In Vielfalt geeint : von der Donaumonarchie bis zur Europäischen Union

, par Paul Herault

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In Vielfalt geeint : von der Donaumonarchie bis zur Europäischen Union

Laut Jacques Delors ist die Europäische Union ein „unbekanntes politisches Objekt“. Sie ist sogar so eigenartig, dass es kaum möglich ist, sie mit einer anderen politischen Struktur zu vergleichen. Welche Lehre kann die aus 27 Staaten bestehende Europäische Union neunzig Jahre nach dem Sturz der Habsburger Monarchie aus der Geschichte eines multinationalen Kaiserreich ziehen ?

Europa vs Etat-Nation

Wegen ihrer Auffassung des état-nation haben die Franzosen oft eine schlechte und negative Einschätzung des österreichisch-ungarischen Kaiserreichs. Nach französischem Vorbild müssen sich Nation und Staat decken. Ein solcher politischer Aufbau ist auch viel einfacher zu regieren und zu verwalten, wie der Jurist und sozialdemokratischer Kanzler Karl Renner es in seinem Werk Staat und Nation (1899) bemerkt hatte. Im europäischen Kontext ist es aber einfach unmöglich, da die Europäische Union aus mehreren Nationen besteht. Die deutsche Auffassung der Nation ist insofern nicht sinnvoller und treffender, als sie auf einer gewissen kulturellen Einheit aufgebaut ist, die im europäischen Raum sowie in der Donaumonarchie nicht möglich ist oder war. Wichtig ist also, dass wir uns den politischen Aufbau Europas nicht auf der Basis unserer nationalen Vorbilder vorstellen.

Kakanien als Vorbild ?

Im Gegensatz zu diesen französischen und deutschen Auffassungen, ermöglichte das Habsburger Reich einen gewissen Kompromiss zwischen Vielfalt und Einheit. Im selben Reich lebten nämlich verschiedene Nationen unterschiedlicher Sprachen und Religionen zusammen, was im heutigen Europa teilweise eine unerfüllte Herausforderung bleibt. Nach dem Österreichisch-Ungarischer Ausgleich (1867) verfügte Budapest über eine breite Autonomie in der Festlegung seiner Gesetze. Die kaiserliche und königliche Verwaltung könnte sogar als Vorbild für die Europäische Union betrachtet werden, insofern als gemäß den Sprachverordnungen alle Gesetze in zehn Sprachen übersetzt waren. Zudem mussten die Beamten außer der deutschen Sprache auch die Sprache der Region, in der sie arbeiteten, beherrschen. Dazu muss auch hinzugefügt werden, dass die Bewahrung der nationalen Sprachen, Kulturen und Kulturerben durch die im Jahre 1867 in Kraft getretenen Staatsgrundgesetze gewährleistet war.

Die EU als buntes Bundesland...

Hinter dem Mythos Kakaniens steht aber eine ganz andere Realität. Als 1918 der Kaiser seinen „getreuen österreichischen Völkern“ die Gründung eines Bundesstaates vorschlug, lehnten nämlich die verschiedenen Nationen des Reichs den Vorschlag ab. „Die Völker der Monarchie wollten einfach nicht mehr“, berichtet sogar die Historikerin Brigitte Hamann [1]. Aber selbst aus diesem Scheitern, einen Bundesstaats zu bilden, kann Europa Lehren ziehen. Das Beispiel der Donaumonarchie zeigt, wie wichtig die Entfaltung und freie Äußerung der Nationalgefühlen sind, bevor die Nationen auf ihre Souveränität verzichten können. Die älteren Mitgliedstaaten Europas waren reife, erfahrene und demokratische Nationen. Die jüngeren dagegen genießen erst seit weniger als zwanzig Jahren eine gewisse Freiheit und vollständige Souveränität, nachdem ihre Nationalgefühle jahrzehntenlang, wenn nicht jahrhundertenlang unterdrückt worden sind. Auch diese Vielfalt muss berücksichtigt werden.

Bildung : Karte der im Jahre 1911 in der Donaumonarchie gesprochenen Sprachen. Quelle : wikipedia

Notes

[1Zitate aus einem Interview von HAMANN Brigitte : „Der große Mythos“, Profil, n°48, 23. November 1998.

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