Sport als Friedensstifter

Wenn aus Gegner*innen Freund*innen werden

, von  Denise Klein

Wenn aus Gegner*innen Freund*innen werden
Jubelnde Volleyballerinnen. Foto: Unsplash / Vince Fleming / Unsplash License

Der 06. April ist Internationaler Tag des Sports für Entwicklung und Frieden. Den Aktionstag gibt es erst seit 2013, aber die Bedeutung des Sportes als Friedensstifter reicht weiter zurück. Er hat auch einen hohen Stellenwert in der internationalen Zusammenarbeit.

Flandern 1914: An Weihnachten legten deutsche und englische Soldaten während des Ersten Weltkriegs ihre Waffen kurzzeitig nieder. Statt aufeinander zu schießen, stiegen sie aus ihren Schützengräben und spielten gegeneinander Fußball. New York 2010: Ein indischer und ein pakistanischer Tennisspieler spielten gemeinsam im Doppel, obwohl ihre Heimatländer im Krieg lagen. Zusammen erreichten sie das Finale der US Open. Solche und viele weitere Geschichte zeigen: Sport kann Menschen vereinen.

Die Vereinten Nationen (UN) haben Sport inzwischen als ein wichtiges Mittel anerkannt, das dabei helfen soll, die 17 Entwicklungsziele zu erreichen. 2013 beschloss die UN-Generalversammlung einen Tag ins Leben zu rufen, der an die Rolle des Sportes für den Frieden ebenso wie für Entwicklung, Bildung und die Gesundheit erinnern soll. Ihre Wahl fiel auf den 6. April: An diesem Tag fand 1896 die Eröffnungsfeier der ersten olympischen Spiele der Neuzeit statt.

Zugänglich und möglich

Seit mehreren Jahren fördert der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und im Auftrag des Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) die Projektreihe „Sport und Entwicklung“. Sie unterstützt Sportprojekte in Entwicklungs- und Schwellenländern, darunter Kolumbien, Ghana und Mosambik. Seit dem Inkrafttreten des Vertrags von Lissabon im Jahr 2009 hat auch die Europäische Union eine Zuständigkeit für Sport und seine Entwicklung in den Mitgliedsstaaten. Beispielsweise mit dem Programm Erasmus+ wird die Sportpolitik strukturell unterstützt. Die Europäische Kommission schreibt dazu auf ihrer Internetseite: „Sport kann zur Verbesserung der allgemeinen Lebensqualität in Europa und zur Überwindung großer gesellschaftlicher Probleme wie Rassismus, soziale Ausgrenzung und Ungleichbehandlung beitragen.“

Mithilfe des Sports sollen diese Probleme langfristig und auf der ganzen Welt gelöst werden. Eine gewaltige Herausforderung: Respekt, Fairplay und Teamgeist - diese Attribute schreibt man dem Sport zu und genau diese sollen vor allem Kindern und Jugendlichen vermittelt werden. Sie sollen Verantwortung lernen und respektvolles Verhalten gegenüber ihren Mitspieler*innen und der Konkurrenz. Vor allem Sportvereine sollen auch innerhalb der Entwicklungszusammenarbeit des BMZ gefördert werden, da sie als wichtige zivilgesellschaftliche Akteure Länder zueinanderbringen.

Schattenseiten: Nicht zu übersehender Hass

Der Sport hat jedoch auch Schattenseiten wie nur unter anderem rassistische Übergriffe auf Sportler*innen. Egal ob Bundesliga oder Europa-League, immer häufiger machen Fußballfans Schlagzeilen, weil sie Spieler*innen rassistisch beleidigen. 2019 veröffentlichte der Deutsche Fußballbund eine Statistik, in der sich zeigte, dass es in der Saison 2018/2019 während Amateur-Fußballspielen zudem 2906 Angriffe auf Schiedsrichter*innen gegeben hatte.

Auch gerät der Sport in die Kritik, wenn große Veranstaltungen in Ländern ausgetragen werden, die beispielsweise wegen Menschenrechtsverletzungen Aufmerksamkeit erregt haben. Der FC Bayern fuhr so zu einem seiner Hauptsponsoren nach Katar ins Trainingslager, während die Menschenrechtsorganisation Amnesty International dem Land zugleich schwere Vorwürfe macht. Das Gastgeberland für die WM 2022 steht unter Verdacht, Gastarbeiter*innen unter menschenunwürdigen Bedingungen arbeiten zu lassen. Welches Signal sendet also ein Fußballverein oder ein ganzer Verband, wenn er in einem Land trainiert, das sich auf „moderne Sklaverei“ einlässt? Welche Signale sendet also ein Fußballverein, wenn er in einem Land trainiert, das sich auf moderne Sklaverei einlässt? Und wie kann ein Verband jede Kritik ausblenden und Katar eine Weltmeisterschaft ausrichten lassen?

Weiter werden auch im Sport noch immer große Unterschiede zwischen „Männersport“ und „Frauensport“ gemacht. Frauen steht erst seit kurzer Zeit die Tür zum professionellen Sport offen - und das auch nicht gerade sperrangelweit. Erst seit 2013 ist Frauen-Skispringen olympisch, zuvor hatte der Präsident des Weltskiverbands FIS eine Teilnahme von Frauen strikt abgelehnt. Frauen würde angeblich beim Aufprall die Gebärmutter reißen, deshalb sei der Sport aus von ihm als medizinisch bezeichneten Gründen für Frauen bedenklich. Nur eine von vielen Mythen, die sich im Sport lange hielten und noch nicht ganz aus den Köpfen verschwunden sind.

Der DOSB weiß um diese Probleme und schreibt dazu: „Auch wenn die Potenziale des Sports überaus vielfältig sind, ein Allheilmittel ist er nicht. Vielmehr ist Sport immer auch ein Spiegel der Gesellschaft.“ Auch daran erinnert der Internationale Tag des Sports für Entwicklung und Frieden am 06. April.

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