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INTERREG: 25 Jahre der regionalen Kooperation

, von  Mathieu Henceval, übersetzt von Stéphanie-Fabienne Lacombe

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Seit 1990 fördert die Komission die Kooperation von Regionen über nationale Grenzen hinweg. INTERREG hat sich mit der Zeit weiterentwickelt und feiert nun 25-jähriges Bestehen. Widmen wir uns diesem oftmals verkannten Programm, das Zusammenhalt und gegenseitiges Kennenlernen der EU-Bürger unterschiedlicher Länder ermöglicht.

Beispiel für grenzüberschreitende Kooperation: die benachbarten Kommunen Guben in Deutschland und Gubin in Polen. – Foto: privat.

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Die ersten Schritte der territorialen Zusammenarbeit

Der wirtschaftliche und kulturelle Austausch, der nach dem Zweiten Weltkrieg in Europa einsetzte, förderte die Annäherung zwischen den europäsischen Komunen. Die ersten grenzüberschreitenden Kooperationen der 1950er und 60er Jahre versuchten, die gegographischen und administrativen Barrieren zu durchbrechen. 1971 wurde die Arbeitsgemeinschaft Europäischer Grenzregionen gegründet. Letztendlich beschloss die Komission 1990 das Programm INTERREG 1, welches den benachbarten Kommunen unterschiedlicher Länder ermöglicht, an gemeinsamen Problemen und Fragestellungen zu arbeiten. Im Laufe der Zeit veränderte sich das Nachbarschaftsverhältnis, viele Bürger gingen täglich über die Grenze. Man lernte sich gegenseitig kennen und wurde sich der Notwendigkeit des Zusammenarbeitens bewusst. Die Regionen kämpften überall mit ähnlichen wirtschaftlichen, sozialen oder umweltpolitischen Problemen.

Lerneffekte durch Austausch über die Grenzen hinweg

Die territoriale Kooperation dehnte sich mit der Zeit immer weiter aus und umfasste transnationale Zonen (Süd-West Europa, Nordsee- und Ostseeraum usw.) sowie den Zusammenschluss europaweiter Regionen für gemeinsame Projekte. Aus einer einfachen Initiative der Kommunen wurde eines der Hauptziele der Kohäsionspolitik mit einem Budget von 10 Milliarden Euro in der Periode 2014-2020.

Durch den INTERREG-Fonds finanzierte Projekte gibt es viele: ein deutsch-französischer Kindergarten wurde zwischen Straßburg und Kehl eröffnet, ein grenzübergreifendes Krankenhaus in den Pyrenäen zwischen Katalonien und der Region Languedoc-Roussillon gegründet, sodass bei einem Unfall nicht erst nach Barcelona oder Perpignan gereist werden muss. Das Projekt L’Acqua umfasst eine Partnerschaft verschiedener Regionen in acht Ländern, die ein gemeinsames nachhaltiges Tourismuskonzept zum Thema Seen und Meere erarbeiten wollen.

Eine Kooperation lässt Europa neu entstehen

Auch wenn die Kohäsionspolitik stark auf die grenzüberschreitenden Kooperationsprojekte setzt, ist ihr Budget unzureichend. Die Finanzierung für INTERREG nimmt einen sehr kleinen Teil der Kohäsionspolitik ein. Auch ist der Prozess zum Erhalt der Fördergelder ein anderer. Um von INTERREG finanziert zu werden, müssen die Regionen zunächst eine internationale Partnerschaft etablieren, um dann ein gemeinsames Konzept zu erarbeiten. Hier soll voneinander gelernt und innovativ gehandelt werden. Grenzüberschreitende Problemstellungen häufen sich, sodass es sich zunehmend lohnt, gemeinsame Maßnahmen zu ergreifen. Der Klimawandel zum Beispiel verlangt eine verstärkte Kooperation und Solidarität zwischen den Regionen. Den Komunen fällt dabei eine wichtige Rolle zu, den sie können Projekte für Bürgerbeteiligung anstoßen. So können im Sinne eines Europas der Bürger Projektideen entstehen.

„Europa wird weder plötzlich da sein, noch durch eine Konstruktion entstehen: Europa wird durch konkrete Realisierungen entstehen, die eine Solidarität unter den Bürgern aufbauen“ sagte Robert Schuman 1950. Die Vision der Gründungsväter der EU war pragmatisch. Nach dem Zweiten Weltkrieg haben Kooperation und Versöhnung gegenüber Rache und Krieg triumphiert. Man begann die Kohle und Stahlverarbeitung gemeinsam zu koordinieren. Die grenzübergreifende Kooperation heute versucht der Idee der Gründungsväter zu folgen, indem „konkrete Realisierungen, die eine Solidarität unter den Bürgern aufbauen“ auf lokaler und regionaler Ebene entwickelt werden.

25 Jahre INTERREG haben viele Projekte hervorgebracht, die einen konkreten Nutzen für die EU-Bürger haben. Programme dieser Art, wie auch Erasmus+ sollten bekannter werden und denen entgegengebracht werden, die die EU verrufen. Denn Europa bringt jedem etwas, auch im Alltag.

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