Brief an Europa: Zur Kritik an #FreeInterrail

, von  Vincent Venus

Brief an Europa: Zur Kritik an #FreeInterrail
Quer durch Europa mit dem Zug? Zumindest teilweise hat die EU-Kommission die Initiative aufgegriffen. Foto: focusonpc/ Pixabay / CC0 1.0

#FreeInterrail - während die einen es feiern, hält es die organisierte Jugend für „Geldverschwendung“. Vincent Venus findet: #FreeInterrail ist eine tolle Idee - nur auf die Umsetzung kommt es an.

Die organisierte Jugend hält die #FreeInterrail-Initiative für Geldverschwendung. „Extrem enttäuschend“ findet das Europäische Jugendforum (Dachverband aller politischen Jugendorganisationen) es, dass die EU-Kommission 700 Millionen Euro ausgeben möchte, um damit 18-jährige EU-BürgerInnen auf Reisen zu schicken. Es gäbe bessere Möglichkeiten, um die Jugend zu unterstützen.

Ist dem so? Gibt es effektivere Wege, um mit dem gleichen (!) Budget noch mehr jungen Menschen noch einfacher ein Gefühl für Europa zu vermitteln?

Interrail kostet relativ wenig und erreicht viele

Die Vertreter der Jugendorganisationen meinen Ja und verlangen mehr Geld für die bestehenden Programme – also mehr Geld für sich. Das zu fordern ist legitim, denn Jugend-NGOs haben zweifellos eine große positive Wirkung, wie ich in acht Jahren JEF-Engagement selbst erfahren habe. Aber das Hauptziel vielen Jugendlichen Europa näher bringen kann durch #FreeInterrail kosteffektiver erreicht werden:

Denn erstens kostet das Engagement in Jugendorganisationen pro Person deutlich mehr als ein Interrail-Ticket. Die 510 Euro eines Interrail-Globalpass reichen geschätzt gerade einmal, um die Teilnahme an zwei Wochenend-Gremiensitzungen zu finanzieren.

Zweitens sind Jugendorganisationen viel exklusiver als ein kostenloses Ticket für alle. Innerhalb von Jugendorganisationen sind die Mehrzahl Akademiker und stammen mindestens aus der Mittelklasse. Auch wenn vielleicht 20-30 Prozent der 18-jährigen das Interrail-Ticket wegen Armut nicht nutzen werden können, dann sind das trotzdem noch deutlich mehr als jene, die von der üblichen Jugendförderung profitieren.

Zur (un)berechtigten Kritik

Eines der Argumente gegen FreeInterrail ist, dass solch ein Ticket nur Symbolcharakter habe. Dem entgegne ich: Ja. Politik ist symbolgetrieben und wenn die Botschaft an alle Europäer zum 18. Geburtstag zukünftig ist „Hallo du, hier EU, schnapp dir deine Freunde und entdecke unseren Kontinent. Wir glauben an dich“ dann ist dieses Symbol wirkungsmächtiger als alle programmatischen Anträge aller Jugend-NGOs zusammen.

Ein anderer Kritikpunkt ist die Planung der Pilotphase für diesen Sommer: Nur 15.000 Tickets, auf die man sich auch noch bewerben muss. Diese Kritik ist absolut berechtigt, denn derart werden tatsächlich nur die üblichen Bessergestellten in den Genuss einer Förderung kommen.

Auf die Umsetzung kommt es an

Allerdings haben die Initiatoren der FreeInterrail-Initiative auch von Anfang an einen anderen Modus gefordert: Alle EU-BürgerInnen sollen zum 18. Geburtstag bedingungslos einen Brief erhalten, der ein Glückwunschschreiben der EU-Kommission, einen sechs Jahre gültigen Gutschein für einen Interrail-Monatspass und Informationen zur Mobilität in der Europäischen Union enthält. Nur wenn FreeInterrail in dieser Art umgesetzt wird, kann sie ihre starke Symbolwirkung entfalten und dabei inklusiv sein. Denn in sechs Jahren haben fast alle jungen Erwachsene genügend Zeit fürs Sparen, um sich die Reise leisten zu können.

Statt gegen FreeInterrail mobil zu machen, sollten die Jugendorganisationen für eine Umsetzung lobbyieren, die die Idee in ihrem Sinne umsetzt. Das könnte bedeuten: für alle 17-Jährigen eine Projektwoche in der Schule zum Thema Mobilität in Europa, in dem Brief der Kommission als Ansprechpartner genannt werden, und die Schaffung eine Onlineplattform, die Reisende informiert, vernetzt und Jugendorganisationen einbindet.

FreeInterrail ist nicht nur eine Chance für alle Jugendlichen. FreeInterrail ist auch eine Chance für die Jugendorganisationen. Ich jedenfalls kann mir beispielsweise für die Jungen Europäischen Föderalisten keinen besseren Anknüpfungspunkt vorstellen, um europabegeisterte Nicht-Akademiker für die eigenen Ziele zu gewinnen.

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