Winterpause: Silvester und Neujahr quer durch Europa

, von  Arnisa Halili, Charlotte Felthöfer, Florian Bauer, John Grosser, Julia Bernard, Marie Menke, Niclas Hüttemann, Patrick Geneit, Stefanie Neufeld

Winterpause: Silvester und Neujahr quer durch Europa
Funken sprühende Wunderkerzen an Silvester. Foto: Unsplash / Sharon McCutcheon / Unsplash License

Kurz vor der Winterpause haben wir uns in Europa umgeschaut: Wie wird eigentlich in anderen Ländern das neue Jahr begrüßt und Silvester gefeiert? Eins können wir vorab verraten: Das Essen spielt in unzähligen Ländern eine besondere Rolle.

Polen: Neujahrsputz adé

„In unserem östlichen Nachbarland wird traditionell nicht viel vom Neujahrsputz am 31. Dezember gehalten: Wer nicht putzt, den verlässt das Glück auch im neuen Jahr nicht. Um Mitternacht werde im Gegenzug Fenster und Türen geöffnet, um die guten Geister ins Haus zu lassen. Frauen mit Beziehungswunsch streuen sich Mohn in den Schuh: Jedes Korn steht für eine*n Verehrer*in im kommenden Jahr. Um Alkohol, vorzüglich süßen Sekt, kommt an Silvester keine*r vorbei, der nicht abfällig als „abstinent“ abgestempelt werden möchte. Ansonsten wird auf dem Land Silvester deutlich bescheidener begangen als in der Stadt: Dort amüsiert sich die wohlhabende polnische „Smietanka“ auf rauschenden Silvesterbällen.“ - Charlotte Felthöfer


Estland: „Next-level Silvestermahl“

„An Silvester und Neujahr wird wohl in ganz Europa viel gegessen und geschlemmt. Doch Estland hebt Festtagsessen auf ein neues Level: Eine estnische Tradition besagt, dass wenn man am 31. Dezember sieben bis zwölf Mahlzeiten zu sich nimmt, einem im kommenden Jahr die Kraft von sieben Männern (oder Frauen) verliehen wird. So kommt es, dass in Estland – einem Land, das viel Hungersnot erlitten hat – an Silvester sieben, neun oder gar zwölf Mahlzeiten verspeist werden. Mit diesem Festmahl segne man sich selbst nicht nur mit viel Kraft, sondern auch mit genügend Essen für das kommende Jahr.“ - Julia Bernard


Belgien: Regionale Unterschiede

„Auch die Silvester-Feierlichkeiten Belgiens sind, ähnlich der Vielzahl der kulturellen Feste, regional unterschiedlich. Im französischsprachigen Teil beispielsweise sind durch Frankreich inspirierte Feierlichkeiten an der Tagesordnung, so zum Beispiel der Verzehr des traditionellen „Cœur de nouvel an“ – einer Torte in Herzform. In Flandern hingegen tragen Kinder am Neujahrstag ihre zuvor verfassten Neujahrsbriefe mit guten Wünschen an ihre Eltern und Großeltern vor. Da es sich bei den Briefen um eine Tradition handelt, die ihren Ursprung im 16. Jahrhundert hat, haben die Briefe auch schon Einzug in den Schulplan gefunden, denn sie werden in einer speziellen Reimform verfasst. Im Anschluss an die anspruchsvollen und emotionalen Vorträge bekommen die Kinder zur Belohnung Geschenke und feiern den Tag mit ihrer Familie.“ - Niclas Hüttemann


Frankreich: Geschenk für Helfer*innen des Alltags

„Im Vergleich zu Deutschland geht es in Frankreich zum Jahreswechsel ruhiger zu. Das Zünden von Feuerwerkskörpern ist zu privaten Zwecken untersagt und nur wenige Städte organisieren Feuerwerke. Die meisten feiern gemütlich zu Hause, im Freundes- oder Familienkreis, und, wie könnte es anders sein, mit einem langen und ausgiebigen Essen. Trotz kalter Wassertemperaturen hüpfen an zahlreichen Badeorten in der Bretagne Menschen am Nachmittag des 31. Dezembers ins Meer und nehmen am traditionellen Neujahrsschwimmen „Bain de la Saint-Sylvestre“ teil. Eine weitere französische Besonderheit an Neujahr und den folgendenTagen sind die sogenannten „étrennes“: Dabei handelt es sich um kleine Neujahrsgeschenke, die für die Helfer*innen des Alltags (Postbot*innen,Mitarbeiter*innen der städtischen Müllabfuhr etc.) gedacht sind.“ - Arnisa Halili


Irland: Nacht der großen Portion

„Die Zeiten, in denen es Irland wirtschaftlich so schlecht ging, dass die Menschen um ihre Grundversorgung bangen mussten, sind lange vorbei. An Silvester kommt aber in den traditionellen Bräuchen eine Erinnerung an entbehrlichere Zeiten auf, in denen der letzte Tag des Jahres mit einem seltenen Festmahl in der „Nacht der großen Portion“ gefeiert wurde. Damit wird die Hoffnung auf ein neues Jahr ohne Hunger und materielle Not ausgedrückt. Auch heute noch werden zudem traditionell Wände und Türen des Hauses mit Brot oder Kuchen „geschlagen“, was nicht nur materiellen Wohlstand verspricht, sondern als Nebeneffekt auch böse Geister vertreiben soll.“ - Florian Bauer


Tschechien: Bleigießen und Apfelorakel

„Die Frage, was das neue Jahr bereithält, versuchen viele Tschech*innen neben dem weitverbreiteten Bleigießen mithilfe des traditionellen Apfelorakels zu beantworten. Hierbei wird ein Apfel halbiert und die Form des Kerngehäuses prognostiziert das Schicksal – Ähnelt die Anordnung der Kerne einem Kreuz droht Unheil, ein sternförmiges Gehäuse verheißt Glück. Zum Abendessen kommt traditionell ein Linsengericht auf den Tisch, um die Weichen für finanziellen Erfolg im neuen Jahr zu stellen.“ - Charlotte Felthöfer


Spanien: Weintrauben, die Glück bringen

„Ein Ort in Spanien eignet sich besonders, um typisch spanische Silvestertradition zu erleben: der Platz Puerta de Sol in der Hauptstadt Madrid. Nirgendwo anders begegnet man in dieser Nacht so viel Musik, so vielen Luftschlangen und so vielen Menschen, die Lust haben zu feiern. Dort - aber auch an allen anderen Orten, an denen Menschen zusammen Silvester feiern - werden am 31. Dezember je zwölf Weintrauben verzehrt. Das Besondere: Glück bringen sie nur, wenn sie rechtzeitig im Takt der Glockenschläge, die bis zum neuen Jahr herunterzählen, gegessen werden. Die Tradition ist für viele Spanier*innen so wichtig, dass die Glockenklänge sogar im Fernsehen übertragen werden, damit sie auch wirklich niemand verpasst.“ - Marie Menke


Slowakei: Schweinefleisch als Symbol für Reichtum

„In der Slowakei hält sich ein alter Aberglaube, dass Schweinefleisch (von Ferkeln) Glück bringt. Deshalb isst man es zum Abendessen am Silvestertag entweder direkt oder in Wurstform. Schweinefleisch und Linsen sind in der Slowakei ein Symbol für Reichtum. Am 1. Januar darf man hingegen weder das Fleisch von Geflügel noch von Hasen essen, weil dadurch das Glück und der Besitz wieder verschwinden können. Stattdessen soll man früh am Morgen aufstehen, da geglaubt wird, dass das gesamte Jahr so verlaufen wird, wie man es am ersten Tag beginnt.“ - Patrick Geneit


Schweden: Silvester im Freilichtmuseum

„Um der Kälte und Dunkelheit zu trotzen, begeben sich viele in Schweden mit ihrem Freundeskreis auf eine Party oder in eine Bar, um dort in glamourösen Outfits ins neue Jahr zu tanzen. Oder man entscheidet sich für eine Familienfeier und trägt sich gegenseitig Neujahrsgedichte vor. Beliebt ist auch ein Silvesterprogramm im Freilichtmuseum, das im schwedischen Fernsehen übertragen wird. Auf den Tisch kommen neben anderen Leckereien üblicherweise Hummer und Austern. Pünktlich um Mitternacht wird das neue Jahre dann vielerorts mit Feuerwerken begrüßt, welche böse Geister aus der Stadt verjagen sollen.“ - John Grosser


Bulgarien: Je gruseliger, desto besser

„Traditionell verkleiden sich bulgarische Männer als“Kukeri„-Ungeheuer. Sie tragen Tierfelle und selbstgemachte, gruselige Masken aus Holz. Je kreativer und gruseliger die Maske ist, desto besser. Die Kostüme sind außerdem mit vielen lauten Glocken versehen, wie sie eigentlich Schafe und Ziegen tragen. Die Ungeheuer sollen durch ihr Aussehen und den Lärm böse Geister vertreiben. Früher gingen die Männer in alle Häuser ihres Dorfes, um den Familien Gesundheit zu bringen, und gruben symbolisch die Felder um, was eine gute Ernte bringen sollte.“ - Stefanie Neufeld


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