Euroskeptischer tschechischer Präsident Miloš Zeman in Umfragen vorne

, von  Hannah Illing

Euroskeptischer tschechischer Präsident Miloš Zeman in Umfragen vorne
Der umstrittene tschechische Präsident Miloš Zeman bei einem Treffen mit dem damaligen NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen im Jahr 2014 © NATO North Atlantic Treaty Organization / Flickr / CC BY 2.0

In Tschechien findet am 12. und 13. Januar die 1. Runde der Präsidentschaftswahlen per Direktwahl statt. Seit dem Abschied des Bürgerrechtlers und Schrifstellers Václav Havel im Jahr 2003 hat kein Europafreund mehr das repräsentative Amt bekleidet: Sowohl der AfD-Sympathisant Václav Klaus als auch der aktuelle Präsident und Russlandfreund Miloš Zeman stellten sich wiederholt gegen die Europäische Union und fielen durch populistische Äußerungen auf. Die drei Kandidaten mit den größten Erfolgschancen im Überblick:

Von den neun Kandidaten, die sich für das tschechische Präsidentenamt bewerben, haben erstaunlich viele ein zumindest teilweise proeuropäisches Programm. Klarer Favorit ist aber ein Eurospektiker und Populist: der aktuelle Präsident Miloš Zeman. Auffallend ist, dass es keine einzige weibliche Kandidatin gibt. Auch gibt es keinen Kandidaten, der EU-weite Flüchtlingsquoten befürwortet – in Tschechien käme dies politischem Selbstmord gleich.

Miloš Zeman

Der 73-Jährige gewann im März 2013 die Stichwahl gegen den europafreundlichen Politiker Karel Schwarzenberg und zog als dritter tschechischer Präsident nach 1989 auf die Prager Burg. Besonders in ländlichen Regionen beliebt, wird Zeman unter Prager Intellektuellen sehr kritisch gesehen. Kurz nach seiner Amtseinführung machte er z.B. Schlagzeilen, weil er sich weigerte, einen homosexuellen Prager Literaturdozenten zum Professor zur ernennen. Mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin versteht er sich gut, forciert die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Russland und kritisiert die EU-Sanktionen gegen das Land. 2015 hielt der umstrittene Präsidenteine Rede auf einer Anti-Islam Demo mit führenden tschechischen Rechtsextremisten - am Tag der Feierlichkeiten zum Jahrestag der Samtenen Revolution. Mit seinem nationalistischen Populismus hat Zeman Erfolg: In einer Umfrage des soziologischen Instituts der tschechischen Akademie der Wissenschaften vom Dezember 2017 sprachen sich 25 % und damit der Großteil der Befragten für ihn aus. In derselben Umfrage erklärten 16 % der Teilnehmer, sie seien noch unentschlossen; knapp 25 % sagten, sie würden nicht wählen gehen.

Jiří Drahoš

Als Gegenpol zu Zeman ist der ehemalige Vositzende der Akademie der Wissenschaften, der auch von den konservativen Christdemokraten unterstützt wird, Hoffnung für viele moderate Tschechen. Der habilitierte Chemiker ist europafreundlich, er spricht sich auch für den Eintritt Tschechiens in die Eurozone aus. Zudem will er die Debattenkultur in der tschechischen Politik verbessern. Momentan sieht es so aus, als ob Drahoš gemeinsam mit Zeman in die Stichwahl um das Amt des Präsident einzöge. Mit 16 % Zustimmung ist er nach Zeman der zweitbeliebteste Präsidentschaftskandidat.

Michal Horáček

Mit 8.5 % vereint auch der tschechische Milliardär Michal Horáček einen relativen großen Anteil der tschechischen Wähler hinter sich. Er ist die vielleicht schillerndste Persönlichkeit unter den Präsidentschaftskandidaten: Vor der Wende musste er sein Studium der Publizistik aufgeben, nachdem er ein Ausreisedokument für die USA gefälscht hatte, anschließend schlug er sich als Kulturredakteur für eine Wochenzeitung durch. Anfang der 1990er Jahre machte er mit der Aktiengesellschaft Fortuna, die als eine der größten Glücksspielgesellschaften Tschechiens u.a. Sportwetten anbietet, ein Vermögen. Auch Horáček wäre ein relativ proeuropäischer Präsident: Er befürwortet die Einführung des Euro und spricht sich für die Sanktionen gegen Russland aus.

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