Masernausbrüche in Europa: Beimpfbare Tragödien

Warum wir in Europa dringend gemeinsame Strategien zur Bekämpfung von Infektionskrankheiten brauchen

, von  Tobias Gerhard Schminke

Masernausbrüche in Europa: Beimpfbare Tragödien
35 Europäer starben 2017, weil sie sich nicht geimpft hatten. Copyright: Pan American Health Organization PAHO Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-nc/2.0/

Die Zahl der Masernerkrankungen hat sich nach 2016 in Europa vervierfacht: In 2017 erkrankten mehr als 20.000 Menschen in Europa an Masern, 35 davon starben, zahlreiche gesundheitliche Folgen werden beobachtet – wegen einer Krankheit, die längst ausgerottet sein sollte. Wo liegen die Gründe? Welche Herausforderungen müssen wir in Europa bewältigen und welche Lösungsansätze gibt es? Der Chefredakteur von treffpunkteuropa.de Tobias Gerhard Schminke sprach mit Steffen Künzel, Medizin-Student aus Bonn und Gründer von “Impf Dich – Get Vaccinated”, einer Initiative für höhere Impfquoten in Deutschland.

Schminke: Herr Künzel, Sie haben zum Jahreswechsel die Initiative „Impf Dich – Get Vaccinated“ gegründet. Was hat Sie dazu bewegt etwas zu unternehmen?

Künzel: Die Idee stammt eigentlich aus meinem kompletten Freundeskreis, der hauptsächlich aus Apothekern, Ärzten und jeweiligen Studenten besteht. Ich kenne nicht einen Mediziner, der noch nicht mit offensichtlich falschen, wissenschaftsfernen Aussagen über das Impfen konfrontiert wurde. Daraus entstanden vereinzelte Vorträge und Diskussionsrunden, die nun in einer ganzen Bewegung gemündet sind. Wir wollen mit unserer Initiative nicht missionieren und Leute auf Zwang impfen, sondern vielmehr einige Dinge richtigstellen.

Warum ich mich persönlich für Impfungen einsetze: Ich selbst hatte keine Poliomyelitis, keine Meningokokken-Hirnhautentzündung und auch keinen Tetanus. Ich kenne zum Glück persönlich auch niemanden, der diese in Europa hatte. Trotzdem habe ich die Krankheiten mit meinen eigenen Augen in verschiedenen Regionen der Welt gesehen und weiß, was sie anrichten können. Es gibt wohl keine kostengünstigere, einfachere Maßnahme, um gefährliche und komplikationsreiche Krankheiten zu bekämpfen als Impfungen. Nicht umsonst haben wir unsere Schulkampagne „Kleiner Pieks mit großer Wirkung“ genannt.

Schminke: Sie betonen in Ihren Vorträgen, dass es gerade heute wichtiger denn je ist, für das Thema Impfung zu sensibilisieren und Menschen zum Impfen zu bewegen. Warum?

Künzel: Wir leben heute in einer Zeit, in der einiges im Wandel ist. Das bringt auch im Gesundheitswesen Herausforderungen mit sich. So verbreiten sich Fake-News über das Internet heutzutage schneller als jede Grippe. Es ist mittlerweile völlig normal, dass selbst höchstrangige Politiker ganz offen Klimawandel und Wissenschaft generell anzweifeln und für Misstrauen sorgen. Diese Entwicklungen führen nicht zu einem höheren Vertrauen in Schutzimpfungen, weshalb es umso wichtiger ist für richtige und wissenschaftsbasierte Fakten einzustehen und diese in die Diskussionsrunde zu werfen. Dazu wird viel mehr gereist und migriert. Regionen, die frei von Krankheiten sind, können morgen schon wieder gefährdet sein. Ungeimpfte Menschen kommen dazu und Impfquoten fallen. Das begünstigt den Ausbruch von Krankheiten und gefährdet uns alle. Nach Europa kommen ganz aktuell sehr viele Menschen aus Regionen, in denen völlig andere Erreger toben, und in denen großteils nicht gegen die hiesigen geimpft wird. Umso wichtiger ist es, diesen Menschen Hilfe und Impfungen anzubieten. Dazu gibt es auch in Europa selbst große regionale Unterschiede bezüglich der Impfquoten. Es bringt nichts, wenn in Frankreichs sehr hohe Impfquoten erreicht werden und sich in gewissen Kantonen der Schweiz nicht einmal jeder Zweite durch Impfungen schützt. Das fördert den regionalen Ausbruch von Krankheiten und gefährdet damit uns alle.

