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EU-Umweltagentur: Mehr Elektroautos belasten das Stromnetz

, von  James Crisp | EurActiv.com | Übersetzt von Jule Zenker

Die wachsende Zahl von Elektroautos auf Europas Straßen könne zwar für weniger CO2-Emissionen sorgen, trage jedoch durch den erhöhten Strombedarf wieder zur Erderwärmung bei, warnt die Europäische Umweltagentur. EurActiv Brüssel berichtet.

Carsharing-Station mit Elektroautos in Paris. – © Mauro Parra-Miranda / Flickr

Ein höherer Anteil von elektrischen Fahrzeugen werde allein nicht ausreichen, um den Übergang zu einer CO2-armen Wirtschaft zu sichern, erklärte die Europäische Umweltagentur (EEA) diese Woche. 94 Prozent des Energiebedarfs im Transportsektor würden noch immer durch Erdöl gedeckt.

Einem EEA-Bericht zufolge überwiegen die CO2-Einsparungen von Elektroautos jene zusätzlichen Emissionen, die aufgrund der weiteren Nutzung fossiler Energieträger bei der Stromerzeugung entstehen. Doch je höher der Anteil fossiler Brennstoffe bei der Energieproduktion, desto niedriger der ökologische Nutzen von Elektroautos, schlussfolgert die Analyse.

„Elektrische Fahrzeuge, die durch erneuerbare Energien angetrieben werden, können eine Übergangslösung auf dem Weg hin zu einem nachhaltigeren EU-Transportsystem sein. Sie können auch dabei helfen, die EU-Klimaziele zu erreichen und bis 2050 den Ausstoß von Treibhausgasen um 80 bis 95 Prozent zu senken“, betont Hans Bruyninckx, Exekutivdirektor der EEA. „Egal wie viele Elektroautos unterwegs sein werden, es wird nicht ausreichen, um eine CO2-arme Wirtschaft zu schaffen. Wir müssen uns auch anderen Problemen widmen, wie der steigenden Transportnachfrage und zunehmenden Staus.“

Pariser Klimaabkommen

Die EU kann ihre europäischen und internationalen Klimazusagen nur erfüllen, wenn ihr der Übergang in eine emissionsarme Wirtschaft gelingt. Bei der Pariser Weltklimakonferenz (COP21) im vergangenen Dezember versprachen Spitzenpolitiker aus aller Welt, den Temperaturanstieg auf weniger als zwei Grad über vorindustriellen Werten zu begrenzen.

Am heutigen Freitag treffen sich die EU-Umweltminister in Brüssel, um sicherzustellen, dass alle Mitgliedsstaaten mit der Ratifizierung des Klimavertrags im kommenden Monat einverstanden sind. Wenn die EU den Deal unterzeichnet, sind genug CO2-produzierende Nationen mit an Bord, um das Abkommen geltend zu machen.

Der Beitrag der EU im Kampf gegen den Klimawandel besteht vor allem in dem Ziel, bis 2030 mindestens 40 Prozent weniger CO2 und Treibhausgase zu produzieren. Bis 2050 sollen letztere sogar um 80 bis 95 Prozent gesenkt werden. Beide Ziele erfordern eine Entkarbonisierung des EU-Transportsektors. Nur in dieser Branche steigen die Treibhausgasemissionen noch immer an. Das produzierende Gewerbe und der Wohnungsbau hingegen haben ihren CO2-Ausstoß bereits erfolgreich reduziert. Die EU-Kommission versprach, 2050 60 Prozent weniger Transportemissionen zu produzieren als noch 1990.

