Interrail Diary: Unterwegs in Europa

, von  Annija Barbale, Hanne Hastedt, Marie Menke

Interrail Diary: Unterwegs in Europa

Ein Interrail-Ticket zum 18. Geburtstag klingt wie ein 6er im Lotto? 15000 jungen Menschen aus ganz Europa hat die Europäische Union in diesem Sommer ein Reiseticket geschenkt: Hier berichten unsere Blogger*innen von ihren Erlebnissen.

Europa ist vielfältig: von der Küste Portugals über die Dolomiten Italiens bis zum Schwarzen Meer und von Madrid und Paris über Amsterdam und Warschau bis nach Bukarest und Riga. Diese Vielfalt kennenzulernen, ist ein Geschenk, das die Europäische Union in diesem Sommer 15 000 jungen Menschen gemacht hat: Mit einem Interrailticket durften sie ihre selbst gewählten Routen bereisen. Wir haben uns auf der Suche nach Blogger*innen gemacht, die aktuell unterwegs sind, bald aufbrechen oder gerade zurückgekehrt sind: In diesem Beitrag erzählen sie in den nächsten Wochen davon, wie es sich anfühlt, quer durch Europa zu reisen.

Du bist auch gerade unterwegs? Schreib eine E-Mail an Marie, um als Blogger*in für uns zu schreiben. Mehr Infos zum Projekt #DiscoverEU findest du außerdem auf der zugehörigen Webseite.

Hanne am 11.10.2018: „Heute hier, morgen da: Auf einer Interrailreise fühlt man sich frei!“

Mit diesem Interrailpass ist Hanne quer durch Europa gereist.

Ohne konkrete Urlaubspläne zu haben, nahm ich mir drei Wochen Urlaub für den Sommer. Lust auf eine Reise hatte ich, aber als FSJlerin kann man keine (größeren) Reisen alleine finanzieren. Als ich dann las, dass die EU erstmals Interrailtickets für 18-jährige verlost, versuchte ich mein Glück. Man braucht schon einen guten Grund, um so eine Chance nicht zu nutzen, dachte ich mir.

Ein bisschen Geld hatte ich angespart, davon könnte ich die Übernachtungen bezahlen. So war mein grober Plan. Aber ehrlich gesagt habe ich nicht damit gerechnet zu gewinnen. Umso größer war die Freude als ich erfuhr gewonnen zu haben. Also machte ich mich an die Reiseplanung, ich startete von Berlin aus und fuhr nach Prag, Bratislava, Budapest und Wien. Eine schöne „Rundreise“, die ich nur empfehlen kann. Genau wie das Interraillen überhaupt.

Man kommt mit so einem Ticket eigentlich überall hin. Egal ob man wie ich eine Städtetour machen möchte oder lieber in die Natur bzw. kleinere Orte möchte, egal ob man eine Woche oder vier Wochen unterwegs sein möchte, alles ist möglich und eines ist man immer: flexibel. Außerdem kann man bei den Zugfahrten viel von einem Land sehen und man kommt gut mit Leuten ins Gespräch, vor allem mit Einheimischen. Sie können einem dann vielleicht auch noch den einen oder anderen Insidertipp geben.

Bei einer Interrailreise ist man so frei wie man sein möchte, heute hier, morgen dort, oder mehrere Tage am gleichen Ort. Hat man nicht gerade schon eine Unterkunft gebucht, kann man fahren wann und wohin man möchte und ist dadurch sehr flexibel. Diese Flexibilität hat mir in meinem Urlaub das Gefühl von Freiheit gegeben und ich konnte dem durchgetakteten Alltag gut entkommen. Noch dazu gibt es wahrlich klimaschädlichere Möglichkeiten zu reisen und man sieht viel von Europa. Meine erste Interrailreise war also auf jeden Fall nicht meine letzte.

Annija am 25.09.2018: „Die vielen kleinen Entscheidungen machten die Vorbereitungen spannend!“

Annija ist in diesem Sommer von Riga aus über Warschau nach Paris gereist: In ihrem ersten Blogpost erzählt sie von den Vorbereitungen darauf.

Ich hatte das Glück, zu den 15 000 jungen Menschen aus ganz Europa zu zählen, die ein Interrailticket bekamen - und damit die Chance, bis zu ungefähr 30 Länder zu bereisen. Als ich mich beworben habe, war ich mir sicher, dass ich diese Reise aber nicht alleine machen wollte, deshalb habe ich mich gemeinsam mit meiner Freundin Agate beworben. Im Juli erhielten wir unsere Tickets, beschlossen ein Datum für die Abreise und begannen die Vorbereitungen. Am Anfangen waren wir verwirrt: Wo würden wir übernachten? Wie viel Geld würden wir ausgeben? Mussten wir die Züge reservieren? Nach und nach hatten wir aber alle Informationen zusammen. Eines haben wir dabei gelernt: Umso weniger Sorgen wir uns machen, desto besser wird es.

Wir gehen beide noch zur Schule und es war für beide von uns das erste Mal, dass wir alleine verreist sind - deshalb waren wir total aufgeregt. Die ganzen kleinen Entscheidungen, die wir treffen mussten, machten alles noch spannender: Wie groß sollten unsere Rucksäcke sein? Welche Kleidung sollten wir einpacken? Wohin wollten wir überhaupt reisen?

Begonnen haben wir unsere Reise in Riga, aber weil es dort keine internationalen Zuglinien gibt, sind wir zuerst mit dem Bus nach Warschau gefahren, um in den Zug zu steigen. Danach ging es nach Paris! Unsere erste Unterkunft hatten wir uns auf der Plattform „Couchsurfing“ gesucht. Die junge Frau, die uns für eine Nacht aufnehmen wollte, war sehr hilfreich: Sie hat uns auch Tickets für die Metro gegeben, sodass wir sie nicht einmal selbst kaufen mussten. Wir hatten nur einen Tag, um uns Paris anzuschauen, und wollten natürlich so viel wie nur möglich sehen: Daher sind wir gefühlt durch ganz Paris gelaufen!

Hanne am 14.09.2018: „Das Beste daran, alleine zu reisen, sind die neuen Bekanntschaften.“

Dieses Foto hat Hanne in Bratislava aufgenommen. In ihrem ersten Blogpost erzählt sie, warum es für sie die perfekte Wahl war, alleine zu reisen.

Für viele klingt alleine reisen unattraktiv, einsam. Es fehlt jemand, mit dem man die Erlebnisse teilen kann. Ich gehöre nicht zu den Menschen, die so empfinden. Eine Reise alleine erlebt man viel intensiver, ich zumindest. Und man kann seine Erlebnisse vielleicht nicht mit seinen Freunden oder seiner Familie teilen, aber man lernt neue Menschen kennen. Dafür gibt es so viele Möglichkeiten, sei es im Hostel, bei einem Stadtrundgang oder zufällig irgendwo anders. Genießt man seinen Urlaub mit offenen Augen und Ohren, lernt man schnell neue Menschen kennen, so habe ich es erlebt. Obwohl ich niemand bin, der schnell neue Kontakte knüpft.

Manche dieser Bekanntschaften bleiben flüchtig, aus anderen entwickeln sich Freundschaften. Aber eines ist sicher: Man lernt unglaublich viel über andere Kulturen und Regionen dieser Welt. Ich habe mit Menschen aus aller Welt darüber diskutieren können, was sie beschäftigt, was ihnen wichtig ist, wie die politische Lage in ihrem Land aussieht, über kulturelle Unterschiede und ganz viel mehr. All diese Gespräche haben meinen Horizont erweitert und mir neue Blickwinkel ermöglicht.

Was in anderen Ländern passiert, hören wir in Deutschland vorwiegend über deutsche Medien. Die Berichterstattung über etwas ist maßgeblich dafür, wie wir etwas wahrnehmen. Da auch mal einen anderen Blick zu bekommen, halte ich für sehr wichtig. Für mich bedeuten diese neuen Bekanntschaften auf Reisen immer auch die Erweiterung des eigenen Horizonts und ich denke, danach sollten wir alle streben. Außerdem hat man meist eine Menge Spaß zusammen und die Erinnerung daran verbindet einen ein Leben lang.

Reist man in Gruppen, ist man in der Regel nicht so offen dafür, neue Kontakte zu knüpfen. So empfinde ich es, wenn ich in Gruppen unterwegs bin oder auch wenn ich auf Reisen Gruppen treffe. Ich kann daher nur jeden dazu ermutigen, auch mal alleine zu reisen.

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