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Frankreichs dunkelste Zahl

, von  Abigail Suwala

Mehr als 10.000 Menschen nehmen sich jährlich in Frankreich das Leben. Unser Nachbarland hat damit eine der höchsten Selbstmordraten in ganz Europa. Seit Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise steigt die Zahl weiter an.

Foto: © gato-gato-gato: „fromhere to eternity“, https://www.flickr.com/photos/gato-gato-gato/5157665851. Attribution-NonCommercial-NoDerivs 2.0 Generic: https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0/

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Es ist eine erschreckende Zahl: 18 von 100.000 Menschen wählten letztes Jahr in Frankreich den Freitod. Im Vergleich dazu waren es in Deutschland 13. Somit liegt Frankreich auf Rang 20 der höchsten Suizidrate weltweit und im EU-Vergleich auf Platz fünf. Europäischer Spitzenreiter ist Litauen mit 40 Suiziden pro 100.000 Einwohner. Dabei sind 70 Prozent der Fälle in der Regel auf Depressionen zurückzuführen.

Wirtschaftliche Faktoren beeinflussen Suizidrate

Auffallend ist, das sich die Zahl der Suizide in Frankreich seit Anfang der Wirtschaftskrise stark erhöht haben: Im Jahr 2007 kamen auf 100.000 Einwohner etwa 16 Selbstmörder. Die gestiegene Arbeitslosigkeit scheint dafür einer der Hauptgründe zu sein. So hat mittlerweile jeder vierte Jugendliche keine Arbeit. Diese Zahl korreliert mit der gestiegenen Suizidrate bei jungen Männern, die sich drei Mal so häufig umbringen wie Frauen. Sie werden stärker an ihrem wirtschaftlichen Erfolg gemessen und sind anfälliger für Alkoholismus und Drogenkonsum, die Suizide positiv verstärken können. Gerade beim Genuss von leichten Drogen und Alkohol zählt Frankreich zu den Spitzenreitern in Europa.

Frankreich ist ungläubigstes Land

Schätzungen zufolge bekennen sich knapp über die Hälfte der Franzosen zum Katholizismus. Allerdings bezeichnen sich nur 37 Prozent der Bürger als religiös. Weltweit gilt Frankreich daher als das ungläubigste Land. Eine Ächtung der Selbsttötung, wie dies im Katholizismus der Fall ist, zeigt deswegen kaum Wirkung.

Zudem leben 76 Prozent der Franzosen in Städten. Soziale Netzwerke sind aber gerade im ländlichen Raum ausgeprägter. Diese dienen als Stütze und können Menschen dabei helfen, eine Depression zu überwinden oder erst gar nicht zu entwickeln. Statistiken belegen deswegen immer wieder, dass die Selbstmordrate auf dem Land geringer ist als in urbanen Gebieten.

Ein nationales Programm der Regierung soll helfen

Auf die hohe Suizidrate reagiert die französische Regierung mit einem Vierjahresplan, der 49 Maßnahmen zur Bekämpfung dieser aufzählt. Entscheidend sind hierbei Prävention, Nachsorge, Information und Forschung. Dabei fokussiert der Plan Jugendliche und Menschen mit Depressionen. Beispielsweise soll in öffentlichen Einrichtungen wie Schulen aufgeklärt und so auf die Problematik aufmerksam gemacht werden. Zudem werden zukünftig Patienten mit Depressionen befragt, um die Gründe für einen Suizid besser nachvollziehen zu können.

Gegenmaßnahmen sind unabdingbar: Das die Zahl der Suizidopfer weiterhin steigt, ist bei der anhaltenden Rezession in Frankreich nicht ausgeschlossen. Zu hoffen bleibt, dass die angestrebten Forschungen zu konkreten Ergebnissen führen. Diese ermöglichen effektivere Vorgehensweisen und können in Zukunft die Zahl der Opfer wieder senken.

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