Norddänemark wappnet sich für den Kampf gegen Fake News

, von  Juuso Järviniemi, übersetzt von Luisa Kersch, Věra Dvořáková

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Norddänemark wappnet sich für den Kampf gegen Fake News
Fotoquelle: Věra Dvořáková

Wie beeinflussen Fake News die Politik auf der ganzen Welt? Wie gefährlich sind sie für die Europäische Union? Welche Entwicklungen wird es in Zukunft geben? Und vor allem – wie können wir uns gegen Desinformation wehren? Diese und viele weitere Fragen wurden im Rahmen der Veranstaltung „The Danger of Fake News: How to Fight Back“ gestellt, die von der European Youth North Denmark (JEF North Denmark) in Aalborg organisiert wurde.

Die Veranstaltung begann mit einem Vortrag über DisinfoLab, eine NGO, die sich mit der Analyse und Prävention der Verbreitung von Fake News beschäftigt. Anschließend sollte das Publikum in einem kurzen Kahoot!-Quiz erraten, welche der präsentierten Schlagzeilen gefälscht sind und welche der Wahrheit entsprechen. Es folgten zwei Diskussionen – eine informelle moderierte Diskussion im Publikum und eine Podiumsdiskussion mit drei erfahrenen Referenten:

Juuso Järviniemi – Chefredakteur von The New Federalist und Präsident der Young European Movement UK (JEF-UK)

Ben Dorfman – außerordentlicher Professor für Geistes- und Kulturgeschichte und Leiter der Studiengänge im Bereich "Sprache und Internationale Studien“ an der Universität Aalborg

Lasse Frimand Jensen – Projektleiter im International House North Denmark und Mitglied des Stadtrates von Aalborg

Fake News: Auslöser und Heilmittel

In der Diskussion wies Juuso darauf hin, dass die Europäische Union ein politisches System ist, das ständig um seine Existenz kämpft. Dieser Umstand lässt Fake News für die EU besonders gefährlich werden. In einem etablierten Nationalstaat könnten Fake News zum Absetzen der derzeitigen Regierung führen, aber wenn ungerechtfertigte Kritik an der Europäischen Kommission geübt wird, wird nicht nur das Kabinett von Jean-Claude Juncker kritisiert, sondern die gesamte Institution. Gleichzeitig steht der EU der stärkste Abwehrmechanismus gegen Fake News gar nicht zur Verfügung. Die EU verfügt nämlich nicht über eine unparteiische, weitgehend vertrauenswürdige öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt. Sie kann sich lediglich darauf stützen, dass die Medien auf nationaler Ebene eine genaue und ausreichend umfassende Berichterstattung bieten. Denn im Grunde genommen greifen gefälschte Nachrichten in die bestehende öffentliche Wahrnehmung ein – und wenn eine erfundene Geschichte nicht mit der Weltanschauung der Leserin oder des Lesers übereinstimmt, ist es besonders unwahrscheinlich, dass sie Wirkung zeigt. Aber weil viele Bürgerinnen und Bürger kein genaues Bild von der EU haben, können Fake News eine tabula rasa in ihren Köpfen füllen.

Lasse Frimand Jensen sprach über die Wichtigkeit, Fehler eingestehen zu können. Fake News gedeihen in einem Umfeld, in dem Politikerinnen und Politikern nicht vertraut wird. In diesem Zusammenhang ist das endlose Finden von Ausreden ein wichtiger Faktor, der zur Erosion des Vertrauens in die politische Öffentlichkeit führen kann. Es stellt sich die Frage, ob sympathischere und „menschlichere“ Politikerinnen und Politiker vielleicht eher immun gegen gefälschte Nachrichten sind.

Ben Dorfman sprach über die turbulenten Zeiten, in denen wir leben. Möglicherweise würden trotz des technologischen Wandels und der beispiellosen Schnelligkeit der Kommunikation Fake News keine Chance haben, wenn es nicht soziale Missstände in den Gesellschaften von Polen bis zu den Philippinen gäbe. Dass die skandinavischen Länder weniger mit Fake News zu kämpfen haben als einige andere Orte, ist vielleicht der sozialen Gleichheit und dem dortigen relativ hohen Lebensstandard zu verdanken.

Zeit zu handeln

Das Hauptziel der Veranstaltung in Aalborg war die Einrichtung einer ständigen Freiwilligeneinheit, der sogenannten „Anti-Troll Unit“, die Fake News und andere Desinformationen in ihren jeweiligen Ländern oder Sprachen identifiziert, Berichte schreibt und diese dann an die EU East Stratcom Task Force übergibt, die sie in ihrer wöchentlichen Desinformationsübersicht veröffentlicht. Auf diese Weise will die European Youth North Denmark, deren Mitglieder mehrheitlich aus Osteuropa stammen, ihren Beitrag zur Bekämpfung von Desinformation in Europa leisten. Freiwillige aus ganz Europa sind jedoch ebenfalls herzlich eingeladen, sich anzumelden. Jedes Mitglied erhält einen Anti-Troll-Unit-Patch! Last but not least hatten wir eine kleine Überraschung: Drei Mitglieder der Redaktion des New Federalist trafen sich am selben Ort, sodass wir ein kleines TNF-Treffen hatten.

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