Obwohl immer mehr Menschen Elektroautos erstehen und nutzen, machen sie bisher nur 0,15 Prozent der europäischen Fahrzeugflotte und 1,2 Prozent der EU-weiten PKW-Käufe aus. Im Rahmen ihrer Forschungsarbeit simulierte die EEA ein Szenario für 2050, in dem 80 Prozent aller europäischen Fahrzeuge elektrisch angetrieben werden. Den Experten zufolge würden so in besagtem Jahr 255 Millionen Tonnen CO2 beziehungsweise zehn Prozent der geschätzten Gesamtemissionen eingespart werden. Durch den erhöhten Anteil von Elektroautos steigt im 80-Prozent-Szenario die Nachfrage nach Strom. Machte der Bedarf von Elektrofahrzeugen 2014 noch 0,03 Prozent der Energieerzeugung aus, könnte dieser bis 2050 auf 9,5 Prozent klettern. Transport- und Energiesektor sollten der EEA zufolge enger zusammenarbeiten, um mit der zusätzlichen Belastung des Netzes umgehen zu können. Außerdem müssten sie sicherstellen, dass Politik- und Investitionsentscheidungen aufeinander abgestimmt werden.

Energieunion

Im Rahmen der europäischen Energieunion, dem Vorzeigeprojekt der EU-Kommission, sollen erneuerbare Energien besser in das Stromnetz eingebunden werden. Gleichzeitig räumt man der Energieeffizienz oberste Priorität ein, um weniger von Importen abhängig zu sein und den Klimawandel zu bekämpfen.

In ihrer Strategie für emissionsarme Mobilität gesteht die Kommission, dass es vor allem in Spitzenlastzeiten schwierig werden könnte, den Energiebedarf zu decken. Um Elektromobilität besser zu integrieren, arbeitet die Kommission an einem Gesetzentwurf zur Gestaltung des Strommarktes. Er soll Anreize dafür bieten, Fahrzeuge eher in Zeiten niedriger Nachfrage aufzuladen. Außerdem will man Verbraucher ermutigen, selbst Energie zu erzeugen – zum Beispiel durch Solarzellen auf dem Dach. Diese Energie könnte dazu dienen, elektrische Fahrzeuge anzutreiben und gleichzeitig das Stromnetz zu entlasten.

Zudem wird es notwendig sein, die Netzkapazitäten auszuweiten und vermehrt in öffentliche Carsharing-Stationen zu investieren. Das erkennt die Kommission ebenfalls in ihrer Strategie für emissionsarme Mobilität an, die sie im Juli 2015 veröffentlichte. Darin ruft sie die Mitgliedsstaaten dazu auf, bis November dieses Jahres einen politischen Rahmen für das Einrichten von Aufladestationen zu schaffen. Darüber hinaus fördert der Plan Aufklärungskampagnen für potenzielle Fahrzeugkäufer.

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Bis 2030 will die EU 27 Prozent des Energiebedarfs mithilfe erneuerbarer Quellen decken. Nach dem Pariser Abkommen soll die Zusage nun auch Einzug ins EU-Gesetz finden. Die bald von der Kommission vorgestellte Gesetzesinitiative zur Energieeffizienz wird allen Erwartungen nach eine Effizienzsteigerung von 30 Prozent vorsehen und soll die Ambitionen des Pariser Klimavertrags widerspiegeln. Das EU-Parlament fordert hingegen 40 Prozent. Die Europaabgeordneten und der Rat werden sich letztendlich auf einen identischen Text einigen müssen, bevor der Zielwert zum Gesetz werden kann.

Und noch ein weiteres Versprechen ließ sich die Kommission nicht nehmen: Sie will die EU zur weltweiten Nummer eins in Sachen erneuerbarer Energie machen und den CO2-Markt so reformieren, dass auch die Industrie zu CO2-Einsparungen ermutigt wird. Dennoch bleiben viele Herausforderungen bestehen. Wie sollen beispielsweise die Investitionen in Infrastruktur, Forschung und Entwicklung finanziert werden? Die Kommission hofft darauf, von der Kraft des Kapitalmarktes zu profitieren, indem sie im Rahmen ihrer Strategie für eine Kapitalmarktunion zu nachhaltigen Investitionen anregt.

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