Gefangene Freigeister: Frauen im Iran

, von  Can Yildiz

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Gefangene Freigeister: Frauen im Iran
Sie gehen zur Universität, sitzen im Parlament und prägen die iranische Gesellschaft maßgeblich. Dennoch wird ihr Leben streng kontrolliert und beschränkt von den Männern der islamischen Revolution: ein kurzer Blick auf die Situation der Frauen im Iran. Foto: Hamed Saber / Flickr / Attribution 2.0 Generic (CC BY 2.0)

Sie gehen zur Universität, sitzen im Parlament und prägen die iranische Gesellschaft maßgeblich. Dennoch wird ihr Leben streng kontrolliert und beschränkt von den Männern der islamischen Revolution: ein kurzer Blick auf die Situation der Frauen im Iran.

Wenn man an den Iran denkt, kommen den meisten wohl zuallererst verschleierte Frauen und ein von Religion und Verboten geprägtes Leben in den Sinn. Die Realität sieht allerdings etwas anders aus. Frauen spielen eine deutlich aktivere Rolle und haben mehr Einfluss in der iranischen Gesellschaft, als vielen bewusst ist. So sind etwa 60% der Studierenden im Iran weiblich. Angesichts der Tatsache, dass der Iran ein theokratisch organisierter Staat ist, ist diese Rate, die in Europa in etwa gleich hoch liegt, bemerkenswert. An Bildung fehlt es den Frauen im Iran also nicht. So wurde in den 60er Jahren, zur Zeit der Monarchie, die Bildung von Frauen sogar explizit gefördert.

1979 spielten die Frauen eine entscheidende Rolle beim Sturz des Schahs in der Hoffnung auf eine demokratischere und freiere Zukunft. Die Islamische Revolution jedoch brachte genau das Gegenteil: Unterdrückung und Beschränkungen. Bei den selbstbewussten und gebildeten Frauen des Iran hinterließ das selbstverständlich viel Enttäuschung.

Die darauffolgende Diskriminierung der Frauen ist heute tief verankert im islamisch geprägten Staat im Nahen Osten. Die Verfassung verpflichtet den Staat in Art. 3 zwar „zur Beseitigung ungerechter Diskriminierung, zur Herstellung eines gerechten Zugangs zu sämtlichen materiellen und geistigen Gebieten für alle“, eine Pflicht zur Gleichberechtigung der Geschlechter wird in der Islamischen Republik davon jedoch nicht abgeleitet. So dürfen Frauen bestimme Berufe wie das Richteramt nicht ausüben, die Aussage einer Frau vor Gericht zählt nur halb so viel wie die eines Mannes. Doch die Diskriminierung macht auch vor dem Alltag keinen Halt: häusliche Gewalt gehört zur Tagesordnung, viele alltäglichen Dinge wie Ausgehen können schwerwiegende Folgen für iranische Frauen und Mädchen haben oder sind schlicht unmöglich.

Bei all diesen Verboten darf jedoch nicht vergessen werden, dass dahinter selbstbewusste und gebildete Frauen stehen, die sich gegen diese Unterdrückung wehren und zumindest all die Freiheit nutzen, die ihnen gegeben wird. Denn ganz wurden die Frauen nie vom Arbeitsmarkt ausgeschlossen, sie sind heute Journalistinnen, Lehrerinnen und sitzen sogar im Parlament. Die strengen Kleidungsvorschriften werden zumindest in den großen Städten großzügig interpretiert.

Sollte es also nochmal zu einer Revolution im Iran kommen, werden die Frauen an vorderster Front für Selbstverständliches einstehen: Freiheit, Gleichberechtigung und ein selbstbestimmtes Leben.

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