Sommernächte in Venedig

Festa del Redentore

, von  Iris Pase

Sommernächte in Venedig
Basilica della Salute in Venedig © Iris Pase

Iris führt uns durch ihr geliebtes Venedig und gibt uns einen Einblick in eines der bekanntesten Feste der Stadt. Genieße die virtuelle Tour zwischen Gondolieres, Schiffen und knallendem Feuerwerk.

Eine Sache, wegen der ich wirklich stolz bin, Europäerin zu sein, ist, dass die Vergangenheit im heutigen Leben noch immer spürbar ist. Egal welches europäische Land du besuchst, du wirst merken, dass du in die Fußstapfen unserer Vorfahren trittst, dass unsere nationalen Identitäten durch die Jahrhunderte alte Geschichte geformt wurden, genau wie unsere Kultur. In Italien spiegelt sich dies perfekt in der fortwährenden Präsenz alter Traditionen in den heutigen Feiertagen wider, wie bei der Festa del Redentore, deren Name sich mit Feier des heiligsten Erlösers übersetzen lässt. Jedes Jahr am dritten Sonntag im Juli wird die Festa del Redentore gefeiert, und wird sowohl von Touristen als auch von Venezianern als eine der wichtigsten großen Veranstaltungen der Stadt jedes Mal mit Spannung erwartet. Bevor wir uns die Details der diesjährigen Feierlichkeiten ansehen, erkunden wir zunächst einmal den dunklen und grausamen Ursprung des ansonsten fröhlichen und lebhaften Feiertags. Im Jahr 1575 wurde Venedig von dem schlimmsten aller Phantome heimgesucht: der Pest, dem grausamen Unheil, welches die venezianische Bevölkerung um ein Drittel reduzierte und 50,000 das Leben kostete, auch den großartigen Maler Titian. Als diese tödliche Seuche zwei Jahre später schließlich endete, überwältigten Freude und Erleichterung die Einwohner und der Doge versprach den Bau einer wundervollen Kirche, um Gott zu danken, dass er ihre Gebete erhört und Venedig von der Pest befreit hatte. Diese wurde von Andrea Palladio auf der Insel Giudecca errichtet, direkt gegenüber der Punta della Dogana und heute bekannt als Redentorekirche. Weil im Jahre 1577 erst der Grundstein gelegt war, wurde zwischenzeitlich eine kleine Holzkirche errichtet, sowie eine Brücke aus Schiffchen, über die der Doge eine Prozession abhielt. In diesem Jahr entstand die Tradition seiner Pilgerung von der Zattere zur Redentorekirche, schreitend über eine Brücke aus Booten.

Redentorekirche © Iris Pase

Warum sind diese historischen Einzelheiten so wichtig? Ganz einfach, die heutigen Feierlichkeiten sind den damaligen sehr ähnlich, und den Grund für das Fest zu kennen ermöglicht es uns, unseren Horizont und unser Wissen zu dem Thema zu erweitern.

Dieses Jahr wird die Festa del Redentore in der Nacht vom 15. auf den 16. Juli stattfinden. Zuerst werden Schiffe mit Blumen und Ballons geschmückt, dann wird die Redentorekirche durch eine Brücke aus Booten mit dem Rest von Venedig verbunden, welche dann durch den Patriarch von Venedig gesegnet werden. So werden die historischen Ereignisse nachgestellt. Am Abend wird das Bacino di San Marco von den dekorierten Boten eingenommen, auf denen die Leute einen Aperitif, Abendessen und ein paar Drinks zu sich nehmen und Spaß haben, während sie auf das Feuerwerk warten. Normalerweise beginnt es um halb 12, und Zuschauer können eine unvergessliche Erfahrung erleben. Stell dir hunderte Formen und Farben vor, zu bewundern vor dem außergewöhnlichen Hintergrund des Markusplatzes, der Salute und der Insel San Giorgio Maggiore, um nur einige zu nennen. Das Feuerwerk dauert meistens bis zu einer Stunde, danach kannst zum Lido fahren, um am Strand auf den Sonnenaufgang zu warten.

Am nächsten Tag finden religiöse Zeremonien statt (schließlich ist es ein religiöses Fest!) und drei Regatten, ein Wettkampf historischer Boote, der die Feierlichkeiten abschließt.

Noch ein Rat zum Schluss: Wenn du nicht zwischen Touristen-Mengen eingequetscht sei möchtest, halte dich vom Markusplatz fern. Ich würde zum Lido, zur Insel Sant’Elena oder zur Punta della Dogana auf der anderen Seite von Magazzini del Sale fahren. Viel Glück und hab Spaß!

Dieser Text ist zuerst auf Meeting Halfway erschienen. Meeting Halfway ist ein mehrsprachiges europäisches Magazin mit Schwerpunkt Kultur und Gesellschaft.

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