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Neuer JEF-Vorsitzender Gath im Interview: AfD politischer Gegner

Das erste Interview des neuen Bundesvorsitzenden der JEF

, von  Tobias Gerhard Schminke

Seit Oktober hat die JEF Deutschland eine neue Führung. Im Amt des Bundesvorsitzenden der deutschen Föderalisten folgt David Schrock nun Manuel Gath. Was der Hesse anders machen will als sein Vorgänger erzählt uns Gath heute in seinem ersten Interview für den treffpunkt. Weitere Themen sind der künftige Umgang der JEF mit der rechtspopulistischen Partei AfD oder auch der Lieblingsfußballverein des neuen JEF-Vorsitzenden.

Der neue Bundesvorstand der Junge Europäische Föderalisten - JEF Deutschland, gewählt vom 63. Bundeskongress der JEF Deutschland in Würzburg. – © JEF

Autoren

  • ist Chefredakteur von treffpunkteuropa. Zudem ist er Initiator des europeanmeter und @EuropeElects. Er studiert im B.A. Publizistik und Politikwissenschaft an der Universität Haifa und an der Johannes-Gutenberg Universität Mainz. Aktuell arbeitet er als freier Mitarbeiter für die Rhein-Zeitung. Zuvor war Schminke für MdB Gabi Weber, beim Meinungsforschungsinstitut TeleMatrix und beim ZDF tätig.

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treffpunkteuropa: Manuel Gath, du bist seit einem Monat Bundesvorsitzender der Jungen Europäischen Föderalisten. Wie fühlt sich das an? Wie hat sich dein Leben dadurch verändert?

Gath: Ich fand es im ersten Moment nach der Wahl bereits erstaunlich, wie viele Menschen mir diese Frage gestellt haben. Es ist natürlich nicht von heute auf morgen alles anders, aber man merkt schnell, welche Herausforderung die Führung eines bundesweit tätigen Verbands ist. Ich bin bis zur kommenden Landesversammlung auch noch Vorsitzender der JEF in Hessen, so gesehen ist mein Alltag zunächst um einiges stressiger geworden. Gleichzeitig habe ich jetzt Zugang zu zahlreichen Informationen über den Verband und seine Struktur, die Verwaltung und auch die Wahrnehmung von außen, die ich vorher so im Detail noch nicht kannte. Das kann die Perspektive auf einige Dinge schon verändern.

treffpunkteuropa: Was sind deine Ziele als Bundesvorsitzender? In welchem Feld willst du die JEF besonders voran bringen oder auch verändern?

Ich werde in erster Linie daran arbeiten, dass meine Ziele auch die Ziele des gesamten Vorstandsteams sind. Klar geht es auch darum, Impulse zu geben. Aber am Ende müssen wir alle an einem Strang ziehen. Mein persönliches Ziel für den Verband ist die weitere Professionalisierung unserer Arbeit. Wir erfahren aus verschiedensten Gründen stärkere Aufmerksamkeit und das müssen wir nutzen. Das erfordert ein professionelles Kontaktmanagement und eine gute strategische Kommunikation. Nach außen hin müssen wir zugängliche Themen wir stärkere Europäische Parteien oder mehr europaweite Jugendmobilität fordern. Gerade im Bereich der jugendrelevanten Themen müssen wir uns stärker und deutlicher positionieren.

Warst du bereits in der Vergangenheit in politischen Ämtern?

Politisch sozialisiert wurde ich eigentlich ausschließlich in der JEF, war also in keiner Partei aktiv. Zu Schulzeiten habe ich mich aber in der Schülervertretung engagiert und ich war für ein halbes Jahr stellvertretender Vorsitzender des AStA in Duisburg-Essen. Ansonsten gab es nur die bereits erwähnte Vorstandsarbeit in Hessen.

Du bist außerdem für den Verein Das progressive Zentrum e.V. aktiv. Was hat es damit auf sich und welche Funktion hast du hier inne?

Das Progressive Zentrum ist ein Berliner Think Tank, der sich für eine progressive, also fortschritts- und reformorientierte Politik in Deutschland und Europa einsetzt. Wir arbeiten zu Themen wie der Digitalisierung von Arbeit, dem Entgegnen von Rechtspopulismus oder neuen Impulsen für einen europäischen Dialog zwischen Politik und Zivilgesellschaft. Ich bin dort als Project Manager angestellt und organisiere Workshops, Diskussionsrunden und erarbeite inhaltliche Papiere. Besteht da nicht ein Interessenkonflikt?

Die Themen, die ich dort hauptsächlich bearbeite wie z.B. im Projekt „Das Stadtwerk der Zukunft“, haben zunächst wenig mit Europa zu tun. Aber klar, Das Progressive Zentrum ist natürlich auch ein Akteur in der sogenannten Berliner „Eurobubble“. Ich glaube jedoch, dass das auch ein Vorteil ist: Das Netzwerk und die Arbeit des DPZ bieten Potenzial für viele Synergien und meine Kandidatur sowie Wahl zum Bundesvorsitz wurden von den Kollegen sowie der Geschäftsführung in jeder Hinsicht voll unterstützt. Wir erarbeiten gerade in einer europaweiten Arbeitsgruppe Strategien gegen Jugendarbeitslosigkeit in Südeuropa und die Ergebnisse sind für die JEF ebenfalls wichtig.

Dein Vorgänger hat die JEF Deutschland mitunter durch umstrittene Thesen ins Gespräch gebracht. Ist das auch deine Strategie?

In der JEF bin ich selten einer Debatte aus dem Weg gegangen, ich suche aber eigentlich immer den Kompromiss. Mir geht es daher weniger um das Diskussionspotenzial einer These als viel eher um ihre Anschlussfähigkeit. Klar ist aber auch, dass der neue Bundesvorstand kritische Entwicklungen in Deutschland und Europa auch weiterhin deutlich ansprechen und Position beziehen wird. Wir sehen immer häufiger, dass unsere Lösungen für eine wachsende Zahl von Problemen gefragt sind. Das müssen wir selbstbewusst und hörbar kommunizieren, keine Frage.

Die JEF segelt häufig unter der Aufmerksamkeitsschwelle. Wie wirst du das ändern?

Einige Mitglieder des neuen Vorstands leben und arbeiten in Berlin, das ist für viele Dinge von Vorteil. Die JEF ist in politischen Kreisen durchaus bekannt, aber für viele sind wir nur ein Name von vielen. Das müssen wir ändern. Wir müssen noch offensiver den Kontakt zu Parteien, zu Fachpolitikern und zu Jugendverbänden suchen, um mit allen gemeinsam Impulse für eine breite europäische Debatte zu geben. Kampagnen mit den Jugendparteien haben in der Vergangenheit sehr gut funktioniert und auch unsere Bekanntheit erhöht. Wir brauchen also gerade hier mehr gemeinsame Projekte. Unabhängig davon müssen wir am Ende des Tages vielleicht nicht überall mitreden, aber wir müssen Relevanz für die Bereiche entwickeln, wo wir es tun. Aus diesem Grund sind explizit jugendpolitische Themen in mehrfacher Hinsicht von strategischer Bedeutung.

Europa ist ein Elitenprojekt. Wie wird die JEF das unter deiner Leitung ändern?

Das geht sicher nicht von heute auf morgen. Ein Ansatzpunkt wäre ein noch früherer Beginn europapolitischer Bildungsarbeit. Es gibt z.B. zahlreiche Schulprojekte, die von den Landesverbänden organisiert werden. Das Spektrum reich von Vorträgen über thematische Workshops an Schulen bis hin zu Planspielen für ganze Jahrgänge. Hierdurch erreicht die JEF tausende junge Menschen pro Jahr in ganz Deutschland, meistens jedoch Gymnasiasten. Wenn wir es mittelfristig schaffen, das auch auf Real- und Berufsschulen auszuweiten und vielleicht sogar noch kirchliche Jugendgruppen oder Verbände wie Pfadfinder zu erreichen, dann wäre schon viel gewonnen.

Welche Europapolitiker siehst du als Vorbild für dich?

Ich tue mich immer ein bisschen schwer mit Vorbildern, die ich nie persönlich getroffen oder erlebt habe. Aber von allen europäischen Persönlichkeiten finde ich Jacque Delors am spannendsten. Er hat es geschafft, die europäischen Institutionen aus einer Zeit der Lethargie herauszuführen und die politische Einigung neben der wirtschaftlichen voranzutreiben. Vorstöße dieses Kalibers brauchen wir heute mehr denn je.

Wie wird sich die JEF bei der anstehenden Bundestagswahl in Deutschland positionieren? Sind Aktionen geplant?

Die Bundestagswahl im kommenden Jahr ist wie jede nationale Wahl auch von europapolitischer Bedeutung. In der aktuellen Situation schauen viele Menschen in Europa nach Berlin und haben Erwartungen und Ängste. Uns geht es vor allem darum, ein Bewusstsein für die europapolitischen Positionen der Parteien zu schaffen und deutlich zu machen, warum es bei dieser Wahl nicht nur im Protest gehen darf. Wir denken derzeit über ein paar Ideen für eine Kampagne nach, die wir wieder gemeinsam mit den Jugendparteien durchführen wollen. Daneben wird das Entkräften rechtspopulistischer Positionen sicherlich eine große Rolle spielen.

Wie wirst du als Bundesvorsitzender mit eurokritischen Parteien umgehen? Wie mit der Partei Die Linke oder der Alternative für Deutschland?

Zwischen den beiden genannten Parteien gibt es glaube ich einen Unterschied: Bei der Linken finden sich auch viele Pro-Europäer, die unseren Positionen sehr nah sind und auch unsere Lösungsvorschläge teilen. Aber klar, europafeindliche Haltungen müssen wir auch hier kritisieren. Die AfD hingegen war vom ersten Tag an ein politischer Gegner mit der Ablehnung des Euro und ist es mit ihrer menschenfeindlichen Haltung heute umso mehr. Ignorieren ist keine Option bei einer Partei, die in manchen Bundesländern stärkste Oppositionskraft geworden ist. Unsere Beschlusslage sagt, dass wir keine aktive Zusammenarbeit anstreben dürfen und das werden wir auch unter keinen Umständen tun. Die simplen Parolen dürfen aber nicht ohne Gegenrede bleiben. Der geschürten Angst müssen alle demokratisch orientierten Bewegungen in Deutschland eine Debatte über eine positive Idee entgegensetzen. Nur so können wir verhindern, dass der Diskurs in der schwarz-weiß Logik der Populisten verfängt.

Da du der Vorsitzende von JEF Deutschland bist, müssen wir noch einige typische Fragen zum Abschluss stellen, die man als Vertreter Deutschlands häufig gestellt bekommt. Schließlich repräsentierst die JEF auch nach außen. Die erste Frage lautet: Was hältst du von Angela Merkel?

Um ehrlich zu sein mochte ich ihren Politikstil des Abwartens und Moderierens bislang nicht besonders. Ich glaube, dass eine deutsche Kanzlerin im Europa des Jahres 2017 Akzente setzen und nicht nur reagieren muss. Das wünsche ich mir für die Europapolitik der Bundesregierung auch heute noch. Wenn Angela Merkel schlussendlich Entscheidungen getroffen hat, dann fand ich diese oft richtig. Dem müssen dann aber auch konkrete Ideen und Konzepte der Umsetzung folgen. Da hat sie weiterhin Nachholbedarf.

Welches ist dein Lieblingsfußballverein der ersten, zweiten oder dritten Bundesliga?

Ich bin Fan des FC Bayern München und hege ansonsten noch Sympathien für den VfL Bochum.

Was ist deine liebste Biersorte?

Ich trinke in der Tat sehr gerne Helles aus München und Umgebung oder ein gutes Weizenbier. Das ist jetzt wohl keine große Überraschung.

Lieben Dank für die Beantwortung der Fragen!

Ich habe für die Möglichkeit der Beantwortung zu danken!


Das Interview führte Chefredakteur von treffpunkteuropa.de Tobias Gerhard Schminke

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