Telegram revolutioniert den Iran

, von  Nico Amiri

Telegram revolutioniert den Iran

Heute sind es nicht Twitter und Facebook, die bekannten sozialen Netzwerke, über die sich Menschen zum Protest verabreden. Es ist ein Dienst mit Sitz in Europa, der das Leben vieler Iraner auf den Kopf stellt– zumindest sichtbar für kurze Zeit. Ohne den Messenger Telegram wäre dieser spontane Ausbruch des Zorns auf die Mullahs und das System nicht so schnell gewachsen. Treffpunkt Europa wagt einen Blick in die App und auf die Straßen Irans.

So beliebt wie hierzulande der Messenger-Dienst WhatsApp ist, so großer Beliebtheit erfreut sich die moderne Allround-App Telegram im Iran. Rund 40 Millionen Nutzer zählt der Dienst nach Angaben der UN – bei 48 Millionen Smartphone-Besitzern im Land und einer Gesamtbevölkerung von etwa 75 Millionen Menschen.

Warum ist gerade Telegram so beliebt im Iran?

Der Iran hat eine der jüngsten Bevölkerungen der Welt. Mehr als die Hälfte der Bewohner des Landes hat mindestens ein Smartphone. Da andere Dienste wie WhatsApp, Twitter und Facebook blockiert und daher nicht leicht zugänglich sind, nutzen viele Menschen die App, die auch bei niedriger Geschwindigkeit funktioniert und das persische Schriftzeichen-System problemlos unterstützt.

Eine Reihe von Alleinstellungsmerkmalen sorgt für die schnelle Vernetzung der Bevölkerung. Unter eigenen Short-Links, beginnend mit t.me, können Einzelpersonen und Millionen Nutzer zählende Kanäle schnell und einfach teilen. Auch lässt sich ein eigener Blog in Sekunden über telegra.ph verfassen. Erste Berichte verbreiteten sich so sehr schnell Das Mittel des Bloggens diente schon der Grünen Bewegung von 2009 dazu, die internationale Gemeinschaft über die Proteste im Sommer des gleichen Jahres, auf dem Laufenden zu halten. Die fünfthäufigste Sprache der internationalen Bloggergemeinschaft ist Persisch.

Wie reagiert das iranische Regime?

In dem Telegram-internen Kanal „Sedaie Mardom“ (https://t.me/sedaiemardom), zu Deutsch „die Stimme der Menschen“, teilten iranische Demonstranten und Aktivisten Berichte, Bilder und Videos – von den Proteste im Land selbst und der internationalen Berichterstattung. Viele westliche Medien nutzen das dort. verbreitete Material

Bekannt für seine restriktive Internet-Politik, zeigt die Führung des Landes auch hier keine Rücksicht. Auf Twitter teilte Telegram-Mitgründer Ravel Durov mit, dass seinen Messenger für viele Bürger seit Anfang dieses Jahres nicht mehr erreichbar sei. Als Grund dafür nannte die Führung in Teheran die in ihren Augen kriminellen Handlungen zahlreicher Demonstranten.

Es ist die Angst vor dem mächtigen und unkomplizierten Messenger und ihre Lehren aus dem Arabischen Frühling, die sie zu dem jüngsten Schritt bewogen. Messenger-Dienste sind zum festen Bestandteil des Protests geworden. Doch lässt sich die Demokratie leider nicht so leicht etablieren wie der Allround-Messenger-Telegram auf vielen Smartphones.

Täglich halten wir auch über Telegram auf dem Laufenden: Treffpunkt Europa auf Telegram (http://t.me/tpe_webzine)

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