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Gleichberechtigung im Beruf – It’s a men’s world, immer noch!

, von  Sabrina Vorbau

Männer und Frauen führen die gleichen Berufe aus, haben dieselbe Verantwortung, nur der Verdienst ist unterschiedlich. Die Gründe für die Gender Pay Gap sind vielfältig, bei der Bewältigung dieser hinkt aber vor allem Deutschland hinterher.

Foto © KSFY

Symbolisch ist der Equal Pay Day der Tag, bis zu dem Frauen über den Jahreswechsel hinaus arbeiten müssen, um rechnerisch auf das jährliche Durchschnittsgehalt eines Mannes zu kommen. In Deutschland fiel der Tag in diesem Jahr auf den 21. März. Demzufolge arbeiten Frauen hierzulande, rechnerisch betrachtet, 80 Tage umsonst.

Jüngste Berechnungen des Statistischen Bundesamts zeigen, das Frauen in Deutschland im Durchschnitt 22 Prozent weniger verdienen als Männer. Das sind 15,21 Euro pro Stunde, und damit 4,39 Euro weniger als Männer für ihre Arbeitsleistung bekommen. In kaum einem anderen europäischen Land ist die Lohnschere zwischen den Geschlechtern so groß wie hierzulande.

Gleiche Position, weniger Geld

Selbst in qualifizierteren Berufen sieht es nicht besser aus: Laut dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung verdienten Frauen 2012 in diesen Jobs durchschnittlich 4,000 Euro im Monat, Männer dagegen rund 5,200 Euro. Dabei ist die Ausgangssituation in Sachen Bildung für Männer und Frauen mittlerweile ausgeglichen.

Schon beim Berufseinstieg müssen sich Frauen mit zwei Drittel des Männereinkommens begnügen. Dieser Verdienstunterschied wächst laut Statistischen Bundesamt mit dem Alter weiter an. Während Berufseinsteigerinnen bis 24 Jahre zwei Prozent weniger verdienen, sind es bei 35- bis 44-Jährigen bereits 24 Prozent. Die Gehaltsunterschiede bei Führungskräften betragen durchschnittlich 30 Prozent, bei Akademikern 28 Prozent.

Die Ursachen des geschlechtsspezifischen Lohngefälles sind vielfältig. Auf drei wesentliche Gründe bricht es das Bundesfamilienministeriums herunter. Erstens mangelt es an Frauen in besser bezahlten Berufen und Branchen, sowie auf den höheren Stufen der Karriereleiter. Es gibt immer noch typische weibliche Jobs, wie zum Beispiel im pädagogischen Bereich, die traditionell schlechter bezahlt werden. Zweitens unterbrechen und reduzieren Frauen familienbedingt ihre Erwerbstätigkeit häufiger und länger. Oft arbeiten sie nach der Babypause mit reduzierter Stundenzahl weiter. Dieser Punkt hängt eng mit dem dritten Grund für die Gender Pay Gap zusammen: Zwei Drittel der Teilzeittätigkeiten in Deutschland werden von Frauen ausgeübt. So arbeiteten 2012 rund acht Prozent der unselbstständig erwerbstätigen Männer in Teilzeit, bei den Frauen waren es knapp 45 Prozent.

Teilzeit wird zur Falle

Durch die großen Lohnunterschiede entsteht ein Teufelskreislauf: Schlechtere Einkommensaussichten und längere Erwerbsunterbrechungen steigern die Entgeltungleichheit. Frauen, die durch Arbeitslosigkeit des Mannes, Tod des Partners oder Scheidung zur Familienernährerin werden, müssen mit niedrigerem Einkommen zu Recht kommen. Armutsrisiken sind damit hausgemacht. Niedrige Gehälter bedeuten zudem auch niedrige Renten, was weitere Probleme entstehen lässt.

Lohnlücke europaweit groß

Fast überall in Europa verdienen Frauen weniger als Männer. Im EU-Durchschnitt beträgt die Lohnlücke 16,4 Prozent. Europaweit stehen Österreich und Estland am schlechtesten da. Die Lohnschere beträgt in beiden Ländern 23,4 Prozent. Dagegen sind In Slowenien, Polen und Luxemburg die Gehaltsunterschied zwischen den Geschlechtern am geringsten. Ein positiver Trend der Annäherung zeigt sich auch in Ungarn, Portugal und Irland.

Gleicher Lohn für gleiche Arbeit bleibt ideal Vorstellung

Gleiches Geld für gleiche Arbeit sollte eine Selbstverständlichkeit sein. Doch warum bleibt dies vielen Frauen immer noch verwehrt? Ziel des Equal Pay Day ist es, aufzuklären, zu mobilisieren und langfristig die geschlechtsspezifische Entgeltungleichheit abzubauen. Flexiblere Karrieremodelle, mehr Transparenz bei der Besetzung von Führungspositionen und eine höhere Entlohnung können helfen, mehr Frauen den Aufstieg zu ermöglichen. Ferner sollten Unternehmen im eigenen Interesse Familien freundlichere Arbeitsplätze schaffen, durch flexiblere Arbeitszeiten und betriebseigene Kindergärten.

Arbeitsmarktforscher betonen, dass zudem ein Umdenken bei Personalentscheidungen stattfinden muss. Zu oft werden Männer bevorzugt, weil bei ihnen eine Kinderpause unwahrscheinlicher ist, obwohl laut Statistischen Bundesamt immer mehr Väter das staatliche Elterngeld in Anspruch nehmen. Im Frühjahr 2013 waren es rund 27 Prozent der Väter.

Dass sich an der Ungleichbehandlung in Zukunft etwas ändern wird, sehen viele Frauen skeptisch. Schuld daran hat unter anderem die endlose Diskussion um die Notwendigkeit einer gesetzlichen Frauenquote. In Norwegen ist sie schon rechtlich verankert, jetzt wollen auch anderen EU-Länder wie Spanien, Frankreich und Deutschland nachziehen. Unterstützt wird eine gesetzliche Frauenquote auch von der EU-Kommission, nachdem die Aufforderung zur freiwilligen Selbstverpflichtung der Wirtschaft vor einem Jahr keine Wirkung zeigte.

SPD und Union haben nun im Koalitionsvertrag eine Frauenquote von 40 Prozent in Aufsichtsräten festgeschrieben. Das stößt bei den Arbeitnehmerinnen auf geteilte Meinungen. Demnach hat nur rund ein Viertel der Befragten Hoffnung, dass dadurch in Zukunft mehr Frauen in Führungspositionen sitzen werden. Darüber hinaus befürchtet über ein Drittel, dass Job und Privatleben fortan noch schwerer zu vereinbaren sind.

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