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Sgraffito: Italienische Malkunst in Europa

Kolumne „Europa im Blick“

, von  Eva Olschewski

Man sieht sie im Schlosshof in Dresden, an den Fassaden der Münchner Residenz am Odeonsplatz, in vielen tschechischen Städten, in der Schweiz und natürlich im Land ihres Ursprungs, Italien: Die Sgraffito-Wandmalerei. „Sgraffiare“ bedeutet im Italienischen „kratzen“ und umschreibt damit auch die Technik.

Autoren

  • hat in Magdeburg, Amiens und Cardiff European Studies sowie European Governance and Public Policy studiert. Bis März 2015 war sie Koordinatorin Marketing und Öffentlichkeitsarbeit bei treffpunkteuropa.de.

Eine meist dunkle Putzschicht wird von einer helleren überdeckt – durch ein gezieltes Wegkratzen der oberen frischeren, noch nassen Putzschicht auf der Grundlage einer vorher abgepausten Zeichnung entstehen reliefartige Muster – oft in Form von Flächen oder geometrischen Figuren, die durch ihr plastisches, fast dreidimensionales Aussehen von weitem an richtige Steine oder Aufdrucke erinnern. Die Vorgehensweise ähnelt der Freskomalerei und verfolgt das gleiche Ziel wie „Trompel’oeils“ – eine Sinnestäuschung.

Obwohl diese besondere Form der Stucktechnik in Deutschland schon seit dem 13. Jahrhundert phasenweise in der Wetterau sowie im Marburger Land, Thüringen und Bayern Verwendung fand, wurde sie erst in der Renaissance im 16. Jhd. insbesondere in Florenz und Rom richtig beliebt und von italienischen Malern in anliegende europäische Länder und damit auch Deutschland gebracht. Im 19. Jahrhundert blühte die Dekorationskunst durch Gottfried Semper wieder auf, der diese zur Gestaltung des Dresdner Schlosses nutzte. In Europa ist seine Fassade die größte bemalte Fläche aus Putzkratzbildern.

Früher gaukelte das kostengünstige Dekorationsvorhaben Wohlstand vor, die verschnörkelten Muster und aufgemalten Bilder täuschten eine andere, reichere Architektur vor. Fenster, Eingangstor und Hausecken wurden durch die Malkunst hervorgehoben oder verliehen ihr ein anderes Aussehen. Typische Sgraffitti-Motive sind vor allem schwalbenschwanzförmige Zinnen, die echte Zinnen auf Toren und Fenstern vorgaben und wie andere geometrische Elemente – meist Zickzacklinien und Dreiecke – ihren Ursprung im 16. Jahrhundert haben. Später wurde das Motivrepertoire durch typische Renaissance-Ornamente wie Nachbildungen von Simsen oder Säulen oder Figuren wie Fische, Delfine, Drachen und Meerjungfrauen ergänzt, die zunächst in dunklen Tönen für die Verzierung prunkvoller Bauten verwendet und später mit farbenfroheren Mustern auch im Wohnungsbau eingesetzt wurden.

Vielleicht begegnet Euch der Sgraffito-Stil ja auf Eurer nächsten Reise!

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