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Pizza, Pasta und Amore – Klischeeoase Italien

Kolumne „Europa im Blick“

, von  Stéphanie-Fabienne Lacombe

Sie sind ewige Mamasöhnchen, singen beim ESC über den „Grande Amoreeeee“ und auf den Straßen müssen Fußgänger angesichts der kreuz-und-quer brausenden Motorräder um ihr Leben (und ihre Handtasche) fürchten. Zeit, die Klischees genauer unter die Lupe zu nehmen. Aber vorher ist noch Zeit für einen Espresso, pardon, caffè.

In den Straßen Neapels – Foto: privat.

Autoren

  • Stéphanie-F. Lacombe studiert Geographie und VWL in Berlin. Bei Praktika beim „Handelsblatt“ sowie „ParisBerlin“ entdeckte sie ihre Begeisterung für Journalismus. Im Sprachenmix fühlt sie sich zu Hause, daher ist sie seit April 2015 Koordinatorin der Übersetzungen bei treffpunkteuropa.de.

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„Wenn ich denke, denke ich nur an dich/Wenn ich sehe, sehe ich nur dich/Wenn ich glaube, glaube ich nur an dich“ sang das Tenortrio „Il Volo“ schmachtend. Die Darbietung beim Eurovision Song Contest passte in das Bild, das sich die Welt von Italien macht. Ja ja, so sind sie halt, die Südländer, glauben an Liebe und Romantik, lieben ihre Familie und besonders die „bambini“. Das Urlaubsland im Süden den Alpen ist stark klischeebehaftet und scheint sich insbesondere bei Deutschen einer stark idealisierten Wahrnehmung zu erfreuen. Während man sie hier um „ach diese Lebensfreude!“ beneidet, gelten in Frankreich die südlichen Nachbarn abwertend als „Les spaghettis“, die ja immer nur Pasta äßen. Klischees zeugen von Halbwissen über lokale Traditionen und Normen, eventuell gespickt mit ein paar eigenen Erfahrungen. In Italiens Süden besteht man sehr auf seiner regionalen Zugehörigkeit und bezeichnet einen Mailänder auch schon mal als „unterkühlten Deutschen“. Zumindest im Süden des Landes bestätigt sich größtenteils das Bild des sonnenbebrillten Vespafahrers, das sich seit den 1950er Jahren hält. Mit den „bambini“ sieht es allerdings anders aus: Italien gehört inzwischen zu den Ländern Europas mit der geringsten Geburtenrate (1,39 Kinder pro Frau, weniger als in Deutschland). Bezüglich „Hotel Mama“ scheint der Eindruck gerechtfertigt: rund 60% der 18 bis 34-Jährigen wohnen noch (oder wieder) zu Hause. Das ist bei einer Jugendarbeitslosigkeit von 41,1%und geringen Löhnen jedoch nicht verwunderlich und meist ist dieser Zustand nicht freiwillig, sondern finanziell unausweichlich. In Neapel dient die Autohupe als Blinker, zur Begrüßung, Freude- oder Ärgerbekundung. Trotz der burschikosen Fahrweise mancher „motorino“ Fahrer, ist die Zahl der tödlichen Verkehrsunfälle dennoch nicht höher als in Deutschland.

Soviel zu den Statistiken. Dennoch gibt es klarerweise viele Punkte, die sich nicht durch Zahlen widerlegen lassen. Mentalitätsmerkmale, die zwar verallgemeinernd sind, aber oftmals der gefühlten Ausstrahlung einer Mehrheit entsprechen. Unterschiede wie Lebenseinstellung, Prioritäten im Alltag oder Ansätze zur Problemlösung gibt es, auch wenn sie schwer quantifizierbar sind. In dieser kulturellen Diversität liegt der Reiz Europas, der erst einen spannenden Alltag ermöglicht. Gegen Klischees hilft nur: Reisen, Kennenlernen, Voneinanderlernen. Manchmal deckt sich die Erfahrung mit dem Stereotyp, doch sollte man bereit sein, sich für andere Perspektiven zu öffnen und gemeinsam eine europäische Mentalität zu leben.

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