Fotostory: Die Rechte floppt in Karlsruhe

, von  Jochen Sand

Fotostory: Die Rechte floppt in Karlsruhe

Der Aufmarsch der Partei Die Rechte provoziert in Karlsruhe massive Gegenwehr aus vitalem Bürgerprotest über alle Generationen und Parteigrenzen hinweg.

Für Eilige: Die Fotos gibts unter dem Text.

Turnusgemäß demonstriert am 03. Juni die Partei „Die Rechte“. In diesem Jahr in der deutschen Hauptstadt des Rechts, in Karlsruhe. Die 2012 gegründete und unter Beobachtung des Verfassungsschutzes stehende rechtsextreme Kleinpartei plant hier, unter dem Vorsitz von Christian Worch, ihren mittlerweile neunten „Tag der deutschen Zukunft“ abzuhalten.

Es sollten hier im deutschen Süden alle Zutaten für einen heißen Samstag zusammenkommen. 900 Sympathisanten der Rechten wurden erwartet. Die Linke, der DGB, die Arbeiterwohlfahrt und lokale Gruppen haben zu Gegenveranstaltungen unter dem Motto „Bunt statt Braun“ aufgerufen. Die Sicherheitsbehörden ziehen 3.000 Beamte aus dem ganzen Bundesgebiet zusammen. Ladenbesitzer vernageln Tage vor dem Event ihre Schaufenster aus Angst vor Randale.

Es stellt sich heraus, dass das Wetter das einzige Heiße an diesem Tag ist: 30 Grad und Sonne, fast ohne Unterbrechung. Am Bahnhof Karlsruhe-Durlach, wo die Demonstration der Rechten startet und nach einem „Marsch“ entlang des Durlacher Altstadtkerns wieder zurückkehren sollte, ist Party. Auf dem Vorplatz des Bahnhofes, der an anderen Tagen Parkplatz und Busbahnhof ist, bauen die Bunten eine Bühne für Redner und Musiker auf. Tausende Karlsruher aller Generationen kommen hier mit witzigen und vielen selbst gestalteten Transparenten zusammen. Gemeinsam feiern sie gegen Hass und Rassismus.

Weiter hinten macht die Straße einen Bogen nach……rechts. Hier ist die Stimmung finsterer. Die rund 300 Demonstranten wollen seit zwei Stunden losmarschieren. Experten der Sicherheits- und Versammlungsbehörden sind aber noch mit der Überprüfung von Rednern der Demo beschäftigt und haben Auflagen, die ohnehin bestanden, noch verschärft. Das verzögert den Start des Demonstrationszuges und frustriert die Teilnehmer.

Beamten, die den Zug begleiten, und die Deeskalationteams der Polizei arbeiten sehr ruhig und wirken so, als ob sie jederzeit Herr der Lage sind. An den Rändern des Aufmarsches, dort wo abgesperrte Seitenstraßen zu der Route der Rechten führen, gibt es kleinere Scharmützel, wenn Autonome die Absperrungen durchbrechen wollen. Die entschiedene Präsenz von Polizisten in Montur, ihre unmissverständlichen Ansagen via Megafon und vorfahrende Wasserwerfer können das aber früh verhindern.

Der wohl größte - und lauteste - Aufreger passiert auf dem Hengstplatz. Hier soll eine Zwischenkundgebung der Rechten stattfinden. Doch kaum hatten die ihren LKW dafür abgestellt und die Mikros platziert, zerreißen ohrenbetäubende Technobeats den Ort. An einen Vortrag oder das gemeinschaftliche Singen von Volksliedern ist jetzt nicht mehr zu denken. Der Lärm kann zunächst nicht lokalisiert werden und dauert etwa 20 Minuten an, bevor Beamte dessen Urheber von den grundgesetzlichen Rechten der Rechten auf Demontrationsfreiheit überzeugen und die Musik abstellen können.

Inzwischen ist es halb fünf und in ein paar Minuten kommt der Zug. Auf dem Rückweg zum Bahnhof schmettern die Rechten noch Schlachtrufe, bekommen von Anwohnern Buhrufe und „Nazi go home“ zu hören und treten unter Polizeischutz die Heimreise an. Und so geht der Klassenausflug der Rechten zu Ende wie er begonnen hat: Geordnet, unspektakulär. Hier und da liegen leere Wasserflaschen herum, der Vorplatz auf dem vier Stunden zuvor noch getanzt, gesungen und gelacht worden war, ist jetzt menschenleer.

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