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Terror in Brüssel

, von  Martin Samse

Der internationale Terrorismus hat in Brüssel zugeschlagen. Trotz der erhöhten Terrorwarnstufe und der offensichtlichen Gefahrenlage ist es den Sicherheitsorganen nicht gelungen, die Attentate zu verhindern. Das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung Europas wird weit über die Grenzen Belgiens hinaus erschüttert. Die Anschläge sind ein Angriff auf das liberale Gesellschaftsmodell der Europäischen Union.

Die belgische Hauptstadt Brüssel wurde heute durch Terroranschläge erschüttert. – © Ben / Flickr/ CC BY-NC-ND 2.0-Lizenz

Autoren

  • studiert in Osnabrück im Masterprogramm „Europäisches Regieren: Markt-Macht-Gemeinschaft“. Seit Juli 2014 schreibt er für treffpunkteuropa.de über den europäischen Wirtschafts- und Währungsraum.

Die Gefahr ist lange bekannt

Das Europaviertel in Brüssel ist Sitz von zahlreichen Interessenverbänden und privaten und öffentlichen Repräsentationen - Sicherheitsmaßnahmen sind allgegenwärtig. Soldaten und Securitymitarbeiter gehören wie selbstverständlich zum Brüsseler Stadtbild dazu. Jüngst wurden die Maßnahmen noch verschärft: Im Zuge des Lockdowns vom November letzten Jahres wurden zwischenzeitlich alle Schulen gesperrt, der Metroverkehr gestoppt und das Sicherheitspersonal in zahlreichen öffentlichen und privaten Gebäuden aufgestockt. Razzien wurden im berüchtigten Stadtteil Moolenbeek und der Altstadt durchgeführt. Die Sicherheitsorgane, die Brüsseler Bevölkerung und die gesamte europäische Öffentlichkeit wurden im hohen Maße für die Terrorgefahr sensibilisiert.

Allen Sicherheitsmaßnahmen zum Trotz können international gesuchte Terroristen offenbar monatelang in Brüssel untertauchen und deren Mitstreiter Terroranschläge verüben. Die scheinbare Machtlosigkeit der Sicherheitsorgane lässt die europäische Öffentlichkeit mit ihrer Trauer, Wut und in gefühlter Schutzlosigkeit zurück. Die Wirkung der Anschläge geht über die Grenzen Brüssels und Belgiens hinaus: Sie sind mehr denn je auch ein Angriff auf die Wertegemeinschaft Europas. Die Terroristen haben Bomben in das politische Herz der Europäischen Union geschmissen.

Es trifft uns alle

Die Metrostation Maelbeek liegt nur ein Steinwurf von den Institutionen der Europäischen Union entfernt. Über diese Institutionen versuchen die EU-Beamten, Staatschefs und Parlamentarier in lang andauernden Verfahren einen gemeinsamen Konsens für Wohlstand, Frieden und Sicherheit in Europa herzustellen. Das Europaviertel ist der Arbeitsplatz für Zehntausende Beamte, Lobbyisten, Parlamentarier und Journalisten. Brüssel wurde so über die Jahre zur Wahlheimat für Menschen aus allen Ländern und Regionen der Europäischen Union.

Neben denen, die in der „Brüsseler Blase“ am europapolitischen Geschehen mitarbeiten, ist die Hauptstadt Belgiens Heimat unterschiedlicher sozialer und kultureller Milieus und beliebtes Ziel für Touristen aus aller Welt. Die politische Hauptstadt Europas lebt im hohen Maß selbst von der Offenheit einer liberalen Gesellschaft und dem Aufeinandertreffen unterschiedlicher Kulturen. Wenn sich hier Parallelgesellschaften bilden, radikalisieren und Attentäter hervorbringen ist das ein Angriff auf alle liberalen Werte, für die das geeinte Europa einsteht. Was in Brüssel geschehen ist, trifft die politische und gesellschaftliche Kultur Europas ins Mark.

Absolute Sicherheit ist eine Illusion

Zum Zeitpunkt des Lockdowns im letzten Jahr wurde auch dem Autor dieses Artikels von seinem Arbeitgeber freigestellt, aus Sicherheitsgründen lieber Zuhause zu bleiben. Der Vorschlag wurde dankend abgelehnt. Zu diffus war die Gefahrenlage, zudem wurde die gesteigerte Präsenz und Aufmerksamkeit der Sicherheitsorgane als wirksame Abschreckung für die Terroristen wahrgenommen. Diese Einschätzung erweist sich heute als Irrtum.

Auch die erhöhte Terrorwarnstufe konnte die Attentate in Brüssel nicht verhindern. Eine liberale Gesellschaft, wie sie in Brüssel gelebt wird, kann wohl nie den absoluten Schutz der Bevölkerung vor den entsetzlichen Taten einzelner Verblendeter garantieren. Der 22. März 2016 beweist mehr denn je: Europa ist verwundbar – überall und jeder Zeit.

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