Die ersten Wochen des neuen Jahres sind geschafft: In Arbeit, Uni und Schule haben wir uns wieder eingegroovt. Fasching steht vor der Tür und damit in einigen Bundesländern auch schon die nächsten Ferien. Reisebüros und Blogs werben verstärkt mit Frühbucherrabatten, um möglichst rasch Buchungen für die kommende Urlaubssaison zu generieren. Besonders europäische Reiseziele werden dieses Jahr intensiv beworben: vermeintlich noch unentdeckte Perlen, neue Trenddestinationen – aber auch die Auswirkungen von Übertourismus, sozialen Medien und KI-gestützter Reiseplanung auf Städte und Regionen rücken damit in den Fokus und machen die Schattenseiten sichtbar.
Die Reisetrends 2026
1 – Ruheoasen und „Qietcations“
Bereits im vergangenen Jahr zeichnete sich ein klarer Trend ab: Digital Detox, Ruhe, Spiritualität und Entschleunigung gewinnen an Bedeutung. Ziel ist es, sich wieder stärker auf sich selbst zu konzentrieren und fernab des Trubels innere Balance zu finden. Unter dem Schlagwort „Astro-Travel“ wurden 2025 Reiseziele beworben, die – basierend auf Sternzeichen, Geburtsdatum und -zeit – Erholung, Inspiration oder romantische Auszeiten versprechen.
Neu dazu kommt 2026 das Prinzip der „Quietcations“ (eine Wortkombination aus engl. „quiet“ = Ruhe und engl. „(va)cation“ = Urlaub). Gemeint sind Urlaube, die gezielt Ruhe, Komfort und Abstand von der ständigen Erreichbarkeit des Alltags bieten: Handy weglegen, Tempo rausnehmen, sich wiederfinden.
Laut einer Studie liegt die griechische Insel Rhodos weltweit auf Platz eins der ruhigsten Destinationen. Hervorgehoben werden die geringe Lärmbelastung und die niedrige Instagram-Präsenz – nur rund eine Million Beiträge sind mit diesem Reiseziel markiert. Besucher:innen können dort antike Stätten wie den Großmeisterpalast, den Mandraki-Hafen oder das sagenumwobene Areal des Kolosses von Rhodos erkunden. Auch das nahegelegene Tal der Schmetterlinge sowie die Region rund um Prasonisi, ein Hotspot für Surfer:innen, laden zur Entschleunigung ein.
Vilnius (Litauen) gilt ebenfalls als Rückzugsort. Ein Reiseblog beschreibt die Stadt als ideal für „authentische, entschleunigende Erlebnisse“. Zu jeder Jahreszeit bieten die umliegenden Wälder, zahlreiche Saunen sowie eine charmante, wenig überlaufene Altstadt mit kleinen Cafés und Restaurants Ruhe. Ergänzt wird das Angebot durch Museen und Galerien wie das KGB-Museum, die Bernsteingalerie oder die historische Stadtmauer. Besonders sehenswert ist der backsteinerne Gediminas-Turm, von dem aus zahlreiche Wanderwege durch den einst von der Sowjetunion angelegten Wald starten.
In den Top 10 der ruhigsten Städte weltweit für eine „Quietcation“ finden sich insgesamt neun europäische Destinationen: neben Rhodos und Vilnius auch Edinburgh, Oslo, Helsinki, Tallinn, Valencia, Stockholm und Kopenhagen. Auf Platz neun liegt Kyoto in Japan.
2 – Maßgeschneiderte, personalisierte Reisen
Künstliche Intelligenz ist längst Teil des Alltags – auch in der Reiseplanung. Generative Chatbots durchsuchen internationale Webseiten und Blogs, erstellen individuelle Routenvorschläge, empfehlen Unterkünfte und Attraktionen und berücksichtigen dabei Budget, Reisezeit und persönliche Interessen. Problematisch sind jedoch der hohe Energieverbrauch solcher Systeme sowie sogenannte „Halluzinationen“, also fehlerhafte oder erfundene Informationen. Zudem greifen KI-Tools häufig auf ohnehin populäre Reiseziele und Social-Media-Trends zurück, was bestehende Besucherströme weiter verstärken und Übertourismus begünstigen kann.
Ein prominentes Beispiel ist Spanien. Das Land verzeichnete 2024 mit rund 94 Millionen Besucher:innen einen neuen Rekord. Seit fast zwei Jahren protestieren Einwohner:innen gegen Überfüllung, steigenden Wasserverbrauch und explodierende Wohnkosten. Viele Immobilien werden als Ferienunterkünfte vermietet, was den Wohnraum verknappt und zu steigenden Mieten führt . Ministerpräsident Pedro Sánchez reagierte unter anderem mit strengeren Regeln für Ferienwohnungen. In zahlreichen Städten fordern Proteste zudem Besucherobergrenzen, Einschränkungen für Strände und Lokale sowie den Schutz von Kultur, Identität und Lebensqualität.
