Fotostory: Organe der Europäischen Union

, von  Jochen Sand

Fotostory: Organe der Europäischen Union
Jochen Sand ist Fotograf und hat während eines Roadtrips die Europäischen Institutionen abfotografiert. © Jochen Sand Sand Works

Jochen Sand ist Fotograf in Karlsruhe. Um die Kraft zu erkunden, die im Versprechen von Europa liegt, hat er sich auf den Weg gemacht und die Institutionen der Europäischen Union von Brüssel über Frankfurt, Luxemburg bis Straßburg, fotografiert.

Im vergangenen Jahr habe ich mich mit Martin Schulz in Verbindung gesetzt, der zum damaligen Zeitpunkt noch Vorsitzender des Europäischen Parlamentes gewesen war. Mein Anliegen, ihn für ein Europa-Projekt als Fürsprecher zu gewinnen, war nicht leicht zu platzieren zwischen nachrichtlichen Großereignissen des Jahres 2016, wie Brüssel, Böhmermann, Panama, Nizza…

Dann auch das noch: Die Briten wählen den Brexit! Eine ultimative Zäsur.


Der Europäische Gerichtshof in Luxemburg

Ich hatte Schulz geschrieben, um meinen proeuropäischen Tatendrang zu kanalisieren und im Rahmen meiner Möglichkeiten als Fotograf einen Beitrag im Hinblick auf ein positives Erleben der Europäischen Union zu leisten.


Der Europäische Gerichtshof in Luxemburg

Mein Eindruck von Schulz ist der eines aufrichtigen, warmherzigen und engagierten Politikers, der seine humanistischen Überzeugungen in seine Arbeit einbringt und oft mit gegenläufigen Interessen anderer Politiker ringt. Das ist in einem Betrieb, in dem viele Menschen mit unterschiedlichen Mandaten und Überzeugungen zusammenkommen und Kompromisse verhandeln sollen, nichts Außergewöhnliches.


Der Europäische Gerichtshof in Luxemburg

Außergewöhnlich ist vielmehr, dass sich Schulz sichtbar unwohl zu fühlen scheint, wenn er auf Selbstverständlichkeiten wie Toleranz, Meinungsfreiheit oder gegenseitigen Respekt immer wieder hinweisen muss. Über universelle Grundrechte sollte im 21. Jahrhundert nicht mehr verhandelt werden müssen. Und doch: In der jüngeren Vergangenheit wird auch in Europa vermehrt sichtbar, dass Menschenrechte für viele Bürger und manche Regierung nicht von selbst verständlich sind. Damit kommt Herr Schulz nicht klar und er wird dann ungemütlich. Das gefällt mir gut.


Europäisches Parlament in Straßburg

Mein Plan war ein Roadtrip durch Europa. Ich dachte daran, Menschen, Landschaften, die ganze großartige Vielfalt und Vitalität des Kontinentes zu dokumentieren und Zuversicht zu streuen. Ich halte es für wichtig, die Bürger in Europa daran zu erinnern, dass sie Teil eines wohlwollenden Ganzen sind. Bei vielen Menschen löst der Gedanke an den Zusammenschluss der europäischen Staaten Hoffnung aus. Nicht wenige aber scheint er zu bedrohen. Europa braucht mehr denn je integrative Projekte für die Selbstvergewisserung seiner Bürger als Europäer!


Europäisches Parlament in Straßburg

Meine These ist, dass gerade ein Mangel an Selbstbewusstsein bei vielen Europäern dazu führt, den positiven, umarmenden Charakter der Idee der Union zu verkennen und: mangelhafte Kommunikation! Warum sonst führt der Gedanke an ein fürsorgliches Miteinander in einem geschützten Lebensraum selbst in diesen erschöpfenden Zeiten dazu, Menschen zu überfordern. Es ist schwer nachzuvollziehen, warum Europäer die Idee eines bunten und geeinten Europas nicht lustvoll annehmen. Definiert doch die Europäische Idee ein einzigartiges Gefühl von Heimat und gibt einen positiven Ausblick in eine friedvolle Zukunft von Europa.


Europäisches Parlament in Straßburg

Ein geeinter europäischer Kontinent sendet auch an außereuropäische Regierungen starke Signale, die sich zuletzt nicht selten in Szenarien der Destabilisierung eines kompakten europäischen Entwurfes versucht haben.


Europäisches Parlament in Straßburg

In einem ersten Schritt meines Projektes bin ich einige Tage lang von Straßburg über Frankfurt, Brüssel bis nach Luxemburg gefahren und habe die Institutionen der Europäischen Union fotografiert.


Europäisches Parlament in Brüssel

Im weiteren Sinne habe ich Architektur fotografiert. Allerdings überragen die Prozesse, die hinter der Hülle der Gebäude ablaufen die Größe der Häuser. In ihnen sollen Expertengremien, Staatschefs und Ministerräte zusammenkommen, um miteinander zu reden. Hier sollen europäische Anliegen analysiert und Lösungen für Aufgaben gefunden werden, die zum Wohle aller Mitglieder der Europäischen Union die Interessen ihrer einzelner Regionen ausgleichen.


Europäische Zentralbank in Frankfurt

Selbstverständlich verlaufen solche Prozesse nicht ausschließlich reibungslos. Auch der Anpassungsprozess ist Teil der Vorgänge in den Foren in Brüssel und Straßburg. Der kann mitunter turbulent verlaufen. Wenn sich Regionalinteressen auf europäischer Bühne massiv Gehör verschaffen und so in einen breiten Fokus geraten, wird ein großer Raum aufgemacht für all die Unterschiedlichkeit der europäischen Gesellschaften. Solange sie gewährleisten, Eigentümlichkeiten und Charme aller Partnerregionen in friedlicher Koexistenz zu respektieren, haben alle Platz. Mitunter besteht Erklärbedarf. Und Verstehbedarf. Darum wird in Brüssel zusammengekommen und geredet, erklärt und verstanden.


Sitz der Europäischen Kommission

Die Geschichte der Menschheit hat gezeigt, dass das Zusammenwachsen von Völkern nicht selbstverständlich harmonisch verläuft. Es ist dann eine Frage von Begabung und Gespür der EuroPhysiker, die Idee aus den Brüsseler Laboren in die Gesellschaften gehen zu lassen. Hier ist der Platz, wo wahr werden muss, dass die Statik des Konzeptes halten wird. Hier müssen Wichtigkeit, Qualität und Nutzen der Verbindung der Völker Wirklichkeit werden, das Theoretische seinen praktischen Nutzen beweisen. Hier muss die Idee ihre ganze Kraft entfalten.


Sitz der Europäischen Kommission

Die Überzeugungskraft der Idee ist da. Noch fehlt die Überzeugungskraft der Politik oder: starke Kommunikation! Der Weg in die Herzen der Menschen geht aber nicht nur über Infotage, sondern über Vertrauen. Das muss man bilden können.


Rat der Europäischen Union

Die Vermutung liegt nah, dass die Verbindung der Völker weit unterhalb ihrer Möglichkeiten bleibt, wenn sie nicht über den Status einer Währungsunion hinauswächst. Der über die Jahrhunderte gewachsene kulturpolitische Genpool Europas hält alle notwendigen Anlagen bereit, um zu einer Wirtschafts-, Sozial-, ja, Gerechtigkeitsunion zusammenzuwachsen.


Rat der Europäischen Union

Vielleicht bildet der Hinweis auf soziale Gerechtigkeit mehr Vertrauen als das Reden über Münzgeld.

© European Court of Justice in Luxembourg / Adagp, Dominique Perrault Architecture | © European Parliament, Architecture-Studio Europe | © European Central Bank in Frankfurt: Coop Himmelb(l)au, Vienna | © European Council and Council of the European Union: Philippe Samyn and Partners Architects & Engineers | Architectural Credits:© European Commission, designed by Lucien De Vestel © European Court of Auditors: 1st and 2nd extensions (2003 and 2012)

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