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Made in Europe

, von  Ivana Peric

Von Madrid über Wien bis nach Zagreb, sie begegnen uns jeden Tag, folgen uns auf Schritt und Tritt: Gegenstände des alltäglichen Lebens, wie die Krawatte, Pommes Frites und der Bikini. Doch wo kommen sie eigentlich her? Die Ursprünge europäischer Alltagsbegleiter.

Die Ehrengarde Kravat Regiment gedenkt der kroatischen Soldaten während des Dreißigjährigen Krieges – mit dem dazu passenden Halstuch. – Foto: Kravat Pukovnija © Vedran Vrhovac / flickr (Link) / CC BY-NC-SA 2.0

Autoren

  • Ivana Peric studiert Kommunikationswissenschaft an der Universität Bamberg. Journalistische Erfahrungen sammelte sie unter anderem in der Unternehmenskommunikation von Großkonzernen und bei internationalen Organisationen in Europa und Südamerika. Seit März 2015 ist sie Koordinatorin Marketing und Öffentlichkeitsarbeit bei treffpunkteuropa.de.

Gerhard Schröder, Hans-Dietrich Genscher, Helmut Kohl und Boris Becker haben eine im Schrank hängen. Die Rede ist von der Krawatte. Ob breit oder schmal, gemustert oder einfarbig, aus Strick oder Seide, kein Kleidungsstück ist ein derartiger Allrounder, wenn es darum geht, generationenübergreifend einen seriösen Auftritt an den Tag zu legen. Erfunden wurde der Schlips vor ungefähr vier Jahrhunderten in Kroatien. Als schmales um den Hals geknotetes Tuch, dessen Enden bis auf die Brust hingen, fand die Krawatte ihren Ursprung in der Uniform kroatischer Soldaten, die während des Dreißigjährigen Krieges in Frankreich stationiert waren. Die Fertigkeit der Kroaten für die Krawatte mag zunächst verwundern, schreibt man doch bedeutende Modekreationen eher den Franzosen zu. Die französischen Höflinge, angetan von dem geknoteten Tuch, integrierten es in die höfische Mode und so wurde das vornehm gebundene Halstuch ab 1650 zu einem musthave für jeden modebewussten Adligen. Das Wort übertrug sich von den Erfindern auf die Halsbinde und aus à la Croate wurde Cravate – das geknotete Männeraccessoire kam zu seinem Namen.

Die Kreativität französischer Namensgebung geht bei einer ihrer Eigenkreationen noch einen Schritt weiter. Wer nämlich denkt, das Bikini-Atoll habe seinen Namen dem populären Zweiteiler zu verdanken, irrt. Es ist genau umgekehrt. Die Insel dominierte aufgrund US-amerikanischer Atomtests in den 19540er- und 1950er-Jahren die internationalen Schlagzeilen und inspirierte Louis Reárd, den Erfinder der populären Badebekleidung, in seiner Namensgebung. Damit zündete Reárd 1946 durch seine Modeschöpfung eine wahre Medienbombe, die zunächst für mehr Eklat als Zuspruch sorgte. Heute sind die Zweiteiler von Europas Badestränden ebenso wenig wegzudenken, wie die bunten Handtücher und Sonnenschirme.

Von Modegeschmäckern zu Gaumenschmäusen: kaum eine Speise ist in Europa so verbreitet wie die kultigen Kartoffelspalten belgischen Ursprungs, im deutschen Volksmund Pommes genannt. In vielen europäischen Ländern als Imbissware abgestempelt, kommen sie in Belgien sogar bei Sterneköchen ins Haus oder eher in die Fritteuse, aber dann nur zweimal frittiert nach original belgischer Art. Obgleich sich Wallonen und Flamen gegenseitig nicht wirklich riechen können, beim Geruch frisch frittierter Kartoffelstäbchen haben sie den tief verwurzelten Konflikt nicht mehr vor Augen, sondern nur noch eines: belgische Pommes auf der UNESCO-Weltkulturerbe-Liste. Die Delikatesse aus der Tüte entstand aufgrund eisiger Verhältnisse Mitte des 18. Jahrhunderts im belgischen Namur als Fischer mit Kartoffelscheiben anstatt Fisch in siedendem Öl vorlieb nehmen mussten.

Ob Pommes Frites, Krawatte oder Bikini, vom Ursprung bis zur Integration in den Alltag verdeutlichen sie die Idee, die hinter Europa steckt. Nämlich, dass jedes Land mit seinem Ideenreichtum zu einem großen Ganzen beiträgt, zu Europa.

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