3 – Reisen zu Spielorten von Filmen, Serien und Büchern
Pilgerreisen zu besonderen Orten sind kein neues Phänomen. Schon vom 15. bis 19. Jahrhundert unternahm der europäische Adel sogenannte Grand Tours, um Bildung, Charakter und Weltgewandtheit zu erlangen. Dichter:innen und Denker:innen wie zum Beispiel Johann Wolfgang von Goethe machten bestimmte Routen durch ihre Werke berühmt und Reisende wollten den Spuren der Genies folgen.
Heute übernehmen Influencer:innen und Popkultur diese Rolle. Drehorte von Filmen, Serien und literarischen Werken zählen seit Jahren zu den stabilsten Reisetrends. Angeboten werden etwa Touren zu Harry-Potter-Schauplätzen, Besuche der Game of Thrones-Drehorte in Dubrovnik oder Rundreisen durch England auf den Spuren von Rosamunde Pilcher.
Das Forbes-Magazin empfiehlt in diesem Zusammenhang beispielsweise den Comer See in Norditalien (u. a. Star Wars), London (u. a. James Bond, Harry Potter, Notting Hill) und Salzburg (Meine Lieder – meine Träume).
Die beliebtesten Reiseziele der Europäer:innen
Die Deutschen geben im Schnitt 1.544 Euro pro Person für ihren Haupturlaub aus und bleiben rund 13 Tage. Die beliebteste Destination 2025 war Deutschland! Denn die Heimat hat von Strand bis Gebirge hin zu Metropolen alles zu bieten – und ist im Schnitt auch noch 500 Euro günstiger als das europäische Ausland. Es folgen Spanien, Italien, die Türkei, Skandinavien, Griechenland, Österreich, Frankreich und Kroatien.
Auch die Französinnen und Franzosen bleiben am liebsten im eigenen Land oder fliegen zu den Überseegebieten wie Martinique oder Guadeloupe – die im Übrigen zur EU gehören. Auf Platz 2 landet Spanien, dann Portugal und Italien.
Dän:innen reisen ebenfalls am liebsten innerhalb des eigenen Landes. Spanien liegt auch hier auf Platz zwei, gefolgt von Italien, Griechenland, Deutschland, Frankreich, den USA, Schweden, Großbritannien und der Türkei.
Rund zwei Drittel der Pol:innen verbringen ihren Urlaub im eigenen Land. Beliebt sind zudem die Türkei, Tunesien, Bulgarien, Spanien und Griechenland. Zunehmend entdeckt werden auch Albanien, die Dominikanische Republik und die Vereinigten Arabischen Emirate.
Für Schweizer:innen steht ebenfalls das eigene Land an erster Stelle. In Europa reisen sie bevorzugt nach Italien, Frankreich, Deutschland, Spanien und Österreich. Fernreisen führen häufig nach Asien, Nordamerika, Südafrika und Ozeanien.
Wirtschaftsfaktor Tourismus
Das World Travel & Tourism Council schätzte den Beitrag des Tourismus zum Bruttoinlandsprodukt der EU im Jahr 2025 auf rund 1,9 Billionen Euro – etwa 10,5 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung. Seit 2023 erholt sich die Branche deutlich vom pandemiebedingten Einbruch; die Zahlen haben wieder das Vor-Corona-Niveau erreicht. Laut Eurostat verbringen 43 Prozent der EU-Bürger:innen ihren Urlaub im eigenen Land. Europas beliebtestes Reiseziel bleibt Spanien.
Trotz der wirtschaftlichen Bedeutung warnt die EU vor den Folgen des Übertourismus. Seit 2022 setzt sich eine EU-Initiative für einen grünen Wandel und mehr Resilienz im Tourismus ein. Ziel sind umweltfreundlicheres Reisen, bessere digitale Services und reibungsloser grenzüberschreitender Verkehr. Gleichzeitig stehen Maßnahmen wie höhere Tourismusabgaben für stark frequentierte Ziele, strengere Regeln für Kurzzeitvermietungen und Beschränkungen für Kreuzfahrtschiffe zur Diskussion. Weitere Lösungsansätze sind Investitionen in Infrastruktur, bessere Koordination zwischen Städten und Tourismusbetrieben, die Einbindung der Bevölkerung, die Förderung der Nebensaison, alternative Reiseziele sowie Besucherobergrenzen.

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