Es schmeckt ihr nicht! - Kommentare Es schmeckt ihr nicht ! 2013-08-22T12:49:36Z https://www.taurillon.org/Es-schmeckt-ihr-nicht,05917#comment18364 2013-08-22T12:49:36Z <p>Liebe Katrin,</p> <p>vielen Dank für den Artikel. Es ist sehr wichtig, den intergenerationellen Missstand wiederholt und klar zu benennen. Dein Artikel greift die Problematik gut auf. Es gibt allerdings eine Stelle, die ich wenig überzeugend finde. So schreibst du :</p> <p>« Europa erlebt derzeit wohl den größten gesellschaftlichen Umbruch seit Jahrzehnten – ein Umbruch zwischen Alt und Jung. Dieser Umbruch wird nur wenig wahrgenommen, weil die Jungen in der Unterzahl sind. Es ist kein Generationenkonflikt. Die meisten jungen Europäer verstehen sich gut mit ihren Eltern. Es ist vielmehr eine Perspektivlosigkeit und Suche, die von der älteren Generation nur schwer nachvollzogen werden kann. »</p> <p>Natürlich handelt es sich um einen Konflikt bestimmter Alterskohorten. Eine Volkswirtschaft generiert laufend eine gewisse Menge an Gütern und Dienstleistungen, die natürlich auch errungen und verteilt werden müssen. Ohne einen gewissen Interessen- und Verteilungskonflikt läuft das natürlich nie ab und in diesem Sinne besteht auch zwischen Elterngeneration und Nachkommen ein Konflikt.</p> <p>Hinzu kommt, dass der Konflikt, der innerhalb einer Familie durch familiäre Beziehungen überlagert wird, in der « Gesellschaft », den « Sozialsystemen » oder auf dem « Arbeitsmarkt » viel klarer hervortritt. Nicht deine Eltern beuten dich innerhalb der Familie aus, sondern sie gehen zur Arbeit und beuten dort deine Altersgenossen aus - um es mal plastisch zu formulieren. Wenn du sagst, viele junge Menschen haben mit ihren Eltern gar kein Problem, dann blendest du eben diese makrosoziale Komponente aus ; ja alle weiteren, mit der Sozialstruktur und den sozioökonomischen Dynamiken zusammenhängenden Faktoren werden gleich mit verdeckt.</p> <p>Eine Erklärung für die zunehmende materielle Ausgrenzung, prekäre Arbeitsverhältnisse, die an Ausbeutung grenzen, liegt für dich scheinbar darin, dass « die Perspektivlosigkeit und Suche » der jungen Menschen von der Elterngeneration nicht nachvollzogen werden kann. Also davon ist es in meinen Augen aber noch ein ganz schön langer Weg bis zu ausbeuterischen Arbeitsverhältnissen. Das erklärt einfach mal gar nichts.</p> <p>Wenn man sich zur prekären Situation junger Menschen in Europa äußerst, dann kommt man um sozioökonomische Fragen nicht umhin. Du erwähnst richtigerweise Kohorteneffekte. Die spielen fraglos eine wichtige Rolle. Richtig ist aber auch : die in den zurückliegenden Jahrzehnten zunehmend ungleiche Verteilug von Eigentum, Schuld und Macht wirkt sich auf junge Menschen negativ aus - und das gilt es stärker herauszuarbeiten.</p>