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Russland im Schraubstock

, von  Alice Robra

Dass die europäischen Sanktionen gegen Russland nicht greifen, davon kann keine Rede sein. Nachdem die EU schärfere Sanktionen gegen Russland beschlossen hat, müssen dortige Banken und Unternehmen ihre Gewinnaussichten zurücknehmen.

Die Sberbank, Russlands größte Finanzinstitution, gehört zu mehr als 50 Prozent dem russischen Staat und ist somit von den EU-Sanktionen betroffen. – Foto © 2011 Ketrin.sv (via Wikimedia Commons: http://goo.gl/HP8nPy) - CC-Lizenz BY-SA 3.0 (http://goo.gl/DSJN1t)

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Es ist das langsam schneidende Messer, das tiefe Wunden hinterlässt: Am 12. September traten die jüngsten Sanktionen der EU gegen Russland in Kraft. Diese betreffen Banken, die zu mehr als 50 Prozent in Staatseigentum sind. Das sind die Sberbank, VTB und Gazprom-Bank, sowie die zwei kleineren Finanzinstitute VEB und Rosselkhozbank. Sie können nun keine Kredite mehr im EU-Raum aufnehmen, die eine längere Laufzeit als 30 Tage haben. Schon im Juli wurden vergleichbare Sanktionen eingeführt, die aber noch auf 90 Tage begrenzt waren. Außerdem dürfen die Anleihen der Energiekonzerne Rosneft, Transneft und Gazprom Neft nicht mehr in der EU gehandelt werden.

Gleichzeitig verhängten auch die USA Sanktionen gegen die russische Finanzwirtschaft. Davon ausgenommen ist aber unter anderem die größte Bank Russlands, die Sberbank.

Europäische Niederlassungen bleiben verschont

In Europa bleiben hingegen russische Niederlassungen von den Einschränkungen unberührt, da diese die Wirtschaft der Staatengemeinschaft mitfinanzieren. Würden sie sanktioniert werden, könnten auch in der EU die Zinsen für Kredite steigen. Ein Effekt, der in der momentanen Eurokrise vermieden werden soll. Die Banken werden allerdings überwacht, sodass sie keine Gelder an ihre Mutterbanken überweisen können.

Die Auswirkungen auf die EU-Länder selbst sollen minimal bleiben. Noch im Mai fürchtete sich vor allem Zypern vor den Restriktionen, da dort sehr viel russisches Geld liegt. Ein Abzug des Geldes könnte den Finanzplatz in ernsthafte Schwierigkeiten bringen und die bisherigen Schritte zur Rettung der heimischen Wirtschaft zunichtemachen. Im April 2013 standen sowohl der zypriotische Staat als auch viele Banken vor dem Bankrott. Die EU schnürte deshalb ein Hilfskreditpaket in Höhe von zehn Milliarden Euro mit einer Laufzeit von 15 bis 20 Jahren. „Wenn Wirtschaftssanktionen gegen Russland verhängt würden, hätte das äußerst negative Auswirkungen auf unser Anpassungsprogramm, das wir mit der Troika vereinbart haben“, sagt Zyperns Präsident Nikos Anastasiadis gegenüber dem Handelsblatt. „Es würde all die Fortschritte gefährden, die wir seit einem Jahr mühsam erreicht haben.“ Doch seit der Verkündung der neusten Sanktionen gibt es keine Meldungen über ungewöhnliche Geldabflüsse aus Zypern.

Das Ziel sind langfristige Schäden

In Russland werden hingegen die ersten Einschnitte deutlich: Der Ölkonzern Lukoil wird im kommenden Jahr zwei Milliarden Dollar weniger investieren als 2014 und quittiert dies als direkte Folge der Sanktionen. Die zweitgrößte Bank Russlands, die VTB, kämpft bereits mit einem Verlust von 525 Millionen Euro durch die Krise - bis Jahresende könnte er doppelt so hoch sein.

Dass die Sanktionen erst langfristig Wirkung entfalten, ist kalkuliert, denn sie sollen nicht zu sofortigen Liquiditätsengpässen führen. Kurzfristige Zahlungsschwierigkeiten könnte Banken in die Insolvenz stürzen. Die Sanktionen sollen vielmehr die russische Wirtschaft langfristig entkräften: Kredite für Unternehmen und Haushalte werden teurer und die Zentralbank wird stärker belastet, da die Banken sich nun verstärkt an sie wenden müssen. Die Belastung ist durchaus groß, denn die Geldinstitute haben hohe Forderungen zu begleichen. Allein die Sberbank hat Altschulden von 1,6 Milliarden Dollar bis zum Jahresende zu tilgen. Im nächsten Jahr sind 3,5 Milliarden Dollar fällig. Bei der VTB sind es sogar noch mehr. Insgesamt schulden russische Banken westlichen Gläubigern 215 Milliarden Dollar.

Die russische Regierung hat deshalb die Rückstellungen mit sechs Milliarden auf 91,7 Milliarden Dollar erhöht. Mit diesen umgerechnet 239 Milliarden Rubel kann nun der Nationale Wohlfahrtsfond in die VTB und die Rosselkhozbank investieren. Es handelt sich dabei um nachrangige Darlehen, die bei einer Insolvenz als einer der letzten Posten bedient werden müssen. Der Fond nimmt damit ein hohes Risiko in Kauf. Des Weiteren versprach die Zentralbank in Moskau, allen bedrängten Banken zu helfen.

Hilfe leichter versprochen als getan?

Russland kann sich momentan nicht genügend auf die eigene Wirtschaftsleistung verlassen – das Land driftet in die Rezession ab. Betrug das Wachstum 2012 noch 3,4 Prozent, waren es 2013 nur noch 1,3 Prozent. Die World Bank rechnet für 2014 mit 0,5 Prozent. Auch die Nachfrage sinkt kontinuierlich, da die Einkommen zu langsam wachsen, die Inflation ansteigt und die Haushalte selbst mit wachsenden Schulden kämpfen. Durch die schlechtere Kreditversorgung werden diese Effekte noch verstärkt.

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