Die Europäische Kulturhauptstadt : die Geschichte eines EU-Paradoxon

Vereint in der kulturellen Vielfalt

, von  Übersetzt von Léa Gladis, Mehdi Drici

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Die Europäische Kulturhauptstadt : die Geschichte eines EU-Paradoxon

2008: Europäisches Jahr des interkulturellen Dialoges. Der Titel ist nett. Und das logische Ergebnis, denn im Mai 2007 wurde die Kultur mit der „Kulturagenda“ eine Schlüsselkomponente der internationalen Beziehungen. Aber es ist dennoch eher nur schmeichelhaft für ein Europa, das nur 0,03 % seines Budgets dem Bereich Kultur widmet. Die Entwicklung der Veranstaltung „Europäische Kulturhauptstadt“ veranschaulicht dieses merkwürdige Paradoxon des Kulturbereichs der EU, in dem sich „Projekt“ nicht auf „Budget“ reimt.

Auf der Grundlage einer zwischenstaatlichen Entscheidung

In der Tat hatte Melina Mercouri, damals griechische Kultusministerin, schon am 28. November 1983, während der informellen europäischen Ratsversammlung eine Idee. Und wenn man, um Europa nicht nur wirtschaftlich zu verstehen, jedes Jahr kulturelle Veranstaltungen in einer anderen Stadt organisierte? Eine „europäische Kulturhauptstadt“. Warum nicht…

Das Abenteuer begann 1985 in Athen. Die Ernennung der Stadt war eine Art zwischenstaatliche Entscheidung, die von den Vertretern der Mitgliedsstaaten im Rat beschlossen wurde. Aber nach einer Rotation der 12 Länder entstand eine Konkurrenzsituation zwischen den Staaten, die wiederum die Entscheidung erschwerte, die eigentlich einstimmig beschlossen werden sollte. Neun Städte bewarben sich so für das Jahr 2000. Günstigerweise haben die Minister vor Ort sie alle „unter Berücksichtigung der besonderen Bedeutung des Jahres 2000“ gewählt. Dennoch geriet das System außer Atem, da Wettbewerb und Einstimmigkeit sich wirklich nicht vertragen.

Die Vergemeinschaftlichung der Kultur

Während der Präsidentschaft des Großbritanniens im ersten Halbjahr 1998 entwickelte sich das Verfahren für die Entscheidung vom 25. Mai 1999, die ein gemeinsames Vorgehen zugunsten der Veranstaltung „Europäische Kulturhauptstadt 2005 bis 2019“, einführte, und die bei dieser Gelegenheit den Titel einer Hauptstadt unterstützte, den sich einige „Städte“ gegönnt hatten. Die Methode der Designierung, immer noch aktuell, arrangiert die Rotation unter den Mitgliedsstaaten, damit der Wettbewerb innerhalb des Landes aufkommt und nicht zwischen den Ländern selbst.

Außerdem wurde die Methode vergemeinschaftlicht, so lässt sie den Regierungen weniger Platz: auch wenn der Rat offiziell die ausgewählte Stadt ernennt, ist es die Aufgabe der Kommission, die Unterlagen zu verwalten und dem Rat eine begründete Stellungnahme zu den Bewerberstädten zu geben. Die Reihenfolge der Länder ist festgelegt, jedem Land wird garantiert an der Reihe zu sein, und 2003 wurde eine Entscheidung getroffen, um die neuen Staaten zu berücksichtigen: von 2009 bis 2018 wird ein neuer Mitgliedsstaat eine europäische Kulturhauptstadt mehr als die „Alten“ aufnehmen können.

So wurde die „Hauptstadt“, ausgehend von einem prekären juristischen Rahmen und pedantischen Willen, ein unumgänglicher Streitgegenstand des kulturellen, europäischen Lebens und hat das kulturelle Wirken der Union um die Vorteile herum festgesteckt, die sie für jeden Handelnden haben könnten.

Von den Hauptstädten zum Rahmenprogramm…

Zu Beginn, die glücklichen Auserwählten profitieren von einer unvergleichlichen Medienpräsenz. Besonders die Fülle an kulturellen Veranstaltungen lassen den Tourismus und die Neugründungen wachsen. Aller Voraussicht nach ist dies die Möglichkeit die Neuschaffungen in einer Region zu dynamisieren. Zum Beispiel die Stadt Lille im Jahr 2004: hier stieg die Zahl der Stellen im kulturellen Bereich um 22 %. Aber auch ganz sachlich kulturelle Stätten, zu bauen oder die alten zu modernisieren.

Liverpool plant so die Renovierung des „Bluecoat“ im ältesten Gebäude der Innenstadt; um die jungen Talente der Stadt aufzunehmen; 2005 hat Cork seinen Flughafen vergrößert. Jedoch ist das primäre Ziel nicht die wirtschaftliche Entwicklung wie bei den Strukturfonds. Der europäische Gesichtspunkt des Projekts überwiegt gegenüber der Situation der Stadt. Dennoch, trotz der teilweise riesigen Budgets wie „Liverpool 2008“ und seine 150 Millionen Euro, bleibt die EU-Investition bescheiden, auch wenn es sich um ein kulturelles europäisches Ereignis handelt, das die meisten Ausgaben bedingt. In der Tat hat die Union während der Jahre 1995 bis 2004 durchschnittlich nur 1,53 % der Gesamtausgaben, die sich gemäß den Schätzungen des Palmer-Berichts auf 3 bis 4 Milliarden Euro beliefen, beigesteuert. Den restlichen Betrag übernehmen öffentliche Einrichtungen (Städte, Regionen, Staaten) und Privatleute, die die Veranstaltungen aufstellen oder im Hintergrund an ihnen teilnehmen (Tourismusagenturen, Hotelketten etc.).

So sieht man wie eine fast alte Veranstaltung auf Gemeinschaftsebene mit einem eher mageren Budget mit ihren wechselseitigen Vorteilen den Weg geebnet hat für die Rahmenprogramme „Kultur 2000“ und nun „Kultur 2007“. Letzteres, dem bis 2013 ein Budget von 400 Millionen Euro bewilligt wurde, zielt darauf ab, die Zusammenarbeit zwischen den Schöpfern, den kulturellen Akteuren und den kulturellen Institutionen der Mitgliedsstaaten im Gesamtbereich der künstlerischen und kulturellen Disziplinen zu fördern. Um einen gemeinsamen Raum kulturellen Ausdrucks zu schaffen. Mit nur 0,03 % des Budgets. Stellen wir es uns mit 0,3 % vor!

Bildung : Anläßlich des Lilles herausgegebene Marke, europäische Hauptstadt der Kultur 2004.

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