Startseite > Europakolumne > Helau, Alaaf, Ahoi!

Helau, Alaaf, Ahoi!

, von  Federico Permutti

Es ist wieder soweit: Karneval! In vielen Ländern der Welt wird jetzt ausgelassen die Zeit vor der Fastenzeit gefeiert. Woher stammt dieser Brauch und wie wurde er im Laufe der Zeit in Europa zelebriert?

Masken, Spiele, reichlich Essen und Trinken: So feierte man schon im 17. Jahrhundert in Rom den Karneval. – Johannes Lingelbach: „Karneval in Rom“, ca. 1650-1651. Bild vom Kunsthistorischen Musem Wien zur Verfügung gestellt (via Wikimedia Commons: http://en.wikipedia.org/wiki/File:Lingelbach_Karneval_in_Rom_001c.jpg).

Autoren

  • hat in Italien, Großbritannien und Deutschland diplomatische Wissenschaften sowie European Studies studiert. Bis März 2015 war er Übersetzungschef und internationaler Koordinator bei treffpunkteuropa.de.

Der Karneval hat eine sehr lange Geschichte und ist fest im katholischen Raum verankert, wobei die genauen Ursprünge teils unbekannt sind. Zumindest über die Etymologie des Wortes scheint jedoch Einigung zu herrschen: Der Begriff soll aus dem lateinischen carnem levare (zu Deutsch: „Fleisch wegnehmen“) stammen und sich insbesondere auf das Festessen beziehen, das am letzten Tag der Feierlichkeiten gehalten wird – dem letzten Tag vor der Fastenzeit. Auch die griechische Bezeichnung apókries kann ähnlich übersetzt werden.

Vermutlich geht die Herkunft des Karnevals sogar auf die heidnischen Feiern zu Ehren des Gottes Saturn zurück, die zu griechisch-römischen Zeiten abgehalten wurden, um ein erfolgreiches Erntejahr herbeizuführen. Mit Masken und Verkleidungen wurden bei großen Festessen die gesellschaftlichen Hierarchien zwischen Pöbel und Adel auf den Kopf gestellt. Im Mittelalter feierte man auf ähnliche Weise das neue Jahr, wobei zusätzlich Strohpuppen verbrannt wurden, um die Sünden des Vorjahres zu sühnen. Dies entspricht in etwa dem sogenannten Nubbel, der im rheinischen Karneval die Rolle des Sündenbocks spielt.

Die mit dem Karneval verbundenen Exzesse fielen bei der Kirche in Ungnade und führten im Laufe der Zeit zu wiederholten Verboten. 1487 untersagte der Kölner Stadtrat das „Vermomben, Verstuppen und Vermachen“, etwa 200 Jahre später verurteilte man „die Mummerey und Heidnische Tobung“. Mit der Reformation gerieten die Bräuche des Karnevals zum Teil in Vergessenheit. In den katholischen Gebieten verlagerten sich die Feste hingegen in die Schlösser und Höfe der Adligen, wo der Karneval von Schauspielerensembles inszeniert wurde. Als Modell diente häufig die italienische Volkskomödie (Commedia dell’Arte), deren Masken und Figuren die menschlichen Tugenden und Laster allegorisch darstellen.

Heutzutage wird der Karneval weltweit gefeiert, allerdings nicht immer zum gleichen Zeitpunkt - und gewiss nicht in der selben Form. In Deutschland gelten das Rheinland und die schwäbisch-alemannische Fastnacht als Hochburgen des Karnevals. Weltberühmt sind zudem die Karnevalsfeiern in Italien, vor allem in Venedig und im toskanischen Viareggio, sowie die großen Feiern in Südamerika, beispielsweise in Rio de Janeiro und in Oruro.

Diesen Artikel weiterempfehlen

Auf diesen Artikel antworten

Vorgeschaltete Moderation

Achtung, Ihre Nachricht wird erst nach vorheriger Prüfung freigegeben.

Wer sind Sie?

Um Ihren Avatar hier anzeigen zu lassen, registrieren Sie sich erst hier gravatar.com (kostenlos und einfach). Vergessen Sie nicht, hier Ihre E-Mail-Adresse einzutragen.

Hinterlassen Sie Ihren Kommentar hier.
  • Dieses Feld akzeptiert SPIP-Abkürzungen [->urls] {{bold}} {italics} <quotes> <code> und HTML-Codes <q> <del> <ins>. Um einen Absatz zu erzeugen, lassen Sie einfach eine Zeile frei.

Kommentare verfolgen: RSS 2.0 | Atom