

Alles gut? Bei weiten nicht.

Trotz dieser positiven Aspekte fragt man sich, warum ein Punkt aus der ersten Debatte nicht übernommen wurde, obwohl er dort so gut funktioniert hat – eine einheitliche Sprache. Jeder Europäer wird zumindest ein bisschen Englisch verstehen können, aber nicht Französisch und Griechisch. Aufgabe dieser Debatte war es nicht, die Sprachkenntnisse der Zuschauer zu verbessern. Ebenso wenig sollte sie ihn mit dem stumpfen Gefühl von Ratlosigkeit und Distanziertheit zurücklassen. Durch die Vielsprachigkeit aber besteht genau diese Gefahr.

Schade ist auch, dass die Diskussion wesentlich weniger interaktiv war. Warum sprechen die Kandidaten zu Journalisten, wenn sie sich doch gegenseitig adressieren und attackieren sollen? Die Absicht dieser Wahl ist es, der Europäischen Kommission ein Gesicht zu verleihen. Die erste Debatte mit ihren Inhalten diente dazu, die Persönlichkeit der Kandidaten den Wählern vorzustellen und näher zu bringen. Europa ist jetzt schon geprägt von stundenlangen Debatten über technische Fragen zwischen unbekannten Personen. Das erste TV-Duell entfernte den Zuschauer meilenweit davon, Runde zwei führte ihn wieder wenige Meter an diesen Habitus heran.

Allgemein fehlten die Bürger komplett bei dieser Debatte. Die Erste fand noch in der Universität von Maastricht statt. Dort konnten Studenten ihre Fragen stellen, wurden Zuschauer mit Namen genannt, die ihre Anliegen über Twitter absetzten. Das zweite TV-Duell wurde aus dem Europäischen Parlament in Brüssel übertragen. Diesmal gab es kein Auditorium, das Fragen stellen konnte. Die Funktion übernahm ein Journalist. Auch wurden die Tweets nicht personalisiert. Überdies wurde die Debatte, wie schon die erste, von etlichen europäischen Mainstream-Medien nicht übertragen.

Dieses Onlinemagazin setzt sich seit langem für ein Europa ein, dass mehr Integration wagt und eine dynamische, moderne Demokratie umsetzt. In vielen Punkten wurde die Debatte diesen Ansprüchen gerecht: die meisten Antworten waren intelligent, gut strukturiert, dynamisch und mit einem klaren Parteistandpunkt versehen. Die Spitzenkandidaten offenbarten eine Vision von Europa – viele nationale Politiker können dies nicht. Zukünftig müssen solche Debatten aber näher an den Bürger heran. Gelingen kann dies nur durch eine lebhafte politische Auseinandersetzung. Éin Frage-Antwort-Spiel zwischen Politikern und Journalisten ist keine Lösung.

Photo: European Parliament / 2014

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