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Osterspaziergang durch Europa

, von  Stéphanie-Fabienne Lacombe

Passanten mit eiskaltem Wasser bespritzen, Keramikvasen aus dem Fenster werfen und dann bringen die fliegenden Glocken aus Rom Eier und Süßigkeiten. Das soll Ostern sein? Ja, denn so vielfältig Europas Länder sind, so vielfältig sind die Osterbräuche.

Deutscher Osterstrauch. – Foto: privat

Autoren

  • Stéphanie-F. Lacombe studiert Geographie und VWL in Berlin. Bei Praktika beim „Handelsblatt“ sowie „ParisBerlin“ entdeckte sie ihre Begeisterung für Journalismus. Im Sprachenmix fühlt sie sich zu Hause, daher ist sie seit April 2015 Koordinatorin der Übersetzungen bei treffpunkteuropa.de.

Als ich einer polnischen Freundin von unserem Eiersuchen am Ostersonntag erzählte, konnte sie mir kaum glauben. Denn in Polen ist der Osterhase unbekannt, genauso wie die Tradition des Osterfeuers, an dem in deutschen Kirchengemeinden die Osterkerze angezündet wird. Unsere Nachbarn beenden ihre Fastenzeit damit, dass sie einen Korb mit Eiern, Brot, Kuchen, Salz und Würsten in der Kirche segnen lassen. Am Ostersonntag wird dann gefeiert. Dabei ist es Brauch, sich gegenseitig mit Wasser nass zu spritzen. Besonders in der Stadt sei man vor einer kalten Überraschung nicht sicher und es passiere häufig, dass nichtsahnenden Passanten Wasser vom Balkon hinunter über den Kopf gekippt werde, erzählte sie mir. Diese Tradition soll an die Taufe des Prinzen Mieszko I. im Jahre 966 erinnern, der Polen christianisierte.

In der Slowakei und Ungarn kennt man in leicht abgewandelter Form ebenfalls diesen Brauch. Hier werden nur die Frauen mit Wasser bespritzt, eine alte slawische Tradition, um die Kraft und Magie des Wassers als Symbol der Liebe zu übertragen. Während in Deutschland oft die Eier mit Tuschfarbe bemalt werden, färbt man sie in Lettland fast immer mit Naturfarben wie Zwiebelschalen ein. Dann wird mit den hartgekochten Eiern ein Kampf veranstaltet, indem man zwei Eier gegeneinander schlägt. Derjenige, dessen Schale nicht zerbricht, lebt am längsten, erzählte mir eine lettische Freundin.

Ist es in Deutschland der Osterhase, der die Eier im Garten versteckt, so bringen in Frankreich die Kirchenglocken Süßigkeiten. Die Glocken besuchen den Papst in Rom, sagt man, und bei ihrer Rückkehr bringen sie Ostereier für die Kinder mit. Ostern ist seit heidnischer Zeit ein Symbol für den Frühlingsanfang, die Fruchtbarkeit und das Erwachen der Natur aus ihrem Winterschlaf. Das Ei als Symbol des Lebens steht seid Beginn des Christentums zu Ostern im Mittelpunkt. In der Fastenzeit durften keine Eier gegessen werden, daher sammelte man sie, um sie dann zu Ostern zu essen oder zu verschenken. In Italien werden Eier und Spinat in einen salzigen Kuchen verwandelt. Besonders beeindruckend sind in Italien auch die Karfreitagsprozessionen, bei denen im Kerzenschein schwarz gekleidete Jungen und Männer mit Kapuzen durch die Straßen wandeln. Hin und wieder wird angehalten und auf Latein gesungen. Spätestens am Ostermontag ist hier Schluss mit dem Winter, denn man trifft sich für „Pasquetta“ mit Freunden zum Grillen im Garten. Im orthodoxen Griechenland wird Ostern meist ein bis zwei Wochen später gefeiert. Die Eier sind dort rot bemalt und von Balkonen aus werden Keramiktöpfe auf die Straße geworfen, deren Scherben Glück bringen sollen.

Ostern ist ein Fest der Traditionen, dass sich im Gegensatz zu Weihnachten noch etwas gegen die Vereinheitlichung zu wehren scheint. Und ein Fest, das die Vielfalt Europas widerspiegelt. In diesem Sinne, warum nicht einmal Wasser auf den Nachbarn gießen, anschließend zum Eierkampf antreten und mit Freunden picknicken? Frohe Ostern!

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