Freiheit, das ewige Utopia - commentaires Freiheit, das ewige Utopia 2012-03-24T13:07:34Z https://www.taurillon.org/Freiheit-das-ewige-Utopia,04858#comment12616 2012-03-24T13:07:34Z <p>Hallo Christoph, danke für deine Antwort. Wenn du Freiheit losgelöst von der praktischen Möglichkeit ihrer Anwendung verstehen möchtest, kannst du sie in meinen Augen nicht sinnvoll als teilbar definieren, denn theoretisch kann jeder Mensch alles tun, unabhängig davon ob und welche anderen Menschen oder staatlichen Institutionen dem in der Praxis entgegenstehen. Wenn du schreibst, dass die Verteilung der Freiheit sich mit den politischen Systemen unterscheidet, kann sich dies nur auf die Praxis beziehen. Gerade dein Problem mit der Reisefreiheit so wie du es stellst, taucht ja nur deshalb auf, weil in der Praxis nicht genug kostengünstige Reisemöglichkeiten für alle zur Verfügung stehen. Die theoretische Reisefreiheit steht aber ungeteilt allen zur Verfügung. Wenn du aber auf der Ebene der Praxis argumentierst, musst du wiederum zugestehen, dass das Nutzen der Reisefreiheit durch die anderen Menschen nicht nur eingeschränkt wird (etwa weil sie auch knappes Benzin verbrauchen), sondern auch ausgedehnt wird, etwa weil nur viele Menschen gemeinsam eine Verkehrsinfrastruktur bereitstellen können.</p> Freiheit, das ewige Utopia 2012-03-23T21:50:17Z https://www.taurillon.org/Freiheit-das-ewige-Utopia,04858#comment12613 2012-03-23T21:50:17Z <p>Lieber Matthias, lieber Julian, lieber Daniel,</p> <p>vielen Dank für eure Kommentare und entschuldigt bitte, dass ich mit meiner Antwort so lange auf mich habe warten lassen. Ich behaupte weder, dass mein Modell die einzige Weise ist, Freiheit zu beschreiben, noch, dass dieses Modell in jeder Situation passend ist – ich denke kein Begriff der Freiheit kann dies leisten, es handelt sich mithin also um ein Modell der Freiheit, das ich gerade in Hinblick auf das vorliegende Beispiel, nach wie vor für gar nicht so unpassend halte. Ich will eure Kommentare der Reihe nach beantworten und hoffe auf eine anregende Diskussion, die das ausgesprochene Ziel dieses bewusst kontroversen Artikels war. Daniel, du schreibst, dass der einzelne Mensch viele „Freiheiten“ die wir heute genießen (etwa Theater oder die Eisenbahn), gar nicht in Anspruch nehmen kann. Das hat mit seiner Freiheit aber gar nichts zu tun, denn er hätte sehr wohl die Freiheit diese zu nutzen, es fehlt ihm im Eigentlichen an der Möglichkeit. Also handelt es sich hier überhaupt nicht um eine Frage der Freiheit. Die Menschen schaffen auch keine Freiheiten, sondern technologische Voraussetzungen, Möglichkeiten, deren Inanspruchnahme eine freie Entscheidung sein kann. Richtig ist jedoch, dass nicht alle Freiheiten an begrenzte Ressourcen gebunden sind, es also nicht immer so ist, dass sich Freiheiten entgegengesetzt sein müssen – das bestreite ich nicht – im beschriebenen Fall verhält es sich aber so. Auch wenn ich es in meinem Modell – durchaus auch dem begrenzten Rahmen geschuldet – nicht explizit erwähne, so wird eigentlich schon deutlich, dass dieses Konzept vor allem Entscheidungs- und Nutzungsfreiheiten skizziert und also auf den Fall der Reisefreiheit zugeschnitten ist. Julian, du argumentierst, wenn ich dich richtig verstanden habe, dass es natürliche Grenzen der Bewegungsfreiheit gibt, von welchen man nicht behaupten könne, sie schränken die Bewegungsfreiheit des Einzelnen ein und führst aus, dass die Besitzverhältnisse in eine ganz ähnliche Kategorie fallen. Das erstaunt mich, da ich ehrlich gesagt die Besitzverhältnisse für ein weit weniger natürliches Phänomen halte, als die Alpen. Während die Alpen ein materieller Fakt sind, sind Besitzverhältnisse sozialen Prozessen geschuldet und es lässt sich hier keine Analogie ziehen. Schlüssiger ist eine andere Analogie, welche ich bereits im Artikel gezogen habe, nämlich die zum Rechtsstaat. Der Rechtsstaat ist kein universeller Rechtsstaat im eigentlichen Sinne, wenn er an ökonomische Voraussetzungen oder Hürden geknüpft ist und ebenso ist die europäische Reisefreiheit keine europäische Reisefreiheit, wenn Bürger aus ökonomischen Gründen an ihrer Ausübung gehindert werden. Zugegeben, das Beispiel des Rechtsstaats ist nicht Deckungsgleich und das deswegen, weil eine ökonomische Hürde hier einen Ausschluss vom Rechtsstaat zur Folge hat, während bei der europäischen Reisefreiheit eine sehr begrenzte Ausübung in den allermeisten Fällen durchaus möglich sein sollte – aber eine Analogie erkenne ich hier schon. Rousseau kann ich an dieser Stelle nur zum Teil zustimmen. Er hat recht, Freiheit ist, nicht tun müssen, was man nicht tun will. Es gibt aber keinen Grund anzunehmen, zumindest ist mir keiner bekannt, weshalb die Freiheit zu handeln keine Freiheit darstellen sollte. Der Freiheit eine rein passive Natur zuzuschreiben, scheint mir nicht zutreffend. Kant schreibt, dass das Recht die Willkür des einen mit der Willkür des anderen nach einem allgemeinen Gesetz der Freiheit miteinander vereinigt. Der Begriff Willkür ist in meinen Augen aber eine Spitzfindigkeit, welche eine moralische Grenze zwischen der Freiheit zu tun und zu lassen, was man will und einer rechtlich geregelten Handlungsfreiheit zieht, die allerdings rein normativer Natur ist und im Eigentlichen den Unterschied zwischen maximaler Handlungsfreiheit, bei gleichzeitiger maximaler Unsicherheit und eingeschränkter Handlungsfreiheit, bei hoher Sicherheit meint. Auch Kant nimmt also an, dass Handlungsfreiheiten einander entgegengesetzt sind. Matthias, du schreibst, dass der eine je freier ist, desto freier der andere ist. Das trifft in meinen Augen nicht zu. Freiheit heißt eben auch, frei sein zu handeln. Der Rechtsstaat und seine Sanktionsmechanismen schränken diese Freiheit zum Ziele einer Besitz- und Handlungssicherheit ein. Auch weise ich an dieser Stelle auf das Prinzip von Gewaltenteilung und Gewaltenverschränkung hin, dessen ganz fundamentaler Sinn es ist, die Entscheidungsfreiheiten der diversen Gewalten und ihrer Träger zu beschränken und einander entgegen zu setzen.</p> <p>Grüße, Chris</p> Freiheit, das ewige Utopia 2012-03-22T11:03:05Z https://www.taurillon.org/Freiheit-das-ewige-Utopia,04858#comment12606 2012-03-22T11:03:05Z <p>Hallo Christoph, dein Freiheitsverständnis halte ich für viel zu kurz gegriffen. Wenn es nur eine bestimmte absolute « Menge » an Freiheit gäbe, die auf alle Menschen aufgeteilt ist, würde das ja bedeuten, dass die durchschnittliche Freiheit pro Mensch umso geringer ist, desto mehr Menschen es gibt. Daraus folgt auch, dass wenn es nur einen einzigen Menschen auf der Welt gäbe, dieser ein gigantisches Maß an Freiheit hätte. Das halte ich aber für einen Trugschluss, denn viele Freiheiten, die wir genießen, sind überhaupt erst im Zusammenwirken mit anderen denkbar. Dieser eine gigantisch freie Mensch hätte nicht die Freiheit, sich ein Theaterstück anzusehen, die Freiheit mit der Eisenbahn ein anderes Land zu besuchen usw. usf., denn alle diese Möglichkeiten bestehen nur, weil es so viele andere Menschen gibt, die gemeinsam Freiheiten für viele Menschen schaffen. Längst nicht alle Freiheiten sind direkt an begrenzte Ressourcen geknüpft. Wenn ein Mensch eine gute Idee hat, nimmt er damit keinem anderen Menschen eine Idee weg.</p> Freiheit, das ewige Utopia 2012-03-21T22:03:22Z https://www.taurillon.org/Freiheit-das-ewige-Utopia,04858#comment12605 2012-03-21T22:03:22Z <p>Christoph, ich glaube, du hast ein fundamental falsches Verständnis von Freiheit. Denn, so sagt schon Rousseau, « Freiheit liegt nicht darin, dass man tun kann, was man will, sondern darin, dass er nicht tun muss, was er nicht will. » Unter Berufung auf ungleiche Besitzverhältnisse, und das Faktum, dass dadurch die Bewegungsfreiheit in Europa eingeschränkt würde, triffst du nicht die Freiheit. Mit dem gleichen Argumentationsstrang könntest du unter Berufung auf das Primat der Freiheit vor der Geografie die Einebnung der Alpen als Hindernis für die Bewegungsfreiheit fordern. ;)</p> Freiheit, das ewige Utopia 2012-03-17T12:20:12Z https://www.taurillon.org/Freiheit-das-ewige-Utopia,04858#comment12591 2012-03-17T12:20:12Z <p>Freiheit als Nullsummenspiel ? Ich denke : Je freier der eine ist, desto freier ist auch der andere.</p> Freiheit, das ewige Utopia 2012-03-15T01:12:43Z https://www.taurillon.org/Freiheit-das-ewige-Utopia,04858#comment12579 2012-03-15T01:12:43Z <p>Hallo Eva,</p> <p>du hast vollkommen Recht, in Dänemark gibt es Sozialhilfeleistungen, sogar recht hohe, da bin ich schlicht einer Fehlinformation aufgesessen. Der Artikel ist recht kurzfristig entstanden, da hat die Recherche ein wenig darunter gelitten. In Italien gibt es aber keine zentrale Sozialhilfe. In einem Dosier der Deutschen Botschaft in Rom heißt es hierzu : "Die Zuständigkeit für die Festsetzung von Sozialhilfeleistungen liegt grundsätzlich im Kompetenzbereich der Regionen. Es gibt kein national garantiertes Recht auf Fürsorgeleistungen zur Lebensunterhaltssicherung vor dem 65. Lebensjahr. In bestimmten Regionen (z.B. Toskana,Emilia Romagna) wird die Höhe des Sozialgeldes durch die Kommune festgesetzt. Öffentliche Fürsorgeleistungen weisen daher deutliche Unterschiede je nach regionaler und kommunaler Finanzkraft auf." Es ist davon auszugehen, dass die soziale Grundsicherung, welche keineswegs mit einer Sozialhilfe (im Sinne von Hartz IV) vergleichbar ist, insbesondere im Süden deshalb verschwindend gering sein wird. siehe auch : <a href="http://www.zeit.de/2010/39/Sozialhilfe-Frankreich-Grossbritannien-Italien/seite-3" class="spip_url spip_out auto" rel="nofollow external">http://www.zeit.de/2010/39/Sozialhilfe-Frankreich-Grossbritannien-Italien/seite-3</a> <a href="http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/arbeitsmarkt-und-hartz-iv/arbeitsmarktpolitik-nicht-nur-der-lohnabstand-ist-entscheidend-1950872.html" class="spip_url spip_out auto" rel="nofollow external">http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/arbeitsmarkt-und-hartz-iv/arbeitsmarktpolitik-nicht-nur-der-lohnabstand-ist-entscheidend-1950872.html</a></p> <p>Zur Freiheit : Freiheit ist ein absoluter Wert, nämlich immer die Gesamtheit aller Freiheiten und also 1 oder 100% oder wie auch immer man will. Alle Freiheiten sind Bruchteile der einen Freiheit, die zu jeder Zeit in gleichem Maß existiert und sich auf einen bestimmten gesellschaftlichen Rahmen beziehen kann. So ist etwa die Freiheit in Deutschland = 1 und das zu jedem Zeitpunkt. Ebenso ist die Freiheit in Europa, aber auch jedem anderen Land, Kontinent, etc. der Welt = 1. Jeder Träger von Freiheiten besitzt nun einen Bruchteil dieser Freiheit. In einer Demokratie sind diese Bruchteile im Idealfall gleichmäßig verteilt, in Diktaturen ist die Verteilung hingegen enorm ungleichmäßig. Trotzdem ist in einer Diktatur die Freiheit, zumindest in diesem Sinne, in Summe die gleiche wie in einer Demokratie, nämlich 1. Reisefreiheit oder Entscheidungsfreiheit sind hierbei nur zwei Freiheiten von vielen, die am Ende nur Teil der Freiheit an sich sind. Ich hoffe, das hier verwendete Konzept von Freiheit ist durch die Erläuterung etwas klarer geworden.</p> <p>Grüße, Christoph</p> Freiheit, das ewige Utopia 2012-03-14T20:33:46Z https://www.taurillon.org/Freiheit-das-ewige-Utopia,04858#comment12577 2012-03-14T20:33:46Z <p>Ich würde ein bisschen vorsichtiger mit einigen Aussagen umgehen : erstens : wie willst du die Freiheit messen, dass sie gleich verteilt ist ? Freiheit ist nicht manifest und daher nicht messbar ! zweitens : In Italien gibt es Sozialhilfe, nicht so groß wie in Deutschland und sie ist auch anders organisiert, aber dennoch gibt es die ! In Dänemark existiert sie auch, als Beispiel, im Jahr 2006 nahmen in Dänemark 301.422 Personen Sozialhilfe in Anspruch.</p>