Doch man darf nicht nur schimpfen, nicht nur die Herausforderungen sind gewachsen. Wir haben auch viel mehr Chancen an die Hand gegeben bekommen, die es zu ergreifen gilt. Niemals zuvor haben wir das Immunsystem so gut verstanden wie heute. Impfstoffe sind nicht nur nebenwirkungsärmer, sondern auch deutlich wirksamer bei der Förderung einer Immunantwort. Das motiviert nicht nur mehr Leute zu impfen - wir sollten das neue Wissen auch für jeden greifbar machen. Der Riss zwischen der aktuellen Wissenschaftsfront und der Allgemeinbevölkerung fördert Misstrauen, das wir uns beim wichtigen Thema „Impfen“ nicht erlauben dürfen. Deshalb plädiere ich stark dafür, nicht nur Impfempfehlungen herauszugeben, die hinter verschlossenen Türen entworfen werden. Wir sollten Studienergebnisse für jeden verständlich präsentieren und diese in unserer Argumentation „Pro Impfen“ einsetzen – den ganzen Prozess transparenter machen, gerade auf internationaler Ebene.

Hier können auch Online-Lösungen helfen. Es nutzt 2018 mittlerweile fast jeder in Europa Emails und das Internet. Das ist eine riesige Chance der Kommunikation um das Impfsystem komplett zu revolutionieren. Von einer Impferinnerung per Email oder Whatsapp an den Patienten, über die Planungen der Pharma-Industrie und Apotheken bis zum finalen Pieks beim Hausarzt, alles auf internationaler Ebene: Wir dürfen diese Chance nicht verschlafen – unsere Initiative arbeitet bereits an Lösungen.

Wir haben in Europa also nicht nur neue Probleme, sondern vor allem auch probate Mittel, um genügend Leute zum Impfen zu bewegen.

Es ist dringend notwendig, auf internationaler Ebene gemeinsame Strategien zu entwickeln, Impfempfehlungen anzugleichen und damit auf lange Sicht einen gemeinsamen Herdenschutz zu erreichen. Folgen wären auch einige wünschenswerte Effekte, wie günstigere Impfstoffe aufgrund gemeinsamer Beschaffung im großen Stil und breitere wissenschaftliche Studien zum Thema. Ich hoffe, dass wir die „Herde Europa“ für das gemeinsame Ziel zusammentreiben können.

Schminke: Sie klagen über große regionale Unterschiede von Impfquoten in Europa. Eine einfache Lösung, um die Impfquoten gleichermaßen zu heben, wäre die Impfpflicht. Unterstützen Sie die Idee einer europaweiten Impfpflicht?

Künzel: Da ich zu einhundert Prozent Impfungen unterstütze, würde ich persönlich einer Impfpflicht offen gegenüberstehen. Tatsächlich gibt es in einigen Ländern in Europa bereits eine Impfpflicht und sie wird in ganz Europa diskutiert. In Frankreich zum Beispiel müssen sich alle Kinder in den ersten zwei Jahren gegen elf Krankheiten impfen lassen. Das System funktioniert. Auch in Italien, Belgien, Kroatien und einigen anderen europäischen Ländern sind oder werden ähnliche Pflichten eingeführt, die Länder feiern große Erfolge bei der Eindämmung der Krankheiten. Man darf nicht vergessen, dass es selbst in Deutschland bis ins späte 20. Jahrhundert noch die Pockenimpfpflicht gab - Deutschland wurde zur Mitte der 70er Jahre pockenfrei erklärt. Die Erfolge der Impfpflicht sprechen also für sich und vor allem für Impfungen. Im Gegensatz dazu verfehlt die WHO seit Jahren ihr großes Ziel die Masern auszurotten und ich befürchte stark, dass wir dies nicht ohne Impfpflicht erreichen werden.

Trotzdem verstehe und akzeptiere ich die Position, sich gegen verpflichtende Eingriffe am eigenen Körper einzusetzen und glaube fest daran, dass wir auch durch Aufklärung über individuelle und epidemiologische Vorteile einer Impfung zu einem Anstieg der Impfquoten kommen können. Hier müssen wir anknüpfen und weitermachen.

Ein erster Schritt, um das große Ziel der Ausrottung von Infektionskrankheiten in Europa zu erreichen, wäre zum Beispiel die Einführung gemeinsamer Impfempfehlungen. Regionale Schwerpunkte, wie zum Beispiel für die FSME-Impfempfehlung, kann man dann immer noch setzen.

Um das Thema Impfpflicht abzurunden: Eine „latente Impfpflicht“, wie den Ausschluss von ungeimpften Kindern aus KITAs und Kindergärten, lehne ich scharf ab. Ebenso Strafgebühren für deren Eltern. Im Endeffekt straft man hiermit nur die Kinder, die wohl am wenigsten etwas für das Versäumnis oder die Ignoranz der Eltern können. Ein Einreiseverbot für ungeimpfte Menschen dagegen, wie es in Südamerika zum Teil umgesetzt wird, sollte auf lange Sicht diskutiert werden.

Schminke: Sie nutzen in Ihren Ausführungen als Beispielerkrankung immer wieder die Masern-Erkrankung. Warum?

Künzel: Ich könnte Ihnen viele Beispiele nennen. Die Pocken zum Beispiel hat man durch Impfkampagnen weltweit komplett besiegt, Poliomyelitis (Kinderlähmung) hat man bis auf Einzelfälle stark eingedämmt, in Europa ausgerottet. Die Masern stehen für mich sinnbildlich für die Probleme, die wir im Impfsystem in Europa haben. Einerseits ergreift mich das Gefühl, man ruhe sich auf den Impferfolgen vergangener Tage aus, denn Masern sind zum Glück in Europa stark zurückgegangen. Man verliert den Respekt vor den Krankheiten, weil diese so selten geworden sind. Diese „Impffaulheit“ mündet aber in fallenden Impfquoten und final in regionalen Masernausbrüchen, die wir in fast jedem Land in Europa in wechselnder, aber steigender Häufigkeit sehen.

Zudem sind Masern in ihrer Gefährlichkeit unterschätzt. Es herrscht der Irrglaube, Masern seien harmlos und bei Komplikationen wird der Arzt schon helfen. Für die Subakute Sklerosierende Panenzephalitis – eine gefürchtete Komplikation der Masern – gibt es aktuell keine Heilung, sie endet immer tödlich. Darüber hinaus gibt es noch zahlreiche weitere Komplikationen der Masern, die zu Taubheit, Koma oder Tod führen können. Wir dürfen uns in Deutschland also nicht auf das gute Gesundheitssystem und Fürsorge der letzten Jahrzehnte verlassen, sondern müssen unsere Maßnahmen durchweg neu hinterfragen.

Der dritte Aspekt, warum ich Masern sinnbildlich für die Situation in Europa sehe ist, dass auch in Europa wieder vielmehr auf sich selbst geschaut wird, als auf andere. Mit Schutzimpfungen schützt man nicht nur sich selbst (Individualschutz), sondern vor allem auch diejenigen, die sich nicht impfen lassen können (Herdenschutz). Das können zum Beispiel Schwangere und Kleinkinder sein, aber auch Krebskranke, Immungeschwächte, ältere Leute und viele mehr. Wenn ich mich als gesunder Mensch also gegen Masern impfe, schütze ich mich selbst, aber auch das krebskranke Kleinkind im Schwimmbad in meinem Spanienurlaub. Impfen ist also eine soziale Verantwortung, die man gemeinsam trägt. Wir sollten in Europa generell wieder mehr auf andere schauen und das ganz gezielt beim Thema Impfungen umsetzen.

Schminke: Wie gehen Sie das Ziel der steigenden Impfquoten konkret im Verein an? Was sind Ihre Maßnahmen?

Künzel: Kernmaßnahme unseres Vereins ist die wissenschaftsbasierte Aufklärung. Selbst das Europaparlament hat erkannt, dass die Kommunikation zwischen Experten und Wissenschaftslaien verbessert und insgesamt für mehr Transparenz gesorgt werden muss. Ich habe die positive Erfahrung gemacht, dass der Großteil der Menschen Argumenten und Fakten offen gegenübersteht und diese auch annimmt. Man muss sie aber auch liefern. Wir wollen im Verein nicht die Menschen hinters Licht führen, um auf Biegen und Brechen höhere Impfquoten zu erreichen. Wir stellen nur die richtigen, wissenschaftsbelegten Fakten zur Verfügung und zwar in einer Form, die für jeden greifbar ist. Sei es beim Schulvortrag in der 9. Schulklasse, der Impfpräsentation auf Arabisch im Flüchtlingsheim, dem Impfquiz auf unserer Website oder beim Gespräch in der Apotheke: Wir wollen die Menschen dort abholen, wo sie sind - in einer Form und Sprache, die ihnen passt. Das findet bei uns wie angedeutet online und offline, multilingual, bunt in Bildern oder eher trocken als Flyer in vielen Formaten statt. Wichtig ist uns auch neutral und korrekt an die Sache heranzugehen. Impfungen können Nebenwirkungen haben, was wir auch kommunizieren. Diese sind eben nur enorm selten, was Studien belegen.

Ein weiterer Grund für die „Impffaulheit“ vieler Menschen ist auch die riesige Bürokratie, die hinter einer Impfung stecken kann. Hier wollen wir durch Online-Lösungen ansetzen. So berichten Patienten nicht selten, dass sie mehrere Stunden im Wartezimmer ihres Hausarztes sitzen, bis dieser ihnen eine bestimmte Impfung für die nächste Reise oder zur Auffrischung empfiehlt, die Ärzte den Impfstoff jedoch häufig nicht direkt im Lager haben. Das bedeutet für den Patienten, sich mit der nächsten Apotheke in Verbindung zu setzen, auf den Impfstoff zu warten – was bei Engpässen ebenfalls Wochen bis Monate dauern kann – um dann erneut im Wartezimmer Platz zu nehmen. Noch schwieriger wird es, wenn der Papierimpfausweis verloren geht. Das ist nicht nur ärgerlich, sondern im Jahr 2018 vor allem vermeidbar. So entwickeln wir online Lösungen, um den Impfprozess für alle Beteiligten schneller, besser planbar und unkomplizierter zu machen.

Ein Tool ist bereits auf unserer Website online geschaltet. Mit unserem „Vaccination Card Reader“ checken wir den Impfpass von Leuten, die entweder keine Zeit oder nicht das nötige Wissen haben, welche Impfungen empfohlen sind und welche nicht. Für den Website-Besucher ist das ganz einfach: 1. Foto von Impfpass machen 2. Hochladen (gerne anonym) 3. Geburtsjahr angeben. Wenige Tage später gibt es eine Email, ob der aktuelle Schutz ausreicht oder eine Impfung zeitnah ansteht.

Schminke: An welche Zielgruppe richten sich solche Maßnahmen?

Künzel: Generell stellen wir unsere Maßnahmen allen zur Verfügung. Gerade durch Online-Beiträge und Schulveranstaltungen erreichen wir natürlich vor allem junge Leute und auch eher Menschen aus der Gruppe, die nicht komplett gegen Impfungen sind. Andere werden wohl eher nicht unsere Website besuchen oder an Vorträgen teilnehmen.

Trotzdem darf man eins nicht vergessen: Die Mehrzahl der Leute, die sich nicht impfen lässt, ist nicht prinzipiell gegen Impfungen. Ich würde sie eher als „impffaul“ bezeichnen. Sie gehen nicht zum Impfen, weil sie die Wichtigkeit nicht sehen oder der Aufwand einfach zu hoch ist. Diese Leute glauben schon an die Wirksamkeit der Impfungen. Prozentual machen ideologische Impfgegner da eher einen kleinen Teil aus, sie schreien nur lauter.

Das Problem der „Impffaulheit“ ist übrigens kein deutsches Problem. Ein großartiger Unterstützer unserer Initiative, Prof. Alexandre Dubrac ist Franzose, lebte sieben Jahre in den USA und jetzt in Kanada. Er versucht das Thema auch dort in die Diskussion zu bringen und beobachtet das gleiche Verhalten wie wir in Deutschland: „Ils n’ont rien contre les vaccins, ils sont juste trop fainéant pour se faire vacciner“. Abschließend bin ich froh darum, dass die Mehrzahl der Ungeimpften schlichtweg „zu faul“ ist, aber durch Argumente erreicht und zum Impfen bewegt werden kann. Auf diese Leute zielen wir ab. Der kleine Teil der Impfkritiker ist da schon schlimmer.

Schminke: Sie haben es schon angedeutet. Nicht alle Menschen sind offen für Argumente. Bekommen Sie Gegenwind aus dem Lager der Impfgegner? Wie gehen Sie mit diesem um?

Künzel: Die Impfentscheidung ist polarisierend und emotional. Gehen Sie davon aus, dass wir auf unserer Facebook-Seite regelmäßig mit Fake-Studien ohne jegliche Belege bespamt oder gar beleidigt werden, was uns sogar schon auf der Straße passiert ist. Verschwörungstheorien, Aberglaube oder Ablehnung gegen das System und den Staat – ich weiß selbst nicht, wo die Ursachen bei diesen Leuten liegen. Das Schlimme an Impfkritikern ist im Grunde auch nicht, dass sie sich selbst nicht impfen lassen, weil sie prozentual nicht so viele sind. Deutlich gravierender finde ich, wenn bewusst falsche Aussagen gemacht werden und damit die Gesundheit anderer oder der eigenen Kinder gefährdet wird. Ich finde es fast schon fahrlässig, wie in den USA von oberster Stelle offen gegen Wissenschaft und Forschung gehetzt wird und Fake-News instrumentalisiert werden, um politische Ziele zu erreichen.

Wie man mit Impfkritikern umgeht? Sehr gute Frage. Ich bin generell kein Freund davon über Leute zu sprechen, zu schimpfen oder diese zu ignorieren, weil sie nicht meine Meinung zu wichtigen Fragen (Politik, Gesundheit) haben, sondern bevorzuge es auf diese zuzugehen und mit Studien zu argumentieren. Wissenschaftsfundierte Fakten sprechen bei der Impfentscheidung eine klare Sprache, was uns die Argumentation in aller Regel einfach macht. Trotzdem beobachten wir immer wieder, dass einige „Experten“ nicht für Argumente offen sind und stur auf ihrer Meinung beharren. Ich weiß nicht, ob es ein probates Mittel gibt dagegen vorzugehen - zumindest habe ich es noch nicht gefunden. Bei solchen Diskussionen muss auch ich nicht immer das letzte Wort behalten. Ich lasse diese in Online-Chats und Foren dann gerne ihren „Impfungen machen Autismus“-Müll brabbeln. Dass es Leute gibt, die behaupten man könnte homöopathisch impfen, setzt dem ganzen dann die Krone auf.

Schminke: Apropos Homöopathie. Diese wird in einigen Ländern in Europa von der Krankenkasse bezahlt, u.a. auch vereinzelte Leistungen in Deutschland. Man diskutiert auch Maßnahmen im Impfwesen zu übernehmen. Was halten Sie von homöopathischen Impfungen?

Künzel: Gar nichts.

Schminke: Warum?

Künzel: Weil ich an die Wissenschaft glaube und es keine Studien gibt, die eine gezielte Wirkung von Globuli auf das Immunsystem auch nur ansatzweise aufzeigen - bis auf den Placebo-Effekt. Aus dem Urdogma der Homöopathen „Similia similibus curentur – Ähnliches heilt Ähnliches“ ziehen einige Quacksalber, dass dies der Grundstein der Impfung sei, bei der man durch Teile des Erregers heile. Auf was sich Hahnemann in seinem Modell aber bezog ist eine „vorhandene, akute Krankheit“ und die „verstimmte geistige Lebenskraft“. Beim Gesunden, der sich impfen lässt, ist aber keine akute Krankheit vorhanden und erst rechts nichts „verstimmt“. Ich lehne Homöopathie in der Medizin nicht komplett ab, aber im Immunisierungsprozess hat sie nichts verloren.

Schminke: Abschließend: Was geben Sie den Europäern mit auf den Weg beim Thema Impfungen?

Lassen Sie sich impfen. Diskutieren Sie über das Thema. Nutzen Sie studienbelegten Fakten. Unterstützen Sie Impfkampagnen weltweit